ADB:Hanke, Martin

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Hanke, Martin“ von Heinrich Julius Kämmel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 10 (1879), S. 514–515, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hanke,_Martin&oldid=- (Version vom 19. September 2019, 19:53 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Hanke, Henriette
Nächster>>>
Haenke, Thaddäus
Band 10 (1879), S. 514–515 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Martin Hanke (Historiker) in der Wikipedia
GND-Nummer 123879205
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|10|514|515|Hanke, Martin|Heinrich Julius Kämmel|ADB:Hanke, Martin}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=123879205}}    

Hanke: Martin H., einer der großen Schulrectoren der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und sehr verdient um die Erforschung der schlesischen Geschichte, geboren zu Borna in Schlesien den 15. Februar 1633, gestorben zu Breslau den 20. April 1709. Der Sohn eines evangelischen Pfarrers und früh den Studien bestimmt, gewann er am Elisabetanum in Breslau für wissenschaftliche [515] Leistungen die rechte Grundlage, weshalb er dann auch an der Universität Jena (etwa seit 1652), wo mancherlei äußerliche Unterstützung ihm zu Theil wurde, so rasche Fortschritte machte, daß er bald als Magister Vorlesungen halten und disputiren konnte, auch den Titel eines kaiserlichens Poeta laureatus sich verdiente. Als Hofmeister eines Herrn v. Wangenheim in das Haus des berühmten Mathematikers Erhard Weigel gekommen, erlangte er durch seine wissenschaftliche Tüchtigkeit solches Ansehen, daß ihn Herzog Ernst der Fromme nach Gotha berief, um als Lehrer in der Selecta des dortigen Gymnasiums zu wirken. Aber bereits 1661 wurde er als Lehrer der Moral, Geschichte und Beredsamkeit an die Anstalt versetzt, welcher er seine erste Bildung zu danken hatte. Er wurde dann 1670 Prorector, 1688 endlich Rector des Elisabetanums und Inspector des gesammten Schulwesens der Stadt. Seine pädagogische Wirksamkeit war eine reich gesegnete; oft hatte er 200 Schüler in seiner Prima. Ein Zeugniß für seine Unterrichtsweise sind seine von Schönborn 1853 herausgegebenen „Bemerkungen von dem Lateinreden der studirenden Jugend zu Breslau“. Bedeutend wirkte er auch als Schriftsteller. Abgesehen von seinen poetischen Arbeiten, zu denen auch Schuldramen gehörten, verfaßte der belesene Mann zuerst die Schrift „De rerum Romanarum Scriptoribus“ (1669 u. 75, 4.), welcher eine zweite „De Byzantinarum rerum Scriptoribus“ 1679 folgte (Fabricius Bibl. Gr. VI. 767 f.); besondere Anerkennung aber brachten ihm seine Arbeiten zur Geschichte Schlesiens, die meist erst in den letzten Jahren seines Lebens erschienen: „De Silesiorum majoribus antiquitates“ (1702), „De Silesiae rebus 550–1170 exercitationes“ (1705), „De Silesiae indigenis eruditis“ (1707), „De Silesiae alienigenis eruditis“ (1707), zu denen später noch durch seinen Sohn „Monumenta pie defunctis erecta“ (1718) und noch später „Vratislavienses eruditionis propagatores“ (1767) gekommen sind. Sein in manchen Schriften hervortretendes Bemühen, den Nachweis zu liefern, daß Schlesien ursprünglich ganz deutsch gewesen, muß freilich als mißlungen gelten. Sein Ruhm war frühzeitig ein sehr weitreichender. In Holland, England, Frankreich nannte man ihn mit Ehren; Kaiser Leopold I. beschied ihn schon 1679 an seinen Hof und ließ ihm die Stelle eines kaiserlichen Bibliothekars antragen, und als er diese, weil er nicht katholisch werden wollte, abgelehnt hatte, wurde er doch in Gnaden und mit reichen Geschenken entlassen. Bei einfacher Lebensweise erreichte der körperlich gar nicht kräftige Mann das hohe Alter von 76 Jahren.

J. Brucker, Ehrentempel (Augsburg 1747), S. 202 ff., wo auch sein Bild.