ADB:Jaeck, Heinrich

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Artikel „Jäck, Joachim Heinrich“ von Friedrich Leitschuh in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 13 (1881), S. 531–532, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Jaeck,_Heinrich&oldid=2498564 (Version vom 29. März 2017, 06:47 Uhr UTC)
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Jäck: Joachim Heinrich J., geb. am 23. October 1777 zu Bamberg, † am 26. Januar 1847. Frühzeitig für die Studien bestimmt, ließ sich J. nach Absolvirung des Gymnasiums, dem Wunsche seiner Mutter „Geistlich zu werden“ entsprechend, am 20. April 1796 in die fränkische Cisterzienser-Abtei Langheim aufnehmen. Er betrieb von nun an in den Mußestunden aufs Eifrigste die klassischen Studien und namentlich Philosophie und verlegte sich später, da er sich weder durch das Studium der Theologie noch durch die klösterliche Hausordnung befriedigt fand, lieber auf Geschichte und Jurisprudenz, in der Hoffnung, entweder die Verwaltung der Klostergüter zu Tambach und Kulmbach zu erhalten oder Bibliothekar des Klosters zu werden. Der letztere Wunsch wurde ihm bald erfüllt, da nach dem großen Brande des Klosters Langheim am 2. Mai 1802 der Bibliothekar Kilian Rossat keine Lust mehr zeigte, die noch übrig gebliebenen 8000 Bände der Klosterbibliothek weiter zu verwalten. Aber schon 1803 nahte durch die Säcularisation das Ende des Klosters Langheim, und J. verließ am 21. Juni d. J. dasselbe mit der Bitte, ihn entweder im Bibliothekdienste zu verwenden oder ihm ein Lehramt der Rhetorik oder Philosophie zu übertragen. Zunächst erhielt er, Juli 1803, mit Schmötzer und Frey den Auftrag, 11 stiftische und klösterliche Bibliotheken zu übernehmen, mit der früheren Universitätsbibliothek zu vereinigen und in den jetzigen Bibliothekräumen in Bamberg (dem früheren Jesuitenklosters) nutzbringend aufzustellen. Seiner rastlosen Thätigkeit, seiner Begeisterung und Aufopferung für dieselbe ist es möglich geworden, der Bibliothek eine höchst achtbare Stellung im In- und Auslande zu sichern. Seine schriftstellerische Thätigkeit anlangend, hat J. 240 größere und kleinere Schriften abgefaßt, die er selbst in vier Hauptrubriken ordnete und zwar in Schriften 1. zur Bamberger Geschichte, 2. in solche zur Literatur, 3. in solche zur Länder- und Völkerkunde und 4. in Schriften, Kirchenrecht, Kirchengeschichte, Bibel und Exegese betreffend. Es soll hier hervorgehoben werden, daß J. außer dem „Pantheon“, in welchem er alle irgendwie bedeutenden Bamberger Literaten und Künstler zusammenstellte, eine „Geschichte Bambergs“, „Materialien zur Geschichte und Statistik Bambergs“, „Bamberger Jahrbücher“, Bamberger Taschenbücher auf die Jahre 1813–15, „Bamberg und dessen Umgebungen„“, „Rückblicke auf Bambergs allseitige Verhältnisse in den letzten 50 Jahren“, eine Geschichte der Altenburg, des Michaelsberges, des Fischerhofs, eine „Geschichte von Banz und Vierzehnheiligen“ abgefaßt hat. Ferner veröffentlichte er ein größeres Werk über die Manuscripte und Druckschriften der k. Bibliothek und war einer der Ersten, der eine herrliche Sammlung von Schriftmustern aus dem 7.–18. Jahrhundert, geschöpft aus den dem Datum nach beglaubigten Manuscripten der k. Bibliothek zu Bamberg, herausgab. J. aber auch war es, der selbst viele junge Männer, namentlich den später berühmt gewordenen Kunsthistoriker Heller (Bd. XI S. 695) in die Oeffentlichkeit einführte, sie zu Studien anregte und ermunterte. Mit Heller zugleich gab er Beiträge zur Literatur und Kunstgeschichte heraus und verfaßte vom J. 1822–1846 von allen ihm bekannten Bambergern, die in dieser Zeit starben, Nekrologe. Um aber so recht eigentlich nutzbringend zu wirken, gab er eine Taschenbibliothek von Reisen in 87 Bändchen heraus. Er selbst hatte fast jährlich eine größere Reise gemacht und in diesen Reisebeschreibungen verwerthete er seine gemachten Erfahrungen. Auch das Bamberger Tagblatt gründete er im Jahre 1832. Wie weit er übrigens ging, um, wie er sich ausdrückt, Aufklärung zu verschaffen, das mögen seine [532] eigenen Worte beweisen. Er sagt: „Je aufgeklärter ich als Bibliothekar über alles, namentlich über kirchliche Verhältnisse sein muß, desto mehr rechnete ich mir zur Pflicht, die geheimen Umtriebe für die Verfinsterung und Fesselung der Menschheit durch meine Wünsche für die katholische Kirche Deutschlands, wie durch geschichtliche Rückblicke auf die Verhältnisse der Bisthümer Baierns zu bekämpfen. Welch politisch freie Gesinnung ich hege, möchte vorzüglich aus meinen Beiträgen zum Oppositionsblatt in Weimar 1817–1820 erhellen.“ J. wollte, das ist zweifellos, nur Gutes wirken; aber er war oft zu schroff und durch heftige, wenn auch zu rechtfertigende Angriffe, wie durch seinen Hang zur Satire, die sich in seinem „Rückblick auf eine merkwürdige Reise über Hammelburg“, ferner durch seine Schrift „über die römisch-katholische Kirche mit ihren Jesuiten“ kundgab, die pseudonym unter dem Namen Wahrmund erschien, erweckte er sich eine Menge Feinde, ohne daß es ihn abhielt, offen gegen jede Verfinsterung vorzugehen. Und so hielt er sich denn, wie er sagt, als Eingeweihter verbunden, „ein wahres Bild der Klöster, wie sie waren, und wie sie hätten sein sollen“, zu entwerfen, woran sich die Schriften: „Gallerie der vorzüglichsten Klöster“ und „Wie können Geistliche die Achtung der Weltlichen wieder erlangen?“ anschlossen. Seine Thätigkeit war eine ganz außergewöhnliche. Alle nur erdenklichen Tagesfragen beschäftigten den unermüdlichen Mann, und um dem Volke Liebe zur Kunst einzuflößen, gab er eine mit recht hübschen Holzschnitten versehene Bibel heraus, die in 18,000 Exemplaren über ganz Deutschland verbreitet wurde. Wenn auch nicht geläugnet werden kann, daß ein großer Theil der Schriften Jäck’s sehr rasch abgefaßt ist, wodurch manchmal Unrichtigkeiten untergelaufen sind, so ist es nicht minder gewiß, daß er zur Hebung der Bildung in damaliger Zeit sehr viel beigetragen hat. In der Bibliothek regte er zu Studien an, in der Presse suchte er freisinnige Grundsätze, durch seine Schriften über die interessantesten Tagesfragen Aufklärung zu verbreiten. Die Bibliothek selbst verwaltete er musterhaft. Welche Ansicht er über den Werth und die Bedeutung von Bibliotheken hatte, spricht er folgendermaßen aus: „So weit unsere Nachrichten auf die wissenschaftlich gebildete Menschheit zurückgehen, standen immer Bücher und der öffentliche Unterricht in Wechselwirkung; letzterer war durch erstere bedingt. Je mehr Bücher in einem Lande benutzt, je besser sie abgefaßt, je zahlreicher sie verbreitet wurden, desto mehr ergossen sich die Resultate ihres Gehaltes auf das große Publikum, desto höher stand die allseitige Bildung der Bewohner eines Landes“. J. endigte sein rastlos thätiges Leben am 26. Jan. 1847, nachdem er noch kurz vorher in seinem Testamente seine ganze Büchersammlung und all sein Hab und Gut der k. Bibliothek zu Bamberg vermacht hatte.

Jäck’s Selbstbiographie im Serapeum 1847. Seine Schilderung der Thätigkeit in der Bibliothek in „Vollständige Beschreibung der öffentlichen Bibliothek zu Bamberg“ I. Dr. Leitschuh, Lebensbild des k. Bibliothekars J. H. Jäck, 1877. Vortrag.
Leitschuh.