ADB:Houbraken, Arnold

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Artikel „Houbraken, Arnold“ von Joseph Eduard Wessely in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 13 (1881), S. 209–210, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Houbraken,_Arnold&oldid=3497453 (Version vom 24. März 2019, 20:08 Uhr UTC)
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Houbraken: Arnold H., Maler, Stecher und Kunstschriftsteller, geb. zu Dordrecht 1660, † 1719. In der Kunst wurde er von W. v. Drillenburg (1619) und Sam. v. Hoogstraten unterrichtet. Doch war er auch in vielen Wissenschaften bewandert und scheint die Kunst mehr zum Vergnügen, oder im Dienste der Bücherillustration betrieben haben. Er arbeitete in Amsterdam für verschiedene Verleger; so erschien von ihm ein Werk in 3 Theilen mit sinnbildlichen Figuren, 1700. Er lieferte die Zeichnungen dazu. Von seinen einzelnen Blättern sind die beiden geschabten: „Bildniß des Jan v. Hoogstraten“ und „Der Satyr, der die Nymphe umarmt“, nach Lairesse die besten, aber auch sehr selten zu finden. Einen besonderen Ruf erwarb H. als Verfasser des kunstgeschichtlichen Werkes: „De groote Schouburgh“, das in 3 Bänden 1718 in Amsterdam erschien und worin er alle Nachrichten über verstorbene und zeitgenössische Künstler aufnahm, freilich oft, ohne ihre Glaubwürdigkeit früher geprüft zu haben. Nachfolgende Schriftsteller schrieben ihn blindlings ab, ja nahmen selbst dann, wo H. aufrichtig bemerkt „wenn ich anders gut unterrichtet bin“, das Erzählte als unbezweifeltes Factum, wodurch in die holländische Kunstgeschichte eine Menge Irrthümer gekommen sind, die in neuester Zeit erst durch eingehende Forschungen theilweise richtig gestellt wurden. Doch ist das Werk Houbraken’s sehr schätzenzwerth und Vieles, was im ersten Augenblick erfunden schien, hat sich als thatsächlich erwiesen. H. war ein fleißiger Reporter, der die Thatsachen mittheilt, wie er sie gehört hat. Absichtliche Täuschung lag ihm fern.

Sein Sohn ist Jacob H., Zeichner und Kupferstecher, geb. am 25. Dec. 1698 in Dordrecht, † am 14. Novbr. 1780. Er kam 1707 mit seinem Vater nach Amsterdam, wo er bis zu seinem Tode verweilte und in unzähligen Stichen Proben seines Fleißes und seiner Kunst hinterließ. Mit Ausnahme einiger weniger historischer Blätter nach Rembrandt und Corn. Troost hat er seinen kunstgeübten Grabstichel ausschließlich dem Porträt gewidmet und theils nach eigener Zeichnung, theils nach Gemälden von A. Schouman, J. M. Quinkhart [210] u. A. uns über 600 Bildnisse seiner Zeitgenossen hinterlassen. Wenn sie auch nicht die Kunsthöhe seiner großen Vorgänger Goltzius, C. Visscher, Snyderhoef erreichen, so werden doch viele derselben als gute Blätter geschätzt. H. war für Holland das, was Bause für Deutschland war. Für das Werk seines Vaters stach er die Künstlerbildnisse und rettete hier so manches, das man heutzutage vergebens suchen könnte. Ueber das Niveau seiner gewöhnlichen cumulativen Publication erheben sich die Bildnisse berühmter englischer Persönlichkeiten, die er mit Vertue für Thom. Birch’s Werk (1743–52) stach. Hier lagen ihm auch vorzügliche Originale vor, wie Bilder von Holbein, A. van Dyck u. A. m. Houbraken’s Blätter sind sauber, verständnißvoll und ganz kunstgerecht ausgeführt, es fehlt ihnen nur der Blitz des Genies.

Immerzeel. Kramm. Laborde. A. Ver. Huell (J. Houbraken, 1875).