ADB:Hierat, Anton (Buchdrucker)

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Artikel „Hierat, Anton (Buchdrucker)“ von Johann Jakob Merlo in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 12 (1880), S. 389–390, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hierat,_Anton_(Buchdrucker)&oldid=- (Version vom 24. August 2019, 03:03 Uhr UTC)
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Hierat: Anton H., Buchhändler und Drucker zu Köln, † 1627. Er hatte sich in dem seit 1516 bestehenden Gymnich’schen Geschäfte ausgebildet und der Offizin als Faktor vorgestanden (s. Bd. X. S. 246). Nach dem 1596 erfolgten Tode des Johannes Gymnicus (III.) heirathete er dessen Wittwe, Frau Hieronyma geborene v. Aich, und führte einige Zeit das Signet des Einhorns, nach dem alten Gymnich’schen Stammsitze, unter seinem Namen. Nachdem die verwickelten Erbschaftsverhältnisse dieser Familie geordnet waren, trat Hierat’s Schwager, Johannes Kinckius, in den Besitz des Einhornhauses und H. ließ sich in dem unmittelbar daneben gelegenen Hause zum Greifen nieder. Seine Verlagswerke tragen dann auch die Adresse Sub signo gryphi und sind gewöhnlich mit dem Bilde dieses phantastischen Thieres versehen, unter Beifügung einer Buchstabenmarke, welche sich in den vollständigen Namen Antonius Hieratus auflösen läßt. Seine Devise war „Comite Fortuna Virtute Duce“. Hierat’s Fleiß und Unternehmungsgeist erregen Bewunderung, wenn man die große Anzahl bedeutender und gutentheils umfangreicher Werke betrachtet, die aus seinen Pressen hervorgingen, und was diese bei der Häufung der Publicationen nicht zu bewältigen vermochten, dafür nahm er die Beihülfe von Mainzer, Frankfurter, Speyerer und Antwerpener Druckereien in Anspruch. Er war ein Buchhändler [390] in des Wortes bestem Sinne, dessen vortrefflicher Charakter sich aus der wissenschaftlichen Gediegenheit seines Verlags in ehrendster Weise zu erkennen gibt. Nach Ort und Zeit war die Theologie natürlich das bei weitem bevorzugte Fach und auf ihren verschiedenen Zweiggebieten ist es dann wiederum die Patristik und die Kirchengeschichte, die er durch schätzbare Ausgaben bereichert hat. 1618 gab er die „Magna Bibliotheca veterum Patrum et antiquorum Scriptorum ecclesiasticorum“ in 15 Folianten heraus, und in demselben Jahre erwarb er sich das Verdienst, das berühmte Städtebuch von Georg Braun mit einem VI. Bande, der den Titel führt: „Theatri praecipuarum totius mundi urbium liber sextus“ und dem Könige Ferdinand von Böhmen gewidmet ist, zum Abschlusse zu bringen. Manche Verlagswerke unternahm er in Gemeinschaft mit seinem Schwager Johannes Gymnicus (IV.), z. B. „Venerabilis Bedae Opera. Coloniae Agrippinae Sumptibus Anton. Hierati et Joan. Gymnici, Anno MDCXII.“, in Fol., mit schönem Kupferstichtitel von Pet. Isselburg nach Augustin Braun. Er hatte sich der Ritterzunft Windeck angeschlossen, die ihn 1608, an Joh. v. Lyskirchen’s Stelle, zum Rathsherrn erwählte. Sieben Mal hat er unter den Vätern der Stadt seinen Sitz eingenommen, zuletzt 1626; im darauffolgenden Jahre ist er auf einer Reise nach Frankfurt a/M. gestorben. Sein Verlag zählt über 250 Werke. – H. hinterließ drei Söhne, wovon die beiden älteren, Anton und Arnold, vereint das in großem Rufe stehende Geschäft fortsetzten und würdig in des Vaters Fußstapfen traten. Ihr bedeutendstes Verlagswerk ist das „Magnum Theatrum Vitae Humanae in Tomos VII. dispositum, Auctore Laurentio Beyerlinck, in gr. Fol., wovon der erste Band 1631 und der letzte schon nach zwei Jahren erschien. Ihre Adresse lautet: „Col. Agr. Apud Antonium et Arnoldum Hieratos Fratres“. Anton, 1599 geboren, heirathete Margaretha v. Broich, Arnold vermählte sich mit Catharina v. Berchem, deren Mutter aus dem Rittergeschlechte v. Lyskirchen stammte. Beide Brüder sind jung gestorben; ihre Wittwen erscheinen dann ebenfalls als Buchhändlerinnen und zwar mit getrenntem Geschäfte. Ein Hierat’sches Signet begleitet die Adresse: „Col. Agr. Apud Viduam et Haeredes Antonii Hierati. Anno MDCXXXIV“, und dasselbe Jahr bringt ein anderes Hierat’sches Signet mit der Adresse: „Col. Agr. Sumptibus Viduae Arnoldi Hierati sub signo Gryphi, Anno MDCXXXIV“. Bei letzterer erschien 1640 der Foliant „Annales ecclesiastici ex XII tomis Caesaris Baronii in Epitomen redacti. Opera Henrici Spondani“. Sie hat die Buchhandlung bis 1641 fortgeführt und nach ihrem Tode gingen Buchhandel und Druckerei „dotalitio jure“ auf Johannes Kinckius über. Mallinckrot’s Schrift: „De ortu et progressu artis typogr.“ hat S. 124–125 einen besonderen Abschnitt: „De officina Coloniensi Hieratana“.

Merlo, Die Buchhandlungen und Buchdruckereien zum Einhorn in Köln, 2. Aufl. 1878.