ADB:Hieronymus Sculteti

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Artikel „Hieronymus Scultetus“ von Adolf Schimmelpfennig in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 12 (1880), S. 390–391, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hieronymus_Sculteti&oldid=- (Version vom 16. Juli 2019, 23:24 Uhr UTC)
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Hieronymus (Scultetus), Bischof von Brandenburg und Havelberg, geb. in Gramschütz bei Groß-Glogau um 1460, † den 29. October 1522. Sohn eines Dorfschulzen, schwang er sich trotz seiner niedrigen Abkunft zu den höchsten Ehrenstellen empor. Ueber sein Vorleben wissen wir nichts; 1504, in welchem Jahre er uns zuerst in Urkunden begegnet, ist er bereits ein gereifter, in hohen Aemtern stehender Mann, Pleban in Cottbus, Canonicus in Brandenburg und einflußreicher Rath des Kurfürsten Joachim Nestor, 1506 sogar von ihm bei der Taufe seines Sohnes, des Markgrafen Johann, zu Gevatter gebeten. Durch seine Beredtsamkeit, er soll drei Stunden nach einander fesselnd zu sprechen im Stande gewesen sein, durch seine Klugheit und Umsicht in Führung von Geschäften dem Kurfürsten unentbehrlich, wurde er 1507 von ihm auf den durch den Tod Joachims von Bredow erledigten bischöflichen Stuhl von Brandenburg erhoben; doch hat ihm nicht seine hohe geistliche Würde, nicht seine einflußreiche [391] Stellung im Rathe des Kurfürsten zu einem Platze in der Geschichte seiner Zeit verholfen, sondern lediglich der Umstand, daß die Wiege der die Welt umgestaltenden Reformation, Wittenberg, zu seinem Sprengel gehörte. Als Luther’s Bischof lag ihm die Schlichtung des über den Ablaß 1517 ausgebrochenen Streites ob. Da er sich sagen mußte, daß, wenn sich der Handel nicht auf gütliche Weise vertragen ließ, von ihm als ausländischem Bischofe die Hülfe des weltlichen Armes vergeblich werde angerufen werden, so war die äußerste Vorsicht geboten und darum sandte er, sich über die möglichen Folgen des ausgebrochenen Streites nicht einen Augenblick täuschend, so wie er von dem Geschehenen Kunde erhielt, alsbald den Abt von Lehnin mit dem Auftrage nach Wittenberg, Luther zu bestimmen, seine resolutiones seu probationes de virtute indulgentiarum vor der Hand nicht zu veröffentlichen und den bereits gedruckten deutschen Sermon vom Ablaß durch die Buchhändler nicht weiter vertreiben zu lassen. Gehorsam fügte sich Luther dem Wunsche seines Bischofs und versprach sich still zu halten, als aber Tetzel und Wimpina in Frankfurt es sich nicht wehren ließen, mit ihrem Disputiren und Schelten gegen ihn fortzufahren, hielt sich auch Luther an sein Versprechen, zu schweigen, nicht weiter gebunden, sondern sandte sein indeß gedrucktes Büchlein den 22. Mai 1518 mit einem ebenso bescheidenen als würdigen Rechtfertigungsschreiben an seinen Bischof. Möglich, daß dieser im Anfang über Luther nicht unfreundlich gedacht hat, als er indeß 1519 im Februar, wahrscheinlich um die Disputation mit Eck zu verhindern, persönlich in Wittenberg mit Luther verhandelt hatte, trat er, wie es von ihm als Bischof nicht anders erwartet werden konnte, auf die Seite Roms und gehörte von nun an zu den entschiedensten Gegnern Luthers, doch wagte er 1521 im Januar die von Eck aus Rom mitgebrachte Excommunicationsbulle aus Furcht vor Aufruhr, durch die kurfürstlich sächsischen Räthe gewarnt, in Wittenberg nicht anschlagen zu lassen. Auf dem Reichstage zu Worms, dem er mit Kurfürst Joachim beiwohnte, finden wir ihn mit dem Erzbischof von Trier erfolglos bemüht, Luther privatim zur Nachgiebigkeit zu bewegen. Als Lohn für die von ihm geleisteten Dienste verlieh ihm sein Kurfürst trotz päpstlichen Widerspruches das 1520 erledigte Bisthum Havelberg, in welches er ihn 9. Aug. 1521 mit großem Gefolge persönlich einführte. Den völligen Zusammenbruch der Hierarchie in Deutschland hat H. nicht mehr erlebt und sein neues Bisthum nur noch ein Jahr verwaltet. Er liegt in Wittstock begraben.

Hanckii de Siles. erud. c. 64, p. 191 ss. Seckendorf, Hist. Lutheranismi, I. §§ 18. 57. 75. Tentzel, Historischer Bericht vom Anfang der Reformation, S. 315. 517. Luther’s Briefe. F. Wernicke, Luther und der Bischof von Brandenburg, 1870.