ADB:Heinrich III. (Erzbischof von Bremen)

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Artikel „Heinrich III., Erzbischof von Bremen“ von Karl Ernst Hermann Krause in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 11 (1880), S. 506–507, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Heinrich_III._(Erzbischof_von_Bremen)&oldid=- (Version vom 21. Juli 2019, 00:37 Uhr UTC)
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Heinrich III., Erzbischof von Bremen, † am 18. April 1585, gewählt am 17. Februar 1567, vorher Domherr zu Köln, lutherisch, Freund des späteren Erzbischofs Gebhard II. (Truchseß von Waldburg), der 1583 entsetzt wurde; ist 1574 auch Bischof von Osnabrück und 1577 (zwischen 5. Sept. bis 16. Nov.) Bischof von Paderborn geworden; die versuchte Erlangung von Münster 1580 [507] scheiterte. Als Sohn Herzogs Franz I. von Lauenburg 1550 am 11. November geboren, kam er früh zur Herrschaft, und entgegengesetzt dem wilden fehdelustigen Raufboldwesen der Prinzen seines Hauses wurde er ein tüchtiger, friedliebender, wohl verwaltender Regent seiner Stifter, von hohem Ansehen im Reich, obwol vom Papst nie bestätigt, ebenso geehrt an den verschwägerten Königshöfen von Schweden und Dänemark. Kalt, ernst, unbeugsam, strammer Niederwerfer adelicher Raublust und Eigenmacht, Förderer financieller Ordnung, also auch von Steuern, war er persönlich nicht geliebt, aber seine Unterthanen haben nachher sein Andenken gesegnet, namentlich im Bremischen, das nie solche Wohlfahrt gekannt hatte als unter ihm. Er war verheirathet mit Anna von Broich, der Tochter eines Färbermeisters und Rathsherren zu Köln, die nach ihrem Vormund Dr. Pestorf auch Anna Pestorf (Bestorf) genannt wird, 1575, 25. October zu Hagen (irrig bei v. Kobbe) durch Prediger Gade getraut. Durch seine Wahl kam durch Vertrag das Land Wursten definitiv an Bremen, und er wußte die Bauern zu versöhnen; er ordnete und vereinfachte das Gerichtswesen, ließ die Volksrechte theils sammeln, theils bessern, und setzte 1577 das von Joachim Hinck ausgearbeitete Bremische Ritterrecht durch, das in verbalhornter Gestalt noch gilt; auch suchte er zu erreichen, was wir heute ein Budget nennen, und damals unerhört, auch nicht zu erzielen war. Als Paderborner Bischof hat er eine kurze Fehde wegen Pyrmont’s gehabt; die Osnabrücker, bei denen er das Schuldwesen zu ordnen unternahm, wurden seiner Regierung wegen schwerer Pest, Miswachses und Hungersnoth und des Klosterbrandes von Iburg 1581 nicht recht froh. Als Bremer Erzbischof hat er einen kurzen diplomatischen Streit mit Wilhelm von Oranien 1576, da er einen holländischen Vice-Admiral Hans Abel, der, ein geborener Wurster Bauer, wegen Eigenhülfe hatte fliehen müssen, verhaftet hatte, als er mit einem Kriegsgeschwader in die Wesermündung gelaufen war. Seiner Zeit Gebrechen haftet an diesem tüchtigen, in kleinlicher Zeit weit blickenden Regenten in den Hexenverfolgungen; 1583 allein wurden 163 Personen im Bisthum, davon 121 Weiber in der Stadt Osnabrück hingerichtet. Er starb an einem Sturz vom Pferde beim Kirchritt und wurde in Bremervörde, seiner Residenz, beigesetzt. Seine Gemahlin, die sich nun „Anna von Broich Wittwe“ schrieb, behielt ein Kirchengut als Witthum; die herzoglich Lauenburgische Familie hatte schon lange ausgesprengt, Anna habe H. durch Liebestränke bezaubert, und schmählich genung forderte Herzog Franz II. jetzt das Bremer Domcapitel auf, wegen möglicher Verschleppung „ohne Weitläufigkeit und Proceß gegen sie zu verfahren“, was dieses ablehnte. Um Papiere ausgeliefert zu erhalten, bat er dann sie selbst in sehr freundlichen Schreiben, und Anna übergab dieselben auch 1590. – Von 1581–85 regierte H. auch das Land Hadeln als sein Erbe.

Vergl. Wiedemann, Gesch. des Herzogth. Bremen II. v. Kobbe, Gesch. und Landesbeschr. von Lauenburg II, S. 318 ff. Stüve (des älteren), Gesch. und Beschr. von Osnabrück. C. Stüve, Gesch. des Hochstiftes Osnabrück III. Bremer Jahrbuch VI, S. 155 ff. (Bilkau) Hadelerologie. Sein Bild s. Jungk, die Bremer Münzen, Bremen 1875, Taf. 10 und 11.