ADB:Hermann von Salza

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Artikel „Salza, Hermann von“ von Karl Lohmeyer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 30 (1890), S. 287–289, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hermann_von_Salza&oldid=- (Version vom 24. August 2019, 20:38 Uhr UTC)
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Salza: Hermann v. S., aller Wahrscheinlichkeit nach dem thüringischen Geschlechte dieses Namens entsprossen, erscheint zum ersten Male am 1. October 1210, und zwar sogleich, ohne daß das Geringste aus seinem früheren Leben [288] bekannt wäre, als Meister des Deutschen Ordens (sein Vorgänger war im Juli 1210 gestorben) und hat diese Würde, für welche gerade damals die Bezeichnung Hochmeister (magister generalis) üblich wurde, bis an seinen Tod bekleidet, der am 20. März 1239 zu Salerno erfolgt ist. Um die hohe geschichtliche Bedeutung dieses hervorragenden, seltenen Mannes voll und ganz zu verstehen und zu würdigen, muß man nach zwei Richtungen hin ausschauen, wenn auch allerdings die beiden Felder, auf denen seine Thätigkeit in die Erscheinung tritt, sich damals so innig berührten, wie es später niemals wieder der Fall gewesen ist. H. v. S. war nicht bloß der glückliche Leiter seines Ordens und hat denselben von den bescheidensten Anfängen, wo er nach den angeblichen eigenen Worten des Meisters noch lange nicht einmal zehn Ritter aufstellen konnte, bis zu der Grundlage für eine mittelalterliche Großmacht, bis zur Grundlage – man darf es immerhin sagen – für die erste Macht unserer Tage hingeführt. H. v. S. hat aber auch zugleich in dem großen, ewig die Welt aufregenden Kampfe zwischen Kirche und Staat, zwischen Papst und Kaiser, der wegen der gewaltigen Persönlichkeiten, welche auf beiden Seiten an der Spitze standen, nicht bloß heftiger, sondern bisweilen auch erbitterter als je geführt wurde, zwanzig Jahre hindurch die Vermittlerrolle unermüdlich und durchaus nicht ohne Erfolg in der Hand behalten, und das in der Weise, daß sein unantastbarer Charakter auf beiden Seiten gleichmäßig anerkannt und gewürdigt wurde, daß er Beiden Vertrauter war. – Diejenigen Urkunden, durch welche während Salza’s hochmeisterlicher Regierung die Päpste und der Kaiser, auch viele Könige und andere weltliche Fürsten dem Deutschen Orden, und zumeist auf des Meisters eigenen Betrieb, die stattlichsten und ersprießlichsten Rechte und Vorrechte, die ausgedehntesten und reichsten Besitzungen verliehen haben, dürften leicht einen starken Band füllen. Der erste Versuch freilich, welchen der Meister, da seinem Scharfblicke das Bedenkliche, Unsichere in den Verhältnissen des Morgenlandes nicht entging, machte, um seinem Orden eine Stätte zur Fortsetzung seiner stiftungsmäßigen Thätigkeit in Europa zu bereiten, schlug fehl, indem das Burzenland, die südöstliche Ecke Siebenbürgens, welche der Ungarnkönig Andreas II. den Rittern zur Bekämpfung der heidnischen Kumanen im J. 1211 schenkte, ihnen bereits 1225 theils durch die neidische Begehrlichkeit der ungarischen Großen, theils durch die eigene Schuld, die unberechtigten Uebergriffe der Ritter und des Meisters selbst wieder verloren ging. Ganz anders und bekanntlich in der allerglücklichsten Weise gelang jene Absicht aber mit dem Lande der heidnischen Preußen, welches unmittelbar darnach der polnische Herzog Konrad von Kujawien dem Orden nebst einem kleinen polnischen Landstücke antrug und der Kaiser 1226 als ein künftiges Reichslehen verlieh, und dessen Eroberung 1230 Hermann Balke (A. D. B. II, 20, wo irrthümlich Balko gedruckt ist) als Landmeister begann. 1237 kamen dazu durch die Vereinigung mit dem Schwertbrüderorden noch Livland und Kurland. Wegen der wahrhaft großartigen, hingebenden und vor keinem persönlichen Opfer zurückschreckenden Vermittlerthätigkeit des Hochmeisters in dem großen Streite Kaiser Friedrich’s II. mit der römischen Curie muß es hier genügen auf die Darstellungen der Geschichte dieses Kaisers zu verweisen, da anders nichts übrig bliebe als eben diese selbst vollständig zu erzählen, denn bei allen irgend wichtigen Verhandlungen erscheint H. v. S. zum mindesten immer als einer der maßgebendsten Theilnehmer, und unter den entscheidenden Verträgen ist wol keiner, der nicht im wesentlichen als sein Werk zu betrachten wäre. Doch nicht bloß der Curie selbst gegenüber, sondern auch in allen anderen politischen Beziehungen, in denen er den kaiserlichen Freund zu vertreten hatte, z. B. in den Verhandlungen mit den Ständen des Reiches, mit den italienischen Städten und mit den Großen des Königreichs Jerusalem, in [289] den Beziehungen zu Dänemark wie bei den Heirathsabschlüssen des Kaisers in Jerusalem und in England, erscheint er als der „geschickte Diplomat, der feine, weitblickende, oft aber auch rücksichtslose Staatsmann“. Uebertrieben ist es jedenfalls, wenn der zeitgenössische Albrecht der Böhme in seinem Aerger sagt, daß das ganze Reich durch die Deutschen Ritter regiert würde. Aber wahr und bezeichnend bleibt es, daß, sobald nur der große Vermittler auf sein letztes Krankenlager geworfen war, der Papst die Miene änderte und bald in Schroffheit gegen den Kaiser vorging, und daß, sobald nur jener die Augen geschlossen hatte, auch sein Orden als der Verbündete des Feindes der Kirche in die päpstliche Ungnade fiel.

Adolf Koch, Hermann von Salza, Meister des Deutschen Ordens. Ein biographischer Versuch. Leipzig 1885, wo auch die übrige Litteratur vollständig verzeichnet ist.