ADB:Heuterus, Pontus

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Artikel „Heuterus, Pontus“ von Karl Theodor Wenzelburger in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 12 (1880), S. 340–341, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Heuterus,_Pontus&oldid=- (Version vom 25. Mai 2019, 13:48 Uhr UTC)
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Heuterus: Pontus H., auch Huiterus oder de Huyter, niederländischer Geschichtschreiber, geb. am 23. August 1535 zu Delft, besuchte die Schulen in seiner Geburtsstadt und Leyden, begab sich dann nach Mecheln, um unter der Leitung des gelehrten Geistlichen Franz Pauli zu studiren. Der feierlichen Thronentsagung Karls V. in Brüssel wohnte er bei und machte dann eine Reise durch Frankreich. In sein Vaterland zurückgekehrt wurde er Kanoniker in Gorkum, in welcher Stelle er so lange verblieb, bis 1572 die Wassergeusen unter Marinus Brand sich der Stadt bemächtigten und sie auf die Seite Wilhelms von Oranien brachten. H. gehörte zu den zwanzig Mönchen und Priestern, die nach dem Briel geführt wurden. Dem grausamen Martertod der andern neunzehn entging er nur durch seinen Uebertritt zum Protestantismus, worauf er bei einem der Geusenanführer, Omal, Geheimschreiber wurde. Bald jedoch floh er, trat wieder zum Katholicismus über und beschäftigte sich mit historischen Studien. Er durchforschte zu diesem Zweck viele Kloster- und Stadtbibliotheken, machte verschiedene Reisen, namentlich in Franche-Comté und Burgund und knüpfte mit gelehrten und hochgestellten Männern Verbindungen an, deren Unterstützung ihm in der Folge bei seinen wissenschaftlichen Arbeiten sehr zu statten kam. Im J. 1585 trat er wieder in den Dienst der Kirche und wurde Kanoniker in Deventer. Als aber diese Stadt von Prinz Moritz erobert wurde (11. Juni 1591), floh er nach Brüssel, wo er zuerst Pfarrer am St. Johanneshospital wurde, um bald darauf Kanoniker an Unsererliebfrauenkirche St. Truien (Bisthum Lüttich) zu werden, in welcher Stadt er am 6. August 1602 als Titularpropst von Arnheim starb. Seine Werke sind: 1) „Nederduytsche Orthographie“, Antwerpen, bei Christophel Plantyn, 8. 1581; 2) „Rerum Burgundicarum libri VI“, Antwerpen, Christ. Plantinus, 1583 Fol. Ein zweiter Druck erschien 1639 in 8. bei Theodor Maire im Haag. Das Werk ist Philipp II. gewidmet, ohne jedoch dem Verfasser irgend welche Gunstbezeugung von Seiten des Königs einzutragen. Dasselbe behandelt die Periode von Philipp dem Kühnen bis zu Karl dem Kühnen, wird für das beste Produkt von H. gehalten und wurde von den Zeitgenossen nicht nur wegen seines schönen Stiles gepriesen, sondern hat einen bleibenden Werth, weil bei der Abfassung viele seitdem verloren gegangene Manuscripte benutzt wurden. 3) „Rerum Belgicarum libri XV“, Antw., Mart. Nutius 1598, 4., dem Erzherzog Albrecht gewidmet, die Fortsetzung von Nr. 2, behandelt: die Periode von 1477–1565. 4) „De Veterum ac sui saeculi Belgio libri II“, Antw., Joan Keerbergius, 1600, 4., eine ziemlich trockene, nicht immer zuverlässige Abhandlung, die übrigenes viel weniger gibt, als der Titel verspricht. Als Anhängsel zu diesem Werke bestehen noch: 5) „Ueber den Werth des Geldes bei den Alten“ und über die bei diesen gebräuchlichen Längenmaße. Ferner sind noch zu nennen 6) „Ueber die Eigennamen der alten Germanen“ und 7) „Ueber die freie Geburt oder die natürlichen Kinder“ (H. selbst war der natürliche Sohn des Baljuw und Deichgrafen [341] von Delft). Im J. 1643 wurden die unter 2–7 genannten Schriften in einem Folioband bei Justus Coppenius in Löwen herausgegeben, und noch einmal in den Jahren 1649 und 1651. Die hauptsächlichsten Vorwürfe, die man gegen H. erhoben hat, sind Ungenauigkeit und Parteilichkeit. Ein unverbrüchlicher Anhänger des Katholicismus und der Spanier wurde er seinen Gegnern selten gerecht, und er griff zu diesem Zweck sogar zu Fälschungen. Dennoch bleibt er eine der bedeutendsten Geschichtsquellen seiner Zeit, nicht nur weil er viele vorher unbekannte Handschriften und Dokumente benutzen konnte, sondern auch weil er einen großen Theil dessen, was er beschrieb, selbst erlebt hat.