ADB:Hotze, Friedrich Freiherr von

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Artikel „Hotze, Friedrich Freiherr von“ von Gerold Meyer von Knonau in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 13 (1881), S. 201–209, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hotze,_Friedrich_Freiherr_von&oldid=2498379 (Version vom 26. März 2017, 18:51 Uhr UTC)
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Hotze: Friedrich Freiherr v. H., ursprünglich Hotz, Johann Konrad H., geb. am 20. April 1739, † als kaiserl. Feldmarschall-Lieutenant am 25. Septbr. 1799. H. war der Sobn eines tüchtigen Landarztes, Johannes H., der im französischen Militärdienste sich als Chirurg wohl erprobt hatte und [202] im Dorfe Richtenswil am Zürichsee lebte. Nachdem H. seine erste wissenschaftliche Bildung bei dem Pfarrer Joh. Konrad Füßli zu Veltheim (s. den Art. Bd. VIII. S. 256) empfangen und anfangs in Zürich seine Studien fortgesetzt hatte, trat er 1758 in das herzogl. württembergische Cürassierregiment von Phull als Cornet ein. Der Vater hatte auch ihn anfangs gleich seinem älteren Bruder, dem 1734 geborenen Johannes H., welcher trotz der Zurückgezogenheit in seinem Heimathdorfe als Arzt sich einen ansehnlichen Namen schuf (ein vertrauter Freund Lavater’s, auch durch verwandtschaftliche Beziehungen mit Pestalozzi eng verbunden, starb er 1801 zu Frankfurt a/M.), für das Studium der Medicin bestimmt, war dann aber den ausgesprochen militärischen Neigungen des feurigen Jünglings gerecht geworden. Als Lieutenant kam H. mit der französischen Armee Broglie’s am 30. November 1759 in dem für die Württemberger unglücklichen Gefechte zu Fulda zum ersten Mal vor den Feind, die vom Erbprinzen Ferdinand von Braunschweig befehligte verbündete Armee. Vom Wunsche erfüllt, in das preußische Heer einzutreten, nahm H., zum Capitän emporgestiegen, 1765 seinen Abschied aus dem herzoglichen Dienste, sah sich aber in Berlin, wo ihm allerdings der Aufenthalt im Hause des Professors Sulzer (s. d. Art.) viele geistige Anregung bot, in seinen Hoffnungen getäuscht; ebenso mißlang ein Versuch in Rußland, abgesehen davon, daß der russische Dienst ihm nicht gefiel. Nach längerem Aufenthalte in der Heimath trat dann aber H., also „v. Hotze“, wie er sich schon von Anfang in Württemberg genannt, doch 1768 in das Ingermannlandische Carabinierregiment ein, allerdings dabei in die Stellung eines Lieutenants sich zurückversetzen lassend. Bis 1770 in Polen, wo es Gelegenheit gab, den kleinen Krieg kennen zu lernen, dann im Türkenkriege an der Donau bethätigt, wobei Suwarow 1774 den tüchtigen Reiteroffizier zuerst sah, blieb H. bis 1776 im russischen Kriegsdienste, in welchem er bis zum Majorsrange emporstieg: Ehrenhändel mögen ihn zum Begehren der Entlassung gebracht haben. Die Aussicht auf den Ausbruch des baierischen Erbfolgekrieges führte im Januar 1778 H., welcher von da an „Friedrich v. H.“ heißt, in den Dienst Josephs II. Seit 1779 in ungarischen Garnisonen stehend, deren Muße zum Studium reichen Anlaß bot, hatte H. Ende 1783 das Glück, in seiner nunmehrigen Stellung als Major des Cürassierregiments Czartoryski, mit demselben nach Wien unter die Augen des Kaisers commandirt zu werden. Von jetzt an stieg er rasch empor. „H., nun im besten Mannesalter, war ganz von dem Schlage Leute, wie der rastlose Kaiser sie liebte, offen, thätig, voll Muth und Feuer“, urtheilte ein zeitgenössischer Schriftsteller. 