ADB:Jeitter, Johann Melchior

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Jeitter, Johann Melchior“ von Richard Heß in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 13 (1881), S. 754–756, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Jeitter,_Johann_Melchior&oldid=- (Version vom 26. März 2020, 19:58 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Jeitteles, Jonas
Band 13 (1881), S. 754–756 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Johann Melchior Jeitter in der Wikipedia
GND-Nummer 100351328
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|13|754|756|Jeitter, Johann Melchior|Richard Heß|ADB:Jeitter, Johann Melchior}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=100351328}}    

Jeitter: Johann Melchior J., Forstmann, geb. den 21. September 1757 zu Kleinheppach (Oberamt Waiblingen in Württemberg), † den 10. Mai 1842 zu Beutelsbach (im Jaxtkreis). Seine Kindheit fällt in die Drangsale des siebenjährigen Krieges, an welchem die württembergischen Truppen, unter denen sein Vater als Kavalleriewachtmeister stand, mit Antheil nahmen. Die Anstrengungen und Entbehrungen aller Art, welche dieser Feldzug im Gefolge hatte, die Gefahren, welche schon seine Wiege umlagerten, stählten seinen Körper frühzeitig und begründeten zugleich jene einfache und genügsame Lebensweise, welcher er stets ergeben blieb. Selbst nach dem Abschlusse des Krieges durch den Hubertsburger Frieden (15. Februar 1763) führte er noch auf Jahre hinaus ein Wanderleben, indem die Garnison, welcher sein Vater zugetheilt war, mehrfache [Q]uartierwechsel zu bestehen hatte. Diese Verhältnisse wirkten bis in sein 11. Lebensjahr störend auf den Schulunterricht, welcher sich erst von 1768 ab, wo sein Vater zur Garnison nach Ludwigsburg kam, regelmäßiger gestalten konnte. 1770 wurde er vom Herzog Karl von Württemberg in die auf dem Lustschlosse Solitude am 5. Februar d. J. mit 30 Zöglingen eröffnete Militärpflanzschule aufgenommen. 1772 wurde er von seinem Gönner zum Forst- und Jagdfach bestimmt, und als 1775 die inzwischen sehr aufgeblühte Anstalt unter dem Namen „Karlsschule“ mit 300 Zöglingen nach Stuttgart verlegt wurde, setzte er hier seine Studien bis 1779 fort. Für den Eifer und Fleiß, welchen der junge J. auf dieser Anstalt bethätigte, sprechen verschiedene Thatsachen. Es wurden ihm z. B. mehrere akademische Preise in der Forst- und Jagdwissenschaft, Wasserbaukunde etc. zu Theil. Auch nahm ihn Herzog Karl bei einer Reise in den Schwarzwald mit in seine Begleitung auf. 1780 (1. Juni) erhielt er seine erste Anstellung als Verwalter des Wellinger Reviers (oder – [755] wie es damals hieß – der Wellinger Hut) im Kirchheimer Oberforst mit dem Charakter eines Hofjägers. 1781–97 verwaltete er das Bothnanger Revier im Oberforst Leonberg. In diese Zeit (1787) fällt die Gründung eines monatlichen Forstkränzchens durch die vier gleichgesinnten Freunde und ehemaligen Karlsschüler: Reitter (Stuttgart), Jäger (ebendas.), J. (Bothnang) und Plessing (Bruderhaus). Die Vorrede zu dem „Journal für das Forst- und Jagdwesen“, welches diesem kleinen wissenschaftlichen Verein seine Entstehung verdankt, sagt über denselben: „Hier wurden die gediegensten Forstschriften und eigene Ausarbeitungen gelesen und besprochen, und Beobachtungen gegenseitig mitgetheilt und so von selbst die Gründung einer eigenen Zeitschrift vorbereitet, an der sich nachher die gediegensten Forstmänner Deutschlands betheiligten“. In der That findet sich in dieser Zeitschrift ein reicher Schatz forstlicher Erfahrungen, für die weitere Forschung noch heute von Werth, niedergelegt. Weiter verdankt Württemberg diesem Vereine die Einführung des kubischen Verkaufes alles Bau- und Nutzholzes und den Entwurf der diesfallsigen kubischen Tabellen. Gegen Ende des J. 1797 wurde J. zum kirchenräthlichen Forstverwalter in Heidenheim ernannt. 1806, nach Aufhebung des Kirchenrathes, erfolgte seine Versetzung als Forstverwalter und Oberforstamtsassistent nach Wildberg. 1810 wurde er dem Oberforstmeister Johann Georg v. Seutter als Assistent und Oberförster für den Ulmer Oberforst beigegeben, welchen er, nach von Seutter’s Beförderung zum Director des neugebildeten Forstrathes in Stuttgart (1817), kurze Zeit selbständig verwaltete. 1818 wurde J. zum Lehrer der Forstwissenschaft an dem am 2. Juli neu errichteten, mit der Feldjägerschwadron verbundenen Forstinstitut in Stuttgart ernannt und, nach Aufhebung desselben, 1820 zum Professor an der land- und forstwirthschaftlichen Akademie Hohenheim befördert. Hier wirkte er, am 7. October 1825 pensionirt, noch bis zum Frühjahr 1826. Von da ab lebte er in stiller Zurückgezogenheit zuerst in Stuttgart und zuletzt in Beutelsbach.

J. hat sich sowol auf praktischem Felde, als im Lehrberuf namhafte Verdienste um die Entwickelung des württembergischen Forstwesens erworben, in dessen Geschichte ihm ein Ehrenplatz wol dauernd gesichert ist. Seine Thätigkeit als Wirthschaftsbeamter war namentlich Kulturanlagen und Betriebsregulirungen zugewendet. Unter seiner Mitwirkung wurden die kirchenräthlichen Waldungen der Bruderhäuser Hut und die Cameralwaldungen des Bothnanger Reviers vermessen, kartirt und forstlich eingerichtet. In seiner dienstlichen Stellung zu Heidenheim verbesserte er den Zustand der Brenzthaler Klosterwaldungen nach den verschiedensten Richtungen hin. Während seines Aufenthaltes in Wildberg, wo er dem Oberforstamtsverweser Ferdinand v. Maucler beigegeben war, erhielten sämmtliche Kommunal- und Stiftungswaldungen nachhaltige Wirthschaftspläne. Ueber den Ulmer Oberforst endlich fertigte er die erste statistische Uebersicht. Neigung zum Docentenberuf scheint ihn schon während seiner Thätigkeit als Verwalter beseelt zu haben, denn nachdem die hohe Karlsschule nach Herzog Karls Tod (am 24. October 1793) im Februar 1794 aufgehoben worden war, ohne daß man in Württemberg für einen weiteren forstwissenschaftlichen Unterricht gesorgt hätte, beschäftigte er sich schon in Bothnang und Heidenheim mit dem Unterricht junger Forstmänner, welchem Berufe er sich in den späteren Lebensjahren ganz widmete. Auch als Schriftsteller entwickelte er eine umfangreiche Thätigkeit. Seine Werke sind, chronologisch geordnet, folgende: „Systematisches Handbuch der theoretischen und praktischen Forstwissenschaft“ (2 Bde. 1789); „Anleitung zur Taxation und Eintheilung der Laubwaldungen“ (1794); „Aufmunterung zum Anbau und zur Erhaltung der Saalweide“ (1798); „Forstkatechismus für Lehrlinge, Forstdiener und Liebhaber [756] der Forstwissenschaft“ (3 Bde. 1805–7); „Jagdkatechismus für Lehrlinge der Jagdwissenschaft, Jäger, Forst- und Jagddiener, auch alle Liebhaber des Jagdwesens“ (1816, 2. Aufl. 1829); „Versuch eines Handbuchs der Forstwissenschaft zum Unterricht der niedern Forstschulen in katechetischer Form“ (2 Bde. 1820); Anhang hierzu: „Examinationsfragen aus der Forstwissenschaft zur Selbstprüfung der Forstcandidaten“ (1820); „Entwurf einer systematischen Belehrung in der theoretischen und praktischen Forst- und Jagdkunde etc.“ (1830); „Die forst- und landwirthschaftliche Wasserbaukunde in ihrem ganzen Umfang, ein leichtfaßliches Handbuch für Forst- und Landwirthe, Forst- und Cameralbeamte, Ortsvorsteher etc.“ (1832). Er war außerdem Mitarbeiter an dem bereits genannten Reitter’schen „Journal für das Forst- und Jagdwesen“, von welchem 5 Bände erschienen (1790–99). Wenn auch alle diese Werke nicht von hervorragender Bedeutung waren, so darf man doch nicht übersehen, daß J. mit zu den ersten Förstern gehörte, welche überhaupt systematische Handbücher über die Forstwissenschaft in einer einfachen und auch den Praktikern leicht verständlichen Sprache verfaßt haben. Einiges hatte blos für die damaligen württembergischen Verhältnisse Interesse. Die Monographie über die Saalweide, ein Ausfluß der damaligen Furcht vor zukünftigem Holzmangel, wurde in das Englische übersetzt.

Monatschrift für das württembergische Forstwesen, V. Bd., S. 46. Allgemeine Forst- und Jagdzeitung, 1842, S. 230. Programm der Hohenheimer Akademie für das Jahr 1859, S. 37. Fr. v. Loeffelholz-Colberg, Chrestomathie, II. S. 348, Bem. 282; das. V. S. 8 u. S. 31. Bernhardt, Geschichte des Waldeigenthums etc., II. S. 81, 174 u. 388.