ADB:Jacob

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Artikel „Jacob“ von Conrad Bursian in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 13 (1881), S. 556–558, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Jacob&oldid=- (Version vom 21. Oktober 2019, 08:02 Uhr UTC)
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Jacob: zwei Brüder dieses Namens, Söhne eines Schuhmachermeisters zu Halle a. d. S., beide auf der lateinischen Schule des Waisenhauses und an der Universität ihrer Vaterstadt ausgebildet, haben sich um das gelehrte Schulwesen verdient und auch durch schriftstellerische Arbeiten auf dem Gebiete der classischen Philologie bekannt gemacht. Der ältere, August Ludwig Wilhelm J., war am 8. März 1789 geboren. Im J. 1809 nahm er, nachdem er seine Universitätsstudien vollendet und sich die philosophische Doctorwürde erworben hatte, eine Stelle als Hauslehrer in Danzig an. Später finden wir ihn in Warschau, wo er, der polnischen wie der französischen Sprache vollkommen mächtig, als ein in den höheren Ständen, besonders in Damenkreisen, sehr gesuchter Privatlehrer für Litteratur und Aesthetik, sodann als ordentlicher Professor der classischen Litteratur und Director des griechischen Seminars an der im J. 1816 gegründeten Universität wirkte. Hier veröffentlichte er im J. 1821 seine erste größere wissenschaftliche Arbeit unter dem Titel: „Sophocleae Quaestiones. Praemittuntur disputationes de tragoediae origine et de tragicorum graecorum cum republica necessitudine“, Vol. I (368 Seiten); hier dichtete er im J. 1822 eine Tragödie „Saul“, die er später zum Besten einer von seiner Gattin, einer reichen Fabrikantentochter Marie geb. Belthusen, in Posen gegründeten Anstalt für arme verwaiste und verwahrloste Mädchen, die noch jetzt unter dem Namen des Jacob’schen Waisenhauses fortbesteht, in Druck erscheinen ließ (Posen 1828). Im J. 1824 wurde er von der preußischen Regierung als Consistorial- und Schulrath nach Posen berufen, wo er 18 J. lang das ganze Schulwesen der Provinz geleitet hat; dabei wandte er sein Interesse vorwiegend den gelehrten Schulen zu, während er für das Volksschulwesen und das Wohl der Volksschullehrer nur geringere Theilnahme zeigte. In Posen war J. in Folge seiner mannigfachen geselligen Talente und seines sprühenden, oft kaustischen Witzes die [557] Seele der Gesellschaft. Im Sommer 1840 traf ihn ein leichter Schlaganfall, den er nie wieder ganz verwinden konnte; er legte daher 1842 sein Amt nieder und lebte mit dem Titel eines Geheimen Regierungsrathes a. D. in gelehrter Muße in Berlin, wo er am 26. Juni 1862 starb. Früchte dieser seiner Muße sind eine formgewandte Uebersetzung der homerischen Odyssee in deutschen Hexametern (Berlin 1844), ein im Wesentlichen an Lachmann’s Ansichten sich anschließendes Werk „Ueber die Entstehung der Ilias und Odyssee“ (ebd. 1856), eine mit umfänglichen deutschen Anmerkungen ausgestattete Ausgabe der Antigone des Sophokles (Berlin 1849) und eine kleinere Schrift „Zur griechischen Mythologie. Ein Bruchstück. Ueber die Behandlung der griechischen Mythologie“ (ebd. 1848), welche epikritische Bemerkungen über die mythologischen Systeme Früherer, besonders Creuzer’s und O. Müller’s, und ein Stück aus einer Homerischen Mythologie „Okeanos und Tethys“ enthält.

August’s jüngerer Bruder, Johann Friedrich J., geboren am 5. Dec. 1792, studirte von Ostern 1810 bis Michaelis 1812 in Halle Philologie und erhielt nach Vollendung seiner Studien durch Niemeyer’s Vermittelung eine Lehrerstelle am Kloster Unserer Lieben Frauen zu Magdeburg, die er am 5. Dez. 1812 antrat. Seine Lehrthätigkeit wurde hier durch den Feldzug gegen Frankreich im J. 1815, an welchem er als freiwilliger Jäger Theil nahm, nur vorübergehend unterbrochen, denn schon im Herbste dieses Jahres kehrte er zu derselben zurück. Im Januar 1818 wurde er als Oberlehrer an das Collegium Friedericianum in Königsberg i. Pr. berufen, wo er sieben Jahre lang mit bestem Erfolg an den obersten Classen Unterricht in den classischen Sprachen ertheilte und in vielfach angeregtem geistigen Verkehr, besonders mit seinem als Professor zur Universität übergetretenen Amtsvorgänger K. Lachmann, lebte. In dieser Zeit vollendete er auch seine erste gelehrte Arbeit, eine Ausgabe des von ihm nach Wernsdorf’s Vorgange dem jüngeren Lucilius, einem Freunde des Philosophen Seneca, zugeschriebenen lateinischen Gedichts Aetna mit metrischer deutscher Uebersetzung und lateinischem Commentar („Lucilii Junioris Aetna, recensuit notasque Jos. Scaligeri, Frid. Lindenbruchii et suas addidit Fr. Jacob.“ Leipzig 1826). Im Frühjahr 1825 wurde ihm eine Professur am Mariengymnasium in Posen, bald darauf das Amt eines Studiendirectors dieser Anstalt (von welchem die ökonomischen und rein administrativen Geschäfte damals noch getrennt waren) übertragen. Die nationalen und confessionellen Gegensätze zwischen den Schülern der Anstalt, die auch auf die Mitglieder des Lehrercollegiums nicht ohne Einfluß waren, erschwerten ihm hier seine Wirksamkeit vielfach und ließen ihn, trotz der Freude die ihm das Zusammenleben mit seinem Bruder August bereitete, sich in dieser Stellung nie recht heimisch fühlen: er folgte daher gern einem im Sommer 1831 an ihn gelangten Rufe als Director des Katharineums zu Lübeck. In dieser Stellung, die er selbst als die ihm wünschenswertheste Lebensaufgabe anerkannte, hat er noch fast 23 Jahre lang, bis zu seinem am 1. März 1854 erfolgten Tode, mit ebenso unermüdlichem Eifer und voller Hingebung als glänzendem Erfolg gewirkt. „Unterrichten war sein Leben, Mittheilung aus dem reichen Schatze seines Wissens, Entwicklung und Veredlung der Jugend sein unermüdliches Streben in und außer der Schule; er war Lehrer voll inniger heiliger Liebe zu diesem Berufe“, so lautet das Zeugniß, das ein langjähriger Amtsgenosse wenige Wochen nach seinem Tode von seinem Wirken an der Anstalt abgelegt hat. Neben seiner pädagogischen Thätigkeit entfaltete J. auch in Posen wie in Lübeck eine weder ihrem Umfange noch ihrem Werthe nach gering anzuschlagende litterarische Thätigkeit, die sich vorzugsweise auf dem Gebiete bewegte, das er schon in seiner Erstlingsarbeit mit Glück betreten hatte: dem der Kritik, Erklärung und Uebersetzung [558] der römischen Dichter. Hierher gehören, außer zahlreichen Programmen des Katharineums, die kritischen Ausgaben der Gedichte des Propertius (Leipzig 1827), des Epidicus des Plautus (Lübeck 1835; eine metrische deutsche Uebersetzung dieses Stückes gab er in einem Gymnasialprogramm ebd. 1843) und des astronomischen Lehrgedichts des Manilius (Berlin 1846), die metrische Uebersetzung der Lustspiele des Terentius (Berlin 1845) und das Werk „Horaz und seine Freunde“ (2 Bände, Berlin 1852–53). Auch zwei mittelalterliche lateinische Gedichte hat J. nach einer Lübecker Handschrift herausgegeben: den „Phagifacetus“ des M. Reinerus Alemanicus und das „Omne punctum“ des Godefridus, letzteres unter Beifügung einer sehr gelungenen metrischen deutschen Uebersetzung (Lübeck 1838). Von den römischen Prosaikern hat er vorzugsweise dem Tacitus eingehende Studien gewidmet, wovon sechs Lübecker Programme aus den Jahren 1837–1852 Proben geben; außerdem hat er die rhetorische Schrift des P. Rutilius Lupus „de figuris sententiarum et elocutionis“ mit kritischen und exegetischen Anmerkungen herausgegeben (Lübeck 1837). Von seiner poetischen Begabung legen die von seinem Biographen Classen aus seinem Nachlasse veröffentlichten elegischen Dichtungen (drei Bücher „Votivtafeln“ und eine „Elegie an Karlsbad“) ein ehrenvolles Zeugniß ab.

Friedrich Jacob, Director des Catharineums in Lübeck, in seinem Leben und Wirken dargestellt von Dr. J. Classen, Director des Gymnasiums in Frankfurt a. M. Nebst Mittheilungen aus seinem ungedruckten poetischen und prosaischen Nachlaß und seinem Bildniß in Kupferstich. Jena 1855.