1784 wurde H. Oberstlieutenant und Commandant des ersten in der österreichischen Armee gebildeten Ulanencorps, unter dessen Offizieren sich unter seinem Befehle der 1813 in Leipzig verunglückte Joseph Poniatowsky befand. 1786 als Oberst zum Cürassierregiment Hohenzollern versetzt, war H. in diesem Jahre berufen, Josephs II. Neffen, Franz – den späteren Kaiser – in den Cavalleriedienst bei seinem Regimente praktisch einzuführen. – Nach langer Friedenszeit kam H. erst 1793, zum Generalmajor befördert und unter den Befehl des Cavalleriegenerals Grafen Wurmser gestellt, am Oberrheine wieder in Berührung mit ernsthaften kriegerischen Ereignissen. Vorzüglich vom 20. August an, als Wurmser nach dem Falle von Mainz gegen die Weißenburger Linien vorging, hatte H. als Führer der ersten die rechte Flanke deckenden Colonnen zuerst um die Stellung bei Bergzabern zu kämpfen, dann als Führer der Avantgarde in dem an den Rhein grenzenden Bienwalde anderthalb Monate in defensiver Haltung in der Richtung gegen Lauterburg zu fechten; dabei war ihm die Ortskenntniß des damals 26jährigen kurpfälzischen Forstmeisters v. Wrede (des [203] späteren baierischen Generalfeldmarschalls) sehr förderlich. Als Befehlshaber des ganzen linken Flügels nahm H. in tapferer Weise am 13. October an der Einnahme der Linien Theil, und bei dem Vorrücken auf elsässischen Boden fiel ihm die Aufgabe zu, auf dem rechten Flügel die in die Vogesen abgedrängten Feinde zu beobachten. Allein immer gefährlicher gestaltete sich seine bei Buxweiler gewählte Stellung; zwar zog er sich am 19. November geschickt hinter den Ziegelbach nach Reichshofen zurück und hielt sich da am 26. glücklich trotz seiner Minderzahl; allein am 22. December wurde er durch Hoche in einem sehr verlustreichen Gefechte bei Fröschweiler besiegt, so daß er mit seinen zerrütteten Truppen den dringenden Aufforderungen des Herzogs von Braunschweig, den für die Festhaltung der Stellung an der Sauer unentbehrlichen Liebfrauenberg zu besetzen, nicht nachkommen zu können glaubte, vielmehr am 23. bis auf den Geißberg bei Weißenburg zurückging. Ueberhaupt hatte ein Militär von so leidenschaftlicher Sinnesart, wie H. war, schon längst unter den schwierigen durch die Politik beeinflußten Beziehungen der verbündeten Armeen zu einander besonders leiden müssen, und es kam nach dem allgemeinen Rückzuge, als auch H. seine Arrièregarde von Germersheim auf das rechte Rheinufer zurückgenommen hatte, zwischen ihm und dem preußischen Capitän v. Kamptz Anfang 1794 zu sehr gereizten Erörterungen. Aus dem preußischen „Rapport officiel“ waren tadelnde „Anmerkungen“ des genannten Offiziers auch in Zeitungen gekommen, und nur mit Mühe scheint ein Duell des gegen Tadel äußerst empfindlichen H. durch eine von Kamptz ausgegangene Erklärung vermieden worden zu sein. – Die militärisch für den Oberrhein fast bedeutungslosen Ereignisse von 1794 und 1795 brachten für H. nur die tapfere Vertheidigung des Dorfes Schwegenheim bei Speier, 28. Mai 1794, und im Spätherbste 1795 einige Erfolge in den Kämpfen bei der Belagerung von Mannheim.

