ADB:Houtman, Cornelis de

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Artikel „Houtman, Cornelis de“ von Pieter Lodewijk Muller in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 13 (1881), S. 210–211, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Houtman,_Cornelis_de&oldid=- (Version vom 16. Juli 2019, 03:01 Uhr UTC)
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Houtman: Cornelis de H., niederländischer Seefahrer, geb. in der Mitte des 16. Jahrhunderts aus einer angesehenen Familie in Gouda, mochte wol durch ein etwas wüstes Leben veranlaßt sein, schon früh auf Reisen zu gehen, und war 1593, wie mehrere seiner Landsleute, in Lissabon wie es scheint, von einigen Amsterdamer Kaufleuten beauftragt und von dem Geographen und Prediger Petrus Plancius veranlaßt, dem gewöhnlichen Weg der Portugiesen nach Indien, der zwar im allgemeinen, jedoch nicht genügend im Detail bekannt war, genauer nachzuforschen. Auch sein jüngerer Bruder Friedrich scheint dabei behülflich gewesen zu sein. Das Ergebniß ihrer Nachforschungen war, daß eine Compagnie mehrerer Amsterdamer Kaufleute vier Schiffe ausrüstete um eine Reise nach Ostindien zu unternehmen und daselbst Handelsbeziehungen anzuknüpfen. Das Verbot Philipps II., die holländischen Schiffe in den spanischen Häfen zuzulassen, hatte, wie bekannt, hierzu den ersten Anstoß gegeben. Auf dieser Flotte, welche am 2. April 1595 die holländische Küste verließ, war kein Admiral angestellt. H. war Commis, Handelsagent, und scheint sich als solcher eine größere Wichtigkeit beigelegt zu haben als seiner Stellung in Wahrheit gemäß war, so daß er nicht allein als Urheber sondern auch als Führer des Zuges bekannt ist, beides vollkommen unverdient. Nach einer Reise von nicht weniger als 445 Tagen erreichte die Flotte die Insel Java. Es gelang den Führern, daselbst einen Handelsvertrag mit dem Sultan von Bantam abzuschließen, die einzige Frucht der sonst ziemlich ergebnißlosen Reise, auf welcher durch die fortwährenden erbitterten Streitigkeiten der Führer jede Gelegenheit verabsäumt ward, und die nur als die erste bestandene Probe der Möglichkeit nach Indien zu kommen und daselbst den Portugiesen zum Trotz Verbindungen anzuknüpfen, von Bedeutung war. H. war, wie vermuthet werden muß, das Haupt der einen Faction im Schiffsrath, der Commis van Bönnigen, sein Todfeind, der anderen. Es ging so arg her, daß letzterer verhaftet und in Eisen nach dem Vaterland zurückgeführt, und daß H. beschuldigt ward, den Schiffer (Capitän) Moelenaer vergiftet zu haben. Jedoch wurde er aus Mangel des Beweises freigesprochen. Da auch der fähige Oberpilot Peter Dirksz. de Keyser, ein verdienter Astronom, auf der Reise starb, wie die meisten erfahrenen Seeleute, welche am Zuge theilnahmen, war es kein Wunder, daß die Reise wenig Früchte brachte und daß H., der als der einzige namhafte Führer wiederkehrte, alle Ehre derselben davontrug. 1597 nach Holland zurückgekehrt, zog H. und sein Bruder, der ihn auch auf der ersten Reise begleitet hatte, im nächsten Jahr mit zwei Schiffen des berühmten Kaufmanns Balthasar de Moucheron aus Seeland zum zweiten Mal nach Indien. Auch jetzt bewies H., der als Chef die Expedition führte, seine Rücksichtslosigkeit. Es war aber ohne sein Verschulden, daß er am 1. September 1599 auf der Rhede von Atjeh in Nord-Sumatra, mit [211] Unterhandlungen hingehalten, vom Sultan hinterlistig überfallen und ermordet ward. Sein Bruder Friedrich blieb gefangen und benutzte seine mehr als zweijährige Haft zu der Zusammenstellung des ersten malayischen Wörterbuches, das in Holland erschien. Später befreit, trat er in den Dienst der Ostindischen Compagnie, ward Gouverneur der Molukken und starb 1627 zu Alkmar, bekannt durch viele astronomische Arbeiten. Sein Bruder ist weit mehr berühmt geworden und scheint allerdings ein Mann von Muth und Entschlossenheit gewesen zu sein, dem es weniger an Fähigkeiten als an Besonnenheit und Ruhe mangelte. H. ist vielfach überschätzt worden, doch verdient er immerhin unter den Stiftern der niederländischen Handels- und Colonialmacht genannt zu werden.

Vgl. de Jonge, Opkomst van het Nederlandsch gezag in Oost Indien, Bd. I und II.