ADB:Helfferich, Adolf

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Artikel „Helfferich, Adolf“ von Julius Hartmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 50 (1905), S. 163, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Helfferich,_Adolf&oldid=- (Version vom 24. August 2019, 09:28 Uhr UTC)
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Helfferich: Adolf H., geboren zu Schafhausen in Württemberg am 8. April 1813, † als vormaliger Professor der Philosophie an der Universität Berlin am 26. Mai 1894. Ein schwäbischer Pfarrerssohn, im Seminar Urach, Stuttgarter Gymnasium und auf der Universität Tübingen gebildet, hat H. im Verdruß über die lange Untersuchungs- und Strafhaft, in die der eifrige Burschenschafter „wegen entfernter Theilnahme an dem Versuche eines die Selbständigkeit des Staates gefährdenden Aufruhrs“ vom Jahr 1833, verfallen war, sofort nach den mit bestem Erfolg bestandenen Prüfungen für den Kirchen- und höheren Schuldienst das Heimathland verlassen und sein Leben fortan auswärts lehrend, reisend und schreibend zugebracht. Zuerst als Lehrer in Frankfurt a. M., wo ihn die väterliche Freundschaft J. K. Passavant’s förderte, dann als Hauslehrer in Paris, wo er zugleich naturwissenschaftlichen Studien oblag und den Anfang seiner schriftstellerischen Thätigkeit mit „Beiträgen zur christlichen Mystik“ (2 Bde., Hamburg 1842), machte, schließlich seit 1842 als Privatdocent und hernach außerordentlicher Professor der Philosophie an der Hochschule, einige Zeit auch an der Kriegsakademie zu Berlin. 1866 verließ der Familienlose, dienstlich und politisch verstimmt, durch eine unvermuthete Erbschaft unabhängig gestellt, Berlin für immer, um sein Reisebedürfniß, das ihn schon bisher nach den meisten Ländern Europas, insbesondere ihren Kunststätten, geführt hatte, noch mehr befriedigen zu können, leider mit dem Ausgang, daß der seit längerer Zeit an einem Gehörübel Leidende als gehirnkrank die Jahre von 1873 an, mit wenig Unterbrechung, in Heilanstalten zubringen mußte, zuerst in München, später in Kennenburg unweit Stuttgart. Hier hat der Tod ihn im angetretenen 82. Lebensjahr erlöst. – Glänzend begabt für den Katheder, war mit seinen Vorträgen über die verschiedenen philosophischen Disciplinen und besonders über einzelne Außengebiete: Universitätsstudium, Engländer und Franzosen, Socialismus, Geist der Gegenwart, Kunst und Kunstphilosophie nicht ohne Erfolg geblieben, hatte sich aber eine geregelte Laufbahn als Universitätslehrer, wie im politischen Staatsdienst, wohin Radowitz ihn ziehen wollte, selber verbaut, durch sein vieles Schreiben über vielerlei, die häufige Abwesenheit auf ausgedehnten Reisen, seine freimüthige publicistische Thätigkeit, in was allem sich ein fast starrer Unabhängigkeitssinn kundgab. Hat er für einzelne seiner zahlreichen Schriften Anerkennung gefunden: „Ueber Spinoza und Leibniz“, 1846; „Engländer und Franzosen“, 1852, 2. A. 1859; „Kunst und Kunststyl“ – gegen W. Kaulbach –, 1853; „Der Organismus der Wissenschaft und die Philosophie der Geschichte“, 1856; „Skizzen und Erzählungen aus Irland“, 1858; einige Früchte eines Winteraufenthalts in Spanien, 1858 ff.; und zuletzt noch das Lebensbild J. K. Passavant’s, 1867, so ist er über der späteren, bereits psychopathischen Verirrung in das sprach- und culturgeschichtliche Gebiet (Erbacker, 1865 ff.) noch bei Lebzeiten rasch vergessen worden.

Blätter der Erinnerung an A. H. Zusammenstellt von dem Unterzeichneten, Cannstatt 1894.