ADB:Herrmann, Zacharias (geistlicher Dichter)

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Artikel „Herrmann, Zacharias“ von Carl Bertheau in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 12 (1880), S. 220–221, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Herrmann,_Zacharias_(geistlicher_Dichter)&oldid=- (Version vom 21. September 2019, 18:46 Uhr UTC)
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Herrmann: Zacharias H. oder Hermann, der Dichter geistlicher Lieder, wurde am 3. October 1643 zu Namslau im früheren Fürstenthum Breslau geboren und starb als Generalsenior der lutherischen Kirche in Großpolen zu Lissa am 10. Decbr. 1716. Im J. 1656 kam er auf das Gymnasium zu St. Maria Magdalena in Breslau; um Ostern 1664 ging er, um Theologie zu studiren, nach Jena, wo damals viele Schlesier studirten und wo er während fünf Jahre ein Stipendium vom Rathe zu Breslau genoß. Im J. 1667 wurde er in Jena Magister. Sehr bald nach seiner Rückkehr nach Breslau im J. 1669 wurde er zum Diaconus in Lissa erwählt; im J. 1681 wurde er daselbst Pastor und Inspector und 1692 „General-Senior der vereinigten Kirchen der unveränderten Augsburger Confession in Großpolen“. Er war zwei mal verheirathet; auch seine zweite Frau und eine Anzahl Kinder starben vor ihm; fünf Kinder überlebten ihn. Als Liederdichter war er sehr fruchtbar; in einem Leben voll Noth und Sorge und Trübsal hat er sie sich und andern zum Troste und Erquickung gedichtet; in seiner Gemeinde, in der sie zunächst auf Einzelblättern verbreitet sind, haben sie „viel Tausend betrübter Seelen kräftigst getröstet und aufgerichtet“, wie es in seiner Leichenpredigt heißt. Sie sind nach dem Geschmack des jüngeren schlesischen Dichterkreises, doch vermeiden sie theilweise die Ueberschwenglichkeiten desselben. Sein Sohn, Daniel H., der zuletzt Hülfsprediger bei seinem Vater war, hat nach dessen Tode eine Auswahl von 40 Liedern seines Vaters drucken lassen: „Frommer Christen seufzende Seele und singender Mund“, Breslau und Leipzig 1722. Das noch am meisten verbreitete seiner Lieder ist wol: „Was betrübst du dich, mein Herze, warum grämst du dich in mir?“ (z. B. vorhanden im Neustrelitzer Gesangbuch von 1875).

Gottlob Kluge, Hymnopoeographia silesiaca, zweite Decas, S. 121–138. Koch, Geschichte d. Kirchenliedes, 3. Aufl. Bd. IV. S. 34–39.

Mit diesem Zacharias H. sind nicht zu verwechseln einige andere gleichnamige Schriftsteller, unter welchen in der Kürze wenigstens folgende zu nennen sein möchten: 1) der lutherische Pastor zu Breslau, Zacharias H., geb. daselbst [221] 1563, † am 21. Mai 1637; über diesen gibt Jöcher, Bd. II. Sp. 1542, weitere Auskunft; 2) dieser 1637 gestorbene Zacharias H. hatte einen gleichnamigen Sohn, den mittleren unter dreien, welcher Jurisprudenz studirt hat und als fürstl. oelsnischer Rath und Kanzler geadelt ward. In Verwechselung mit diesem wird der oben genannte lissaer Senior ab und an irrthümlich Zacharias v. H. genannt; 3) ein Zacharias H. (auch Hermann) aus Ulm, als Sohn eines Schneiders Simon H. geboren den 14. Novbr. 1640, seit 1675 in geistlichen Aemtern in seiner Vaterstadt, vorher Professor in Straßburg, starb zu Ulm als Senior Ministerii und Scholarcha am 4. Septbr. 1711. Dieser Zacharias H. ist der Verfasser des „Historischen Blumen-Gepüsches“, Ulm 1675 u. 1680, und hat Martin Zeiler’s epistolische Schatzkammer, Ulm 1683 u. 1700, herausgegeben. Ueber ihn vgl. Albrecht Weyermann, Nachrichten von Gelehrten u. s. f. aus Ulm (1. Thl.), Ulm 1798, S. 313 f., wo auch seine weiteren Schriften genannt sind, wo ihm aber fälschlich der „Frommen Christen seufzende Seele“ auch zugeschrieben wird, Adelung, 2. Bd. Sp. 1950, und Goedeke, S. 513, Nr. 18.