ADB:Jost von Rosenberg

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Artikel „Jost, Bischof von Breslau“ von Hermann Markgraf in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 14 (1881), S. 570–572, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Jost_von_Rosenberg&oldid=- (Version vom 18. Januar 2020, 20:37 Uhr UTC)
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Jost (Jodocus von Rosenberg), Bischof von Breslau, 8. März 1456 bis 15. December 1467, war der jüngste Sohn Ulrichs v. Rosenberg, des langjährigen Führers der katholischen Herrenpartei in Böhmen, geb. 1430). J. wurde, als seine älteren Brüder sich mit des Vaters altem Gegner Georg von Podiebrad versöhnt hatten, und der älteste, Heinrich, Landeshauptmann von Schlesien und Voigt der Oberlausitz geworden war, während der zweite, Johann, eine Prinzessin von Glogau heimführte, durch den Einfluß dieser Brüder und die directe Verwendung des Königs Ladislaus Posthumus, ehe er noch das kanonische Alter erreicht hatte, auf den Breslauer Bischofsstuhl gebracht, der durch den Tod des Bischofs Peter Nowag seit dem 15. Februar 1456 erledigt war. Das Domcapital scheint der Wahl des böhmischen Magnaten nicht große Geneigtheit entgegengebracht zu haben; wenigstens sicherte es sich seine Rechte zuvor durch ein Statut, das namentlich in finanzieller Beziehung die Macht des künftigen Bischofs beschränkte. Er durfte darnach weder Kirchengüter veräußern noch den Clerus besteuern, nicht über 12 Pferde und 20 Diener halten und mußte ferner die Hauptleute in den der Kirche gehörigen Burgen auch dem Capitel schwören lassen, wie seinen Official aus dessen Mitte nehmen. Am 8. März fand die Wahl statt. J. stand damals erst im 26. Jahre, er war indeß schon [571] seit 6 Jahren Domscholasticus in Prag und seit 4 Jahren Großprior der böhmischen Provinz des Johanniterordens, doch erst am 26. August 1453 durch den Erzbischof von Salzburg zum Priester geweiht. Er war auch Specialprior des Ordenshauses am Fuß der Prager Brücke. Auf die Anzeige von seiner Wahl zum Bischof gewährte Papst Calixtus Dispens wegen des mangelnden Alters und bestätigte ihn schon am 9. Juni unter Belassung in den älteren kirchlichen Würden. Erst nach länger als Jahresfrist zog der neue Bischof in Breslau ein; daß inzwischen erst Verhandlungen mit dem Capitel wegen des neuen Statuts gepflogen worden sind, dem sich J. schwerlich ohne Einrede unterworfen hat, ist sehr wahrscheinlich. Hier liegt der eine Keim zu den Differenzen, in die er später mit den Wortführern des Capitels, namentlich dem Dompropst Johannes Düster und dem Domcantor Nicolaus Tempelfeld, gerieth; der andere liegt in der Haltung, die er nach dem Tode des Königs Ladislaus Posthumus († am 23. November 1457) zu dessen Nachfolger Georg v. Podiebrad einnahm. Ganz Schlesien, Breslau und dort wieder die Geistlichkeit voran, erklärte sich gegen die Wahl des czechischen und hussitischen Podiebrad. Indem sich diese Opposition bald ebenso deutlich als antiböhmisch wie antihussitisch zeigte, wurde Jost’s Stellung recht schwierig. Als Breslauer Bischof war er gegen den Hussiten, als böhmischer Magnat war er für den Czechen. In diesem Dilemma eilte er persönlich nach Rom zu Pius II. Er theilte mit diesem die Hoffnung, daß es möglich sein werde, den König auf Grund seines Krönungseides zur Unterwerfung unter die römische Kirche zu bringen. Nach seiner Rückkehr aus Rom trat er entschieden auf die Seite desselben und wirkte auf die Auflösung des gegen ihn gebildeten schlesischen Bundes hin. Während die Fürsten bis auf den Herzog Balthasar von Sagan nachgaben, blieb Breslau und das Domcapitel um so hartnäckiger. Das verfeindete den Bischof, „den Ketzergönner“ für alle Zeit mit dem Capitel und der Stadt. Er kam selten nach Breslau und nie ohne ausdrücklich freies Geleit von der Stadt begehrt und erhalten zu haben. Auch in Neiße scheint er nicht viel residirt zu haben; der Bürgerschaft daselbst zum hellen Verdruß und Trotz brach er beim Bischofshofe ein Thor durch die Stadtmauer, um ungehinderten Aus– und Eingang zu haben. Er wohnte mehr in Strakonitz, dem Sitze des Großpriorats, und in Krumau, der Hauptresidenz der Rosenberge. Sein ältester Bruder Heinrich war schon 1456 gestorben, der zweite Johann war kein bedeutender Charakter, so wurde J. das eigentliche Haupt des Hauses Rosenberg, das den ersten Rang im böhmischen Herrenstande einnahm. Er stand in den nächsten Jahren in eifrigem Verkehr mit Georg, immer in der Hoffnung ihn und die Utraquisten zur Unterwerfung unter Rom zu bringen. Doch wehrte er jedesmal dem unzeitigen Drängen der Curie und trat dem päpstlichen Legaten, Erzbischof Hieronymus Lando von Creta, der Schlesien gegen den König aufwiegelte, 1463 scharf entgegen, so daß die beiden Prälaten eines Tages gar handgemein mit einander wurden. Aber ebenso eifrig arbeitete er dahin, die Katholiken aller böhmischen Kronländer zu einer großen Partei zu organisiren, die den König unter ihren Willen zwingen könne, ohne daß ein neuer Religionskrieg entfesselt würde, dessen Gefahren für die Einheit des Reiches nicht abzusehen waren. Ohne Fanatismus, überhaupt mehr weltlich als geistlich gesinnt, hatte er den Ehrgeiz und die Thätigkeit seines Vaters geerbt; aber er verband stets Vorsicht mit Entschlossenheit und war mehr zäh als stürmisch in der Verfolgung seiner Pläne. Dabei war er aller Verhältnisse kundig und der Rede, allerdings nur