ADB:Herwarth von Bittenfeld, Eberhard

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Herwarth von Bittenfeld, Eberhard von“ von Bernhard von Poten in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 50 (1905), S. 261–263, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Herwarth_von_Bittenfeld,_Eberhard&oldid=- (Version vom 25. Mai 2019, 07:37 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Hertz, Martin
Nächster>>>
Herwegen, Peter
Band 50 (1905), S. 261–263 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Eberhard Herwarth von Bittenfeld in der Wikipedia
GND-Nummer 116755504
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|50|261|263|Herwarth von Bittenfeld, Eberhard von|Bernhard von Poten|ADB:Herwarth von Bittenfeld, Eberhard}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=116755504}}    

Herwarth von Bittenfeld: Karl Eberhard von H., königl. preußischer Generalfeldmarschall, am 4. September 1796 zu Großwerther bei Nordhausen geboren, trat am 15. October 1811 bei dem am 14. Mai d. J. durch Abgabe von Mannschaften aus allen Infanterieregimentern aufgestellten Normalbataillone in den Dienst, ging, am 21. Februar 1813 zum Secondlieutenant befördert, am 10. Juni d. J. mit dem Bataillone in das neugebildete 2. Garderegiment zu Fuß über, nahm mit diesem am Kriege von 1813/14 und 1815 am Marsche nach Paris theil, wurde 1820 Hauptmann und Compagniechef, 1835 Major im Garde-Reserve-(Landwehr-), dem jetzigen Garde-Füsilierregimente, mit dem er der Truppenschau bei Kalisch beiwohnte, 1839 in das 1. Garderegiment zu Fuß versetzt, zu dessen Commandeur er 1847 ernannt ward und an dessen Spitze er den Straßenkampf vom März 1848 in Berlin mitmachte. In der Nacht vom 17./18. war er dort Commandant des Schlosses. Im Mai 1850 zum Commandeur der 16. Infanteriebrigade in Stettin befördert, erhielt er im Sommer das Commando einer, der bei Kreuznach zusammengezogenen Division unter dem General v. Bonin zugetheilten combinirten [262] Infanteriebrigade, gehörte mit ihr im Herbst zu dem in Hessen einrückenden Corps des General v. der Groeben, erhielt dann das Commando der preußischen Truppen in Frankfurt a. M., wurde, seit 1852 Generalmajor, 1854 für einige Zeit Commandant von Mainz, woneben er das Commando der 31. Infanteriebrigade und der Infanteriebrigade dieser Bundesfestung führte, bis er die letztere Stellung 1856 mit der als Commandeur der 7. Division in Magdeburg und diese, zum Generallieutenant aufgerückt, wieder mit der an der Spitze der 13. Division zu Münster vertauschte, wo er am 28. Juni 1860 zum commandirenden General des VII. Armeecorps und am 17. März 1863 zum General der Infanterie ernannt wurde.

Das Jahr 1864 brachte ihm einen größeren Wirkungskreis. Am 18. Mai wurde er, an des mit dem Oberbefehle der verbündeten Armee betrauten Prinzen Friedrich Karl von Preußen Stelle, als Commandeur der preußischen Truppen auf den Schauplatz des Krieges gegen Dänemark berufen. Für den Fall, daß die Versuche der Londoner Conferenz, den Frieden zu vermitteln, sich zerschlagen sollten, beabsichtigte man deutscherseits die Feindseligkeiten mit einem Angriffe auf die Insel Alsen von neuem zu eröffnen. Am 26. Juni war der Waffenstillstand abgelaufen, aber schon am 19. Juni hatte General v. H. in Schleswig den Befehl erhalten, sein Armeecorps am 25. im Sundewitt zu versammeln, am 28. Nachmittags gab er im Schlosse zu Gravenstein die Dispositionen zum Uebergange nach der Insel Alsen aus und am 29. Vormittags konnte er vom Sonderburger Brückenkopfe aus dem Könige melden, daß das Unternehmen gelungen, die Insel erobert sei. Der Orden pour le mérite und das Ritterkreuz des österreichischen Militär-Maria-Theresienordens waren die höchsten unter den Auszeichnungen, durch welche H. belohnt wurde. Nach Friedensschlusse blieb er in den Elbherzogthümern, bis er am 29. Juni 1865 zum commandirenden General des VIII. Armeecorps in Coblenz ernannt wurde.

Ein Jahr darauf stand er von neuem im Felde. Aus seinem Armeecorps und einer Division des VII. war eine Elbarmee gebildet, deren Commando ihm übertragen wurde. Er führte es zuerst selbständig und besetzte am 20. Juni Dresden, trat aber nach dem Ueberschreiten der böhmischen Grenze unter die Befehle des Prinzen Friedrich Karl von Preußen, des Oberbefehlshabers der I. Armee. Am 26. bestanden seine Truppen bei Hünerwasser das erste Gefecht, am 28. fochten sie bei Münchengrätz, bei dem Entscheidungskampfe von Königgrätz am 3. Juli bildete die Elbarmee den rechten Flügel der preußischen Schlachtlinie. Inbezug auf die Verwendung der Elbarmee und das Unterlassen der Verfolgung werden der Führung von der Kritik mancherlei Vorwürfe gemacht. H. erhielt indessen den Schwarzen Adlerorden und eine Dotation. Am Kriege gegen Frankreich hat er nicht mehr theilgenommen. Als das Heer mobil gemacht wurde, war er bereits um den Abschied eingekommen. Er wurde nun an der Spitze des VIII. Armeecorps, dessen Commando er weitergeführt hatte, durch General v. Goeben ersetzt und zum Generalgouverneur im Bereiche des VII., VIII. und XI. Armeecorps ernannt, auch ward ihm der Charakter als Generalfeldmarschall verliehen. Dienst hat er bis zu seinem am 2. September 1884 zu Bonn, wohin er seinen Wohnsitz verlegt hatte, erfolgten Tode nicht mehr gethan. Seinen Namen führte seit 1873 das zu den jetzt aufgelassenen Befestigungen von Sonderburg-Düppel gehörende frühere Fort Engelshöhe und trägt seit dem 27. Januar 1889, bleibend das 1. Westfälische Infanterieregiment Nr. 13.

Seine Persönlichkeit wird von einem seiner Generalstabsofficiere (Major Wiebe) mit nachstehenden Worten gezeichnet: „Sehr bestimmt, streng im Dienst, [263] wohlwollend, gewöhnt sich mündlich und schriftlich präcise auszudrücken, außerordentlich redegewandt, klarer Verstand, treffendes Urtheil, stattliche Erscheinung, gewinnende Formen, konnte recht deutlich, sogar derb werden“ (Th. Krieg, Wilhelm von Doering, Berlin 1899, S. 106).

Militär-Wochenblatt Nr. 78, Berlin, 20. September 1884.