Die 1796 ernsthaft wiedereröffneten Feindseligkeiten trat H. als Feldmarschall-Lieutenant an. Aber nicht mehr im Juni an der Lahn, sondern erst im Juli an der Murg, wohin Erzherzog Karl in Eilmärschen sich begeben hatte, kam H. vor den Feind. Schwaben war nach Moreau’s Rheinübergang nicht mehr zu halten; aber tapfere Gegenwehr deckte den Rückzug. Vielleicht hätte zwar, ohne einen den Rückmarsch anordnenden erzherzoglichen Gegenbefehl, H. am 9. Juli, durch seine unerschrockene Haltung in dem viel umkämpften Flecken Malsch, mit seinen vereinigten 57 Schwadronen die Rastatter Ebene behaupten können; allein eine nicht weniger ehrenvolle Aufgabe fiel ihm nun im Commando der Nachhut zu. Die von H. befehligten Gefechte zur Deckung des Neckarüberganges – 18. und 21. Juli bei Ludwigsburg und bei Eßlingen –, vorzüglich aber seine Haltung am 10. Aug. bei Eglingen und am darauf folgenden Tage von Neresheim, sowie die daran sich anschließende Deckung der für den Donauübergang gemachten Flankenbewegung Karls, überhaupt die ganze Leitung der Nachhut, vom Rheine bis zur Donau, trugen H. die volle Anerkennung des Gegners ein. Moreau gab ihm das Lob, ein „bon executeur“ zu sein, und Defaix, der gegen H. bei Neresheim focht, rühmte gleichfalls offen seine Leistungen. Nach der Vereinigung mit Karl im Lager bei Northeim, hinter der Donau, am 14. August, brach H. mit dem Hauptheere alsbald gegen die nach Franken eingefallene Armee Jourdan’s, als Führer der linksseitigen Marschcolonne, auf. Indem er sich da am 22. in allzu buchstäblicher Weise, gegen den dringenden Wunsch des Commandanten der Avantgarde, Fürsten Johann von Lichtenstein, an seine durch des Erzherzogs eigenen Angriff gegenstandslos gewordene Instruction hielt, erweiterte sich der Sieg über Bernadotte bei Deining unweit Neumarkt nicht zu einer vollständigen Niederlage dieses rechten französischen Flügels. Immerhin rückte nun [204] H., während Karl, nach rechts sich wendend, am 24. bei Amberg Jourdan warf, dem weichenden Bernadotte nordwärts nach der Pegnitz nach, konnte aber, durch die schlechten Waldwege aufgehalten, dessen am 25. bei Forchheim mit Jourdan vollzogene Vereinigung nicht verhindern. Dagegen verlegte er, trotz seiner anfänglichen Minderzahl, geschickt und muthig zugleich, am 29. und 30. bei Burg-Ebrach dem weichenden Feind den nächsten Weg nach Würzburg, und schon am 1. September rückten seine Vortruppen in diese Stadt ein und besetzten die dieselbe beherrschenden Höhen. Die auf Vorpostengefechte vom 2. folgende Schlacht bei Würzburg vom 3. September ließ zwar den auf dem Galgenberge südöstlich von der Stadt vertheidigungsweise stehenden H. weniger hervortreten; aber nachdem die Sieger den Franzosen auf deren verlustreichem Rückzuge durch die von der Volksbewegung erfüllten niedermainischen Waldgebirge gefolgt waren, stand H. nach der Wiedereinnahme der Rheinlinie in der Mitte des Monates an der Lahn als Führer einer der drei Colonnen abermals dem Erzherzog zur Seite. Auf eine bald darauf eingetretene Verwendung in der wohl bekannten Gegend von Mannheim und die Anfang April 1797 geschehene Zuweisung eines Reservecorps bei Ulm folgte ein für H. weit ehrenvollerer selbständiger Auftrag. Ein schmeichelhaftes Handbillet des Kaisers vom 11. April wies H. an, durch ein Vordringen aus Südtirol und dem Salzburgischen auf die Communicationslinie der schon bis nach Steiermark vorgedrungenen italienischen Armee Bonaparte’s „dem dermalen in der Vorrückung gegen Wien begriffenen Feinde Schranken zu setzen“. Allein dieser Befehl über eine durch die allgemeine Volksbewegung im Hochgebirge unterstützte Alpenarmee von 38000 Mann trat, obschon H. sein Hauptquartier in Klagenfurt aufschlug, infolge des Waffenstillstandes von Leoben nicht in der angedeuteten Ausdehnung in Kraft und vollends durch den Friedensschluß von Campo Formio in den Hintergrund. Im Anfange des J. 1798 übernahm H. eine in Laibach stehende Reservearmee. Allein eben damals schien eine völlige Veränderung in seinen Verhältnissen einzutreten. Zwar war der Ehrgeiz des durch Krankheit noch empfindlicher gewordenen Mannes, der im October 1796 wegen des Ausbleibens einer erhofften Auszeichnung äußerst gereizt gewesen war, schon im April 1797 durch die Erhebung des „Baron v. H.“ zum Commandeur des Theresienkreuzes beschwichtigt, und es waren Umstände ganz anderer Art, nicht subjective Erwägungen, welche 1798 H. veranlaßten, seine Entlassung aus den kaiserlichen Diensten zu nehmen. Der letzte Lebensabschnitt zeigt den durch vier Jahrzehnte fremden Interessen dienstbar gewordenen Schweizer wieder in enger Verbindung mit seinem Geburtslande.

Seitdem durch den Staatsstreich vom 18. Fructidor (4. Sept. 1797) die Gefahren einer französischen Angriffsbewegung gegen die Eidgenossenschaft deutlicher sich entschleiert hatten, war dabei berathen durch den im Cabinete Thugut’s arbeitenden Johannes Müller, mit dringlichen Anerbietungen seiner Dienstleistungen zunächst gegenüber der zürcherischen Regierung hervorgetreten. Aber erst als ein solcher Schritt zu spät kam, ergriff dieselbe unter Mittheilung nach Bern, indem eintretenden Falles der dort ernannte Oberbefehlshaber von Erlach (Bd. VI S. 220) sein Commando an H. abtreten sollte, am 3. Februar 1798 die Möglichkeit, „einen so berühmten und erfahrenen Feldherrn im Falle der Noth an die Spitze ihrer vaterländischen Truppen setzen zu können“, und jetzt nahm H., bestärkt durch ein Schreiben Müller’s, seine Entlassung und brach nach der Schweiz auf. Aber er kam zu spät. Einen Tag nach seiner Ankunft in Schaffhausen entschied sich am 5. März durch den Fall Berns das Schicksal der alten Eidgenossenschaft; in Zürich fand H. die staatlichen Zustände völlig in Frage gestellt, bei den maßgebenden Persönlichkeiten klägliche Rathlosigkeit (vgl. [205] Bd. VI, S. 367): so verließ er alsbald wieder die von ihm, wie er am 17. aus Augsburg an Müller schrieb, als „für immer verloren“ betrachtete Schweiz. H. sah sich durch diese Enttäuschungen in nicht geringe Verlegenheit versetzt, wenn auch allerdings durch das aggressive Vorgehen des französischen Directoriums ein allgemeiner neuer Krieg und damit abermalige Beschäftigung für den ausgeschiedenen Heerführer sich voraussehen ließen. Glücklich entging H. der Gefahr, durch Thugut in das Obercommando der neapolitanischen Armee gebracht und so in die Rolle Mack’s gestellt zu werden. Aussichtsreicher waren mit England, wo man den Widerstand der altgesinnten Schweizer organisirt zu sehen wünschte, angeknüpfte Verhandlungen. Von Hamburg, wo dieselben geführt wurden, kam H. im strengsten Incognito nach Wien und setzte sich mit dem Chef der schweizerischen Emigration, dem Berner Schultheißen von Steiger (s. d. Art.), in Verbindung. Entsprechend der durch Kaiser Franz Steiger gemachten Eröffnung, H. werde wieder angestellt, sowie der Krieg beschlossen sei, und derselbe habe dann bei der „unausweichlichen Nothwendigkeit einer Befreiung der Schweiz, um sie wieder selbständig herzustellen“, mitzuwirken, begab sich nun H. Ende Juli nach der einige Stunden landeinwärts vom Bodensee liegenden kleinen schwäbischen Reichsstadt Wangen, um hier, der Grenze nahe, insbesondere an den einleitenden Schritten zur militärischen Besetzung Graubünden’s sich zu betheiligen. Doch die von H. zu erfüllende halb militärische und halb diplomatische Aufgabe war bei der Verworrenheit der Lage, den oft sehr unter einander abweichenden Absichten der kaiserlichen Politik und der englischen Bestrebungen schwierig genug. Dazu kamen planlose vereinzelte Anknüpfungen thatsächlich alleinstehender altschweizerischer Gegner der helvetischen Einheitsverfassung, über deren Tragweite H. selbst für sich nicht ganz klar gewesen zu scheint. Denn obschon er wol insgeheim instruirt war, einen voreiligen Ausbruch der Unzufriedenheit in den Hochgebirgskantonen zurückzuhalten und Müller z. B. geradezu von Wien aus am 8. September eine Verschiebung solcher Pläne, Verzögerung schweizerischer und graubündnerischer Hülfsgesuche verlangte, berichtete doch H. im August und Anfang September von der augenblicklich günstigen Volksstimmung, daß der Augenblick nicht verloren gehen dürfe, wo „eine Proclamation Tausende von Anhängern bringen“, eine deutliche Aeußerung „den huldvollen Absichten Seiner Majestät gegen die Bündner und Schweizer ein Gelingen verschaffen würde“. Immerhin ginge man viel zu weit, wenn die in die ersten Septembertage fallende gänzlich isolirte und verfrühte und darum so entsetzlich endigende Nidwaldner Insurrection (s. d. Art. Styger) H. zum Vorwurfe gemacht werden wollte. Dagegen nahmen nun bis zum October in dem so wichtigen an die Urschweiz östlich angrenzenden Alpenlande Graubünden, welches gleichfalls in die helvetische Republik hineingenöthigt werden sollte, die Dinge unter Hotze’s lebhafter Betheiligung einen für Oesterreich günstigen Fortgang. Es entsprach den in Wien geltenden Auffassungen, wonach auf die bündnerischen Angelegenheiten besonderer Nachdruck zu legen, die antihelvetische Gesinnung im dortigen Volke zu unterstützen war, daß nun angesichts der Vorschiebung französischer Truppen in der Nordostschweiz bis an die Rheingrenze gegenüber Vorarlberg, wie sie im Zusammenhange mit der Einrichtung der helvetischen Republik vor sich ging, H. aus seinem „langweilenden Incognito“ stets mehr heraustrat und in zweimaliger persönlichen Anwesenheit in Graubünden an der Organisation der dortigen Landesbewaffnung, zur Abwehr eines französischen Ueberfalles, arbeitete. Am 19. Oct. endlich rückte Generalmajor von Auffenberg von Vorarlberg über die Luciensteig in Graubünden ein. Aber allerdings wurde nunmehr allen Erwartungen zuwider, nicht H. sondern Graf Bellegarde (Bd. II S. 305) mit der Oberleitung dieser Dinge [206] von Wien aus beauftragt, und wenn auch H. nachher, seit Bellegarde’s Abreise im December, thatsächlich als Befehlshaber in Vorarlberg galt, so war doch die unerquickliche schiefe Stellung, in welcher er sich von Anfang an befunden hatte, unverändert diejenige „zwischen Thür und Angel“. Endlich, 13. Februar 1799, konnte er sein militärisches Amt wieder antreten. Als Commandirender in Vorarlberg und Graubünden meldete Feldmarschall-Lieutenant H. seinem Müller nach Wien, er hoffe „für das Wohl seines lieben Vaterlandes, so weit es möglich und mit dem Vortheile seines erhabenen Gebieters verträglich, mitwirken“ zu können. Von seinem Hauptquartier Feldkirch aus befehligte H. 24 Bataillone und 8 Schwadronen der stehenden Armee und dazu die Vorarlberger Landesbewaffnung, deren sehr gute, aber vielfach schwierig zu handhabende Mannschaft er trefflich zu erfassen verstand. Die unerwartet frühzeitige Eröffnung des Feldzugs gegen die Coalition durch die Franzosen, Anfang März 1799, traf vorzüglich gerade in erster Linie die österreichische Aufstellung unter H. und den unter seinem Commando stehenden Auffenberg und übte deswegen hier eine besonder verderbliche Wirkung aus, da H. trotz seiner dringenden Bitten von dem Höchstcommandirenden, Erzherzog Karl, keine Verstärkung erhalten hatte. Massena schnitt durch die Besetzung der Luciensteig Graubünden von Vorarlberg ab, und Auffenberg mußte sich am 7. März bei Cur mit den ihm gebliebenen 2800 Mann gefangen geben. H. selbst wurde durch Oudinot, nachdem derselbe bei Bendern den Rhein überschritten, in Feldkirch angegriffen. Allerdings erwies sich diese durch die Natur befestigte und dazu durch ein an die umgebenden Berge sich anschließendes Schanzensystem noch verstärkte Stellung als uneinnehmbar. Allein nur mit größter Anstrengung, unter hitzigen Gefechten – am 7. und 23. März vornehmlich – wurden diese Versuche gegen Feldkirch abgeschlagen und blieb Vorarlberg dergestalt den Oesterreichern erhalten. Dann machten sich die Rückwirkungen des Sieges des Erzherzogs Karl über Jourdan, 25. März bei Stockach, auch hier aufwärts vom Bodensee geltend, wenn auch Hotze’s ungeduldiger Wunsch, möglichst bald den schweizer Boden zu betreten, im April in einer dem gefährdeten Gegner höchst vortheilhaften Weise durch die zögernde Kriegsführung noch zwei Male durch höheren Befehl von Wien hinausgeschoben wurde. Aber auch ein endlich am 1. Mai von H. gegen die noch stets von den Franzosen festgehaltene Luciensteig begonnener Angriff mißlang ganz infolge der allzu combinirten Anlage des Unternehmens, und so sanken auch einzelne gleichzeitig im Vertrauen auf dieses Eingreifen von Osten in das Werk gesetzte Erhebungen von schweizerischen Gebirgslandschaften wieder in sich zusammen, so vorzüglich der von den Franzosen mit aller Gewalt darniedergeworfene, im ersten Momente siegreiche, aber auch durch das Blut niedergemetzelter Gefangener befleckte Versuch der Oberbündner. Erst am 14. Mai fiel die Luciensteig mit 3000 gefangenen Feinden an H., nachdem derselbe vom Erzherzog Karl eine Verstärkung erhalten hatte, und gleich am folgenden Tage rückte H. bei Ragaz auf schweizerischen Boden, dabei auch von einem kleinen Corps emigrirter Schweizer begleitet, welche, anfangs vom St. Galler Fürstabte (s. d. Art. Vorster) unterhalten, nachher in englischem Solde standen und durch H. als den Generalinspector dieser von England zu besoldenden Schweizertruppen unter den Befehl des Waadtländers, Obersten v. Roverea, gestellt wurden. Schon am 12. März hatte das helvetische Directorium H. „des helvetischen Bürgerrechts verlustig und des Schweizernamens unwürdig“ erklärt; aber rasch machten nun, indem der Erzherzog und H. von Norden und Südosten gleichzeitig in die nordöstliche Schweiz einrückten, die helvetischen Einrichtungen daselbst dem mehr oder weniger weit hergestellten alten Systeme wieder Platz. Zwar gelang es [207] Massena nochmals am 25. Mai einen Vorstoß gegen die Thur auszuführen und dabei den durch H. vorgeschickten Feldmarschall-Lieutenant Petrasch[WS 1] im Gefechte bei Frauenfeld zurückzuwerfen; doch am 27. stand H. „nach einem der hitzigsten Treffen dieses Krieges“ im Besitze von Winterthur, nachdem Ney über die Töß zurückgegangen war, und damit war die Vereinigung mit der erzherzoglichen Armee vollzogen. An dem letzten kriegerischen Hauptereignisse vor einer längeren fast völligen Unthätigkeit von kaiserlicher Seite, an den Gefechten gegen Massena um die feste Stellung in Zürich, am 3. und 4. Juni, der sogenannten ersten Schlacht bei Zürich, betheiligte sich H. an der Spitze des linken Flügels von der nordöstlichen Hauptseite des Angriffes her, während der unter ihm stehende Generalmajor Jellachich die Bewegung von Südosten, von der Seite des oberen Zürichsees, befehligte; in einem der Gefechte an der Glatt, bei Schwamendingen am 4., wurde H. dabei, wenn auch ungefährlich, verwundet. Am 6. räumte dann Massena das ganz unhaltbar gewordene Zürich ohne weiteren Kampf, und am 7. traf auch H. daselbst ein. Nochmals schien jetzt nach dem Weichen der Franzosen und der schweren Erschütterung des helvetischen Unitarismus, der Augenblick gekommen, auch durch eine von H. zu leitende allgemeine Landesbewaffnung im altschweizerischen Sinne den Waffenerfolg auszunutzen. Aber bei dem plötzlichen Stillestehen der Sieger an der Limmat, wobei nicht einmal die nächstliegenden Gewinnste völlig realisirt wurden, konnte davon nicht die Rede sein, abgesehen davon, daß Hotze’s Ansichten hierüber sowol von den Auffassungen des Hauptquartiers, als von denjenigen des englischen militärischen Bevollmächtigten abwichen, so daß er darauf seine Generalinspectorstelle der schweizer Truppen niederlegte. Bis über die Mitte des August hinaus blieb nun H. als Commandant der in Zürich stehenden Avantgarde den Vorposten des mit dem Hauptquartier Bremgarten hinter dem Albishöhenzuge sich haltenden Massena gegenüber, während welcher langen Zeit nur einige kleine Vorpostengefechte um den Besitz einiger Dörfer westlich von Zürich vorfielen. Erst die kühne Ergreifung der Offensive durch die Franzosen, Lecourbe’s mit großartiger Genauigkeit und Thatkraft durchgeführte combinirte Bewegung in den Vierwaldstätteralpen und die dadurch verursachte Vertreibung der Oesterreicher aus den Urkantonen, 14. und 15. August, vollends aber die in der zweiten Hälfte des Monates vollzogene Durchführung der nur auf politischen Erwägungen beruhenden und militärisch so verwerflichen Maßregel Thugut’s – Abzug des Erzherzogs mit der Masse seiner Armee nach Deutschland und Verlegung der vereinigten russischen Corps in dessen bisherige Stellungen in der Schweiz – führten neue tief eingreifende Aenderungen herbei. In der heillosen Confusion, welche sich infolge der einander widersprechenden Auffassungen und Ordres zwischen dem Erzherzog und dem am 12. August im Hauptquartier eingetroffenen russischen General Korssakow ergab, hatte H. das Unglück, hauptsächlich eine passive Rolle spielen zu müssen, was bei seinem aufbrausenden Wesen, seinen auch sonst vom Erzherzog getadelten „überspannten Ansichten“ besonders bedenklich war. Korssakow wußte bei seiner Ankunft noch nichts von dem neu festgesetzten Plane des bevorstehenden Abzugs aller österreichischen Truppen und entsetzte sich über die bis zur Ankunft Suwarow’s seinen 28 000 Mann allein zugedachte Aufgabe; er war nur zu geneigt, hinter allen auf dem ihm völlig unbekannten Terrain von dem Bundesgenossen ihm zugemutheten Aufgaben bösen Willen und planmäßige Schuld desselben zu suchen. Immerhin versprach er mit seinen inzwischen eingetroffenen Russen des Erzherzogs Versuch, durch Ueberschreitung der Aare auf ihrem untersten Laufe Massena’s Stellung im Rücken zu erfassen, am 17. August zu unterstützen; zugleich ging H. aus Zürich mit 9000 Mann zur [208] Verstärkung Jellachich’s auf den seit dem Erscheinen der Franzosen an der Linth gefährdeten linken Flügel nach Uznach ab, worauf er am 19. als Oberbefehlshaber sein Hauptquartier im Glarner Lande nahm. Allein jener Versuch mißlang durch den bei Döttingen unerwartet vorgefundenen Widerstand, und Korssakow war nun noch weniger gewillt, des Erzherzogs Eröffnungen sich anzubequemen. Nach den allergereiztesten Verhandlungen wurde endlich am 22. verabredet, daß der Erzherzog den größten Theil des von H. befehligten Corps in der innern Schweiz belasse und Korssakow mit 20 000 Russen mit demselben gemeinsam über die Linth gegen die March und das schwyzer Gebiet überhaupt operire; dagegen sollte H. nur 8600 Mann bei sich behalten, 6000 seeabwärts dem Erzherzog zugehen lassen. Allein die ganze zwischen H. und Korssakow auf den 27. verabredete Operation, welche, wenn gelungen, dem aus Italien erwarteten russischen Obergeneral den St. Gotthard erschlossen hätte, scheiterte durch Korssakow’s Unberechenbarkeit, indem dieser am 26. die 6000 Oesterreicher nicht nach Zürich abgehen lassen wollte und H., über die Einzelheiten der Abrede nicht unterrichtet, den Rückmarsch wirklich aufschob. Das gab bei dem Erzherzog den Ausschlag. Er schrieb, daß er nun jeden Gedanken gemeinsamer Offensive aufgebe und alsbald den aufgeschobenen Abmarsch nach Deutschland antrete: Korssakow solle nun sogleich in die bisherige österreichische Stellung von Zürich bis zum Rheine einrücken und H. die Linthlinie und das Glarner Land decken. H. selbst erhielt einen scharfen Verweis mit dem Befehl, die 6000 Mann abgehen zu lassen, und als H. verletzt einen Urlaub verlangte, ließ ihm der Erzherzog in trockenem Tone die freie Wahl. Am 1. September zog dann der Erzherzog wirklich ab und Korssakow rückte an der Limmat auf. Aber schon war nun auch an der Stelle der von den Verbündeten verabsäumten Offensive der Angriff von den Franzosen wieder aufgenommen worden. Am 30. und 31., als H. kaum von den letzten für ihn peinlichen Besprechungen mit dem Erzherzog aus Zürich zurückgekommen war, nahm Molitor in raschem Vorstoß, der am zweiten Tage beinahe für H. persönlich verderblich geworden wäre, das Quellgebiet der Linth, Glarus, weg. Darauf hin trat abermals für mehrere Wochen tiefe Ruhe ein. Bis zu dem als nahe bevorstehend erachteten Eintreffen Suwarow’s, nach welchem Momente H. dem Erzherzog rheinabwärts folgen sollte, wollte sich dieser auf seinem linken Flügel, hinter Maag und Linth, den Walen- und Zürichsee verbindenden Flüssen, völlig defensiv halten. Aber dabei hatte wieder eine verhängnißvolle Zersplitterung obgewaltet; denn während hier zwischen den Seen H. unmittelbar nur 12500 Mann zur Verfügung standen, waren beträchtliche Abtheilungen, welche zusammen fast ebenso viel betrugen, in Graubünden, zu Sargans und in kleinen Posten abgetrennt. Suwarow’s letzte Befehle hatten auf den 26. September für Korssakow einen Frontangriff gegen Albis, für die auf dem linken Flügel stehenden Truppen combinirte Operationen gegen Uri und Glarus hin angeordnet, und H. insbesondere sollte, verstärkt durch 5000 Russen, über die Linth nach Einsiedeln und Schwyz vorgehen. Aber Massena, unter Beschleunigung des zuerst auch seinerseits auf den 26. angesetzten Angriffes, kam dem Gegner zuvor. Am 25. schon warf er selbst in der großen zweiten Schlacht den russischen General aus dessen Stellung bei Zürich; ebenso ging gleichzeitig Soult über die Linth gegen H. vor. Dieser hatte, obschon seit vier Wochen dem Feinde unmittelbar gegenüberstehend, nur durch einen allerdings wegen der noch ungebesserten Sümpfe schwierigen Fluß von demselben getrennt, seine ohnehin ungenügenden Streitkräfte, neun von elf Bataillonen, auf einer langen Linie verzettelt, nothwendige Vorsichtsmaßregeln verabsäumt. So vermochten, noch dazu von dichtem Nebel gedeckt, in der Nacht vom 24. zum 25. zwei [209] französische Bataillone vom glarnerischen Ufer her bei der Sebastianscapelle unweit Schännis über die Linth zu setzen. Von seinem Hauptquartier Kaltbrunn ritt H. am frühen Morgen, aufgeschreckt durch die Nachricht, durch Schännis in eigener Person bis zu den schon weichenden Vorposten vor; da trafen ihn und seine nächste Umgebung die tödtlichen Kugeln. Nach dem Tode des Anführers vollzog sich der Rückzug der an der Linth stehenden Truppen in voller Auflösung. Den vom Sieger ausgelieferten Leichnam nahmen dieselben mit, worauf er in Bregenz bestattet wurde (H. war seit kurzem von den dankbaren Vorarlbergern zu ihrem Landstand und zum Bürger der drei Städte des Landes ernannt worden). Seit 1851 bezeichnet ein Denkmal vor der Bregenzer Pfarrkirche das Grab des braven Soldaten, in welchem die Begabung als Heerführer einem höher befähigten Gegner gegenüber nicht ausgereicht hatte, für dessen über den Durchschnittsmaßstab seiner damaligen Cameraden sich erhebende Bedeutung aber wohl gerade in den letzten Lebenswochen nichts so sehr spricht, als die aufrichtige Zuneigung des sonst mit den österreichischen Offizieren so schlecht sich vertragenden greisen Feuergeistes Suwarow.

Vgl. die vorzügliche Monographie (von W. Meyer-Ott), Johann Konrad Hotz, später Friedrich Freiherr von Hotze, K. K. Feldmarschalllieutenant, von dem Verfasser der „kriegerischen Ereignisse in Italien“ (Zürich 1853). Dagegen ist der Artikel über H. in Ersch und Gruber, Encyclopädie, II. Sect. Bd. XIII, S. 221 und 222, voll von Irrthümern.
Meyer von Knonau.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Franz Freiherr von Petrasch (1746-1820), Sohn des österreichischen Generals Ernst Gottlieb Freiherr von Petrasch (1708-1792)