ADB:Jordan, Peter (Naturwissenschaftler)

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Artikel „Jordan, Peter (Naturwissenschaftler)“ von Carl Leisewitz in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 14 (1881), S. 511–513, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Jordan,_Peter_(Naturwissenschaftler)&oldid=- (Version vom 19. Juni 2019, 19:22 Uhr UTC)
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Jordan: Peter J., Professor für Naturgeschichte und später für Landwirthschaft an der Hochschule zu Wien, k. k. österreichischer Regierungsrath und Güterdirector des Kaisers Franz I., † am 6. Juli 1827 in Wien. J. war 1751 zu Sellrain in Tirol geboren und hatte die Jahre der Kindheit unter sehr ärmlichen Verhältnissen verleben müssen, weshalb ihm auch bis zu seinem 14. Jahre nur eine dürftige Erziehung von seinen unbemittelten Eltern geboten werden konnte. In diesem Alter noch als Hirtenjunge beschäftigt, erregte er bei einer zufälligen Gelegenheit durch seine ungewöhnlichen Geistesanlagen die Aufmerksamkeit und das warme Interesse des Seelsorgers seines Geburtsortes und wurde von diesem Manne mit solchem Wohlwollen bedacht, daß er, um einen höheren Lebenszweck verfolgen zu können, wie ein Adoptivkind bei demselben Aufnahme und Behandlung fand. Durch Privatunterricht und materielle Unterstützung von seinem Wohlthäter selbst auf den Besuch höherer Bildungsinstitute vorbereitet, [512] sah sich J. schon nach einigen Jahren in dem Besitze der zum Universitätsstudium nöthigen Vorbildung. Er bezog die Universität Göttingen, wo er sich medicinischen und naturwissenschaftlichen Studien widmete. Auch hier that er sich durch großen Eifer wie durch seine intellectuellen Fähigkeiten in dem Grade hervor, daß ihm seine Lehrer, unter denen die hervorragendsten Gelehrten jener Zeit, wie Blumenbach und Lichtenberg waren, ihre ganze Zuneigung und volles Zutrauen schenkten. Ohne Zweifel hatten jene Männer in dem an Jahren reiferen, mit ebenso großer Willenskraft wie Fähigkeit und mit seltener Fertigkeit in der Mittheilung wissenschaftlicher Betrachtungen ausgerüsteten Studirenden schon die ungewöhnliche Begabung für das Lehramt erkannt, denn sie gaben ihm bei seinem Abgange von dort die besten Empfehlungsbriefe nach Wien mit. Nachdem er sich hier in Gemeinschaft mit dem nachmals so berühmten Leibarzte des Kaisers Franz I., dem Freiherrn Andreas v. Stifft, der Fortsetzung seiner naturwissenschaftlichen Studien und der weiteren Ausbildung im medicinischen Berufe hingegeben hatte, wurde ihm schon 1783 die Lehrkanzel für Naturgeschichte an der Wiener Hochschule anvertraut. Obwol er in diesem Lehramte mit Anerkennung wirkte, so genügte ihm die darin liegende Aufgabe doch nicht für längere Zeit; er war von den in Norddeutschland damals erwachten Bestrebungen, die Landwirthschaft wissenschaftlich aufzuhellen, so erfaßt, daß er auch seinerseits das größte Verlangen und den Beruf fühlte, auf diesem Gebiete für sein Vaterland zu wirken. So kam er dazu, im J. 1796 an der Wiener Hochschule die ersten Vorlesungen über rationelle Landwirthschaft zu eröffnen, und er wurde damit der Stifter der ersten höheren landwirthschaftlichen Schule in Oesterreichs Hauptstadt. In seinen Vorträgen suchte er der landwirthschaftlichen Empirie eine naturwissenschaftliche Grundlage zu geben und die Landwirthschaftslehre zu einer Wissenschaft zu erheben, wobei er durch ein rationelles Lehrsystem Theorie und Praxis zu vereinigen bedacht war. Für diese Bemühungen erntete er vielen Beifall und allgemeine Anerkennung, welche sich theils in dem zahlreichen Besuche seiner Vorlesungen, theils in der von anderer Seite unternommenen litterarischen Bearbeitung der in seinen Vorträgen aufgestellten Lehrsätze kundgeben sollten. So war er gewissermaßen der intellectuelle Urheber des später von Professor L. Trautmann, seinem damaligen Schüler, verfaßten landwirthschaft1ichen Lehrbuches geworden. – Seine unausgesetzten Bestrebungen, die Landwirthschaft durch Anregung und Lehre zu fördern, zogen ihm bald auch die besondere Huld und das Vertrauen seines Kaisers Franz I. zu; zum Beweise dessen wurde ihm im J. 1806, nachdem er inzwischen mit dem Charakter eines k. k. Regierungsrathes beliehen war, die Direction der kaiserlichen Patrimonialgüter Vösendorf und Laxenburg übertragen. Hier war sein Hauptaugenmerk auf Hebung der Rindviehzucht durch Einführung renommirter Schweizer Viehstämme und rationelle Haltung derselben, sowie auf Hebung der Bodenkultur durch Anwendung vervollkommneter und größtentheils nach seinen Angaben construirter Ackergeräthe gerichtet. Zwar übte er noch während der nächsten beiden Jahre gleichzeitig seine Lehrthätigkeit an der Wiener Hochschule aus und vertrat die Professur unverkürzt, bis er mit dem Studienjahre 1809 einen Nachfolger in derselben durch Professor Trautmann erhalten hatte; demnächst aber concentrirte sich seine Wirksamkeit in der Direction jener Güter und der Ertheilung eines praktischen Unterrichts an die ihm dort zahlreich zugewiesenen Schüler. Indeß blieb auch von dieser Stellung aus seine volle Aufmerksamkeit den landwirthschaftlichen Zuständen und Bedürfnissen anderer vaterländischer Distrikte zugewandt; er blieb ein rühriges Mitglied der österreichischen Landwirthschaftsgesellschaft zu Wien, zu deren 1807 erfolgten Neubegründung er schon mehrere Jahre zuvor direct und indirect Anregung gegeben hatte. Seine damaligen Verdienste um die praktische Landwirthschaft traten [513] namentlich in der Richtung der Thierzucht hervor, so daß eine spätere Zeit in ihm den Gründer der Veredlung der österreichischen Rindviehzucht erkannt haben will. Als er nach einigen Jahren die Directionsthätigkeit in andere Hände niederlegen konnte, trat er in den beständigen Ausschuß jener Landwirthschaftsgesellschaft ein und wurde mit dem wichtigen Referate über das landwirthschaftliche Versuchswesen betraut, welche Function er bis zu seinem Tode in Wien auszuüben vermochte. War er noch zu seinen Lebzeiten vom Kaiser durch Ordensdecoration ausgezeichnet worden, so verehrten seine Berufs- und Zeitgenossen in ihm den geistreichen und tüchtigen Lehrer, den erleuchteten und gediegenen Landwirth und den ebenso bescheidenen wie um sein Fach hochverdienten Mann des aufstrebenden Zeitalters.

Vgl. Joseph Ritter v. Schreibers, Darstellung der Gründung und Entwickelung der k. k. Landwirthschaftsgesellschaft in Wien, als Festalbum herausgegeben; ferner Prof. L. Trautmann, Versuch einer wissenschaftlichen Anleitung zum Studium der Landwirthschaftslehre, Wien 1814.