ADB:Jordan, Ludwig Andreas

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Artikel „Jordan, Ludwig Andreas“ von B. in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 55 (1910), S. 509–510, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Jordan,_Ludwig_Andreas&oldid=- (Version vom 21. Mai 2019, 17:15 Uhr UTC)
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Jordan *): Ludwig Andreas J., Weingutsbesitzer in Deidesheim, Bürgermeister seiner Vaterstadt, Landrath, Mitglied des bairischen Landtags, Präsident der Handelskammer der Pfalz, Abgeordneter des deutschen Zollparlaments, des deutschen Reichstags u. s. w., gehörte zu den glücklichen Menschen, denen durch die vom Vater (siehe oben) erworbene Stellung vieles Erstrebenswerthe in den Schoß fällt, die aber trotzdem die eigenen Ideen selbständig mit aller Thatkraft und größtem Fleiß verfolgen. Geboren zu Deidesheim in der heutigen Rheinpfalz noch als französischer Bürger am 24. Februar 1811, wuchs J. zwar in dem politisch ultraconservativen Geist seines Vaters auf, wurde aber doch einer der Gründer des rechtsstehenden Nationalliberalismus und war einer der wichtigsten und einflußreichsten Förderer des deutschen Einheitsgedankens in Süddeutschland.

Als sein Vater hochbetagt 1845 aus der bairischen Kammer austrat, wurde alsbald J. an seine Stelle gewählt; 1848 entsandte ihn das Vertrauen der Kammer in das Frankfurter Vorparlament, doch scheint er die Erfüllung seiner Einheitshoffnungen auf dem damaligen Wege nicht erwartet zu haben, denn er ließ sich nicht für das Parlament aufstellen. Die revolutionären Vorgänge in der Pfalz verurtheilte er auf das schärfste; gerade in den bewegten Zeiten von 1848 beriefen ihn seine Mitbürger an die Spitze der städtischen Verwaltung, und es wird seinem Namen und seiner energischen Bürgermeisterschaft zuzuschreiben sein, das Deidesheim im Gegensatz zu den Ortschaften der Umgebung von allen Uebergriffen der „provisorischen Regierung“ und der Freischaren verschont blieb. 1855 trat J. aus dem Landtag aus, um seinem Schwager F. P. Buhl aus Ettlingen in Baden, der in Deidesheim ansässig geworden war, den Eintritt in die Kammer zu ermöglichen; als Buhl aber 1862 starb, wurde J. alsbald wiedergewählt und gehörte alsdann dem Landtag bis Ende des Jahres 1871 an, wo er, mit parlamentarischen Pflichten überlastet, freiwillig austrat. 1858 wurde J. als Vertreter des großen Grundbesitzes einstimmig zum Landrath gewählt, gleichzeitig genoß er aber auch in gleichem Umfang das Vertrauen der Handelswelt, so daß er, der Gutsbesitzer, von 1856 an ca. zehn Jahre lang der pfälzischen Handels- und Gewerbekammer präsidirte und 1861 auch als Präsident des deutschen Handelstages vorgeschlagen wurde, was er aber zu Gunsten Hansemann’s ablehnte, während er nur eine Stelle im bleibenden Ausschuß des Handelstags annahm. 1868 wurde J. von der Vorderpfalz auch in das deutsche Zollparlament, an dessen Zustandekommen ihm ein gutes Theil gebührte und das er als wichtige Etappe auf dem Weg zu der ersehnten Einheit begrüßte, mit überwältigender Mehrheit (9701 Stimmen von 11 227 abgegebenen) berufen; 1871 wurde er fast einstimmig (9315 von 9556 abgegebenen Stimmen, der beste Beweis für Jordan’s ungewöhnliche Popularität) in den Reichstag gewählt, nachdem die ersehnte Einheit auf Frankreichs Schlachtfeldern errungen war. In der bairischen Kammer gehörte damals J. mit seinen Freunden Dr. Völk und Dr. Barth zu den eifrigsten Verfechtern des Anschlusses an Preußen; auch um die Neubewaffnung der bairischen Infanterie kurz vor dem Kriege hat er sich durch seine Thätigkeit in der Kammer Verdienste erworben. In Berlin gehörte J. seit den Tagen des Zollparlaments zu dem intimen Kreise Bismarck’s, der ihn öfters als seinen Freund bezeichnet hat. Wenn anscheinend auch die streng conservative Regierung Ludwig’s I. dem patriotischen Pfälzer nicht sonderlich geneigt war, so wuchs seine allseitige Anerkennung besonders in den Zeiten Max’ II. und Ludwig’s II. [510] derart, daß Jordan’s Haus in dem stillen Landstädtchen Deidesheim das Ziel zahlloser Träger berühmter Namen, von weltlichen und geistlichen Fürsten, Ministern und sonstigen Politikern, Gelehrten u. s. w. wurde. Erst in seinem 70. Jahre, 1880, trat J. aus dem Reichstag aus und entsagte jeder politischen Thätigkeit.

Neben seiner öffentlichen Wirksamkeit bemühte sich J. sein Leben lang im Geiste seines in dieser Hinsicht besonders verdienten Vaters um das Gedeihen des Pfälzer Weinbaus. Wenn auch seit den Zeiten A. Jordan’s in qualitativer Hinsicht grundlegende Fortschritte für den Pfälzer Weinbau nicht mehr gut möglich waren, so hat dieser doch auch Ludw. Andr. J. sehr vieles zu verdanken, durch dessen Thätigkeit in der Handelskammer, dem Zollparlament, dem Landrath, Landtag und Reichstag besonders bezüglich des auswärtigen Absatzes und Renommees und der Gesetzgebung, wie auch durch den Jordanschen Musterweinbau, der zahllose auswärtige Interessenten, landwirthschaftliche Fachleute u. s. w. herbeizog und eine Menge landwirthschaftlicher Ehrungen erlebte. Gerade die Jahre ungefähr von 1860 bis 1880 bezeichnen die Zeit der höchsten Prosperität des pfälzischen Weinbaus. J. starb am 1. Juli 1883 zu Deidesheim und mit ihm erlosch der Mannesstamm seiner nur noch in Cluses (Frankreich) in der Form Jourdan blühenden Familie. Der Wunsch Jordan’s, daß sein Schwiegersohn und Erbe seiner Güter E. Bassermann den Namen Jordan mit dem seinigen amtlich vereinigen möge (Bassermann-Jordan) wurde kurz nach Jordan’s Tode durch königliches Patent Ludwig’s II. von Baiern erfüllt.

Litteratur dieselbe wie bei A. Jordan angegeben, ferner: A. Becker, Die Pfalz und die Pfälzer. 1858, S. 276. – Deutsches Land und Volk. Leipzig 1880, S. 381. – J. G. Wirth, Weinorte der Rheinlande. 1866, S. 15. – F. Mendelssohn-Bartholdy, Briefe, 1875, II, 430 f. – F. Weiß, Rheinpfalz, 2. Aufl., S. 64. – M. Busch, Bismarck und seine Leute, 3. Aufl., I, 233.
B.

[509] *) Zu Bd. L, S. 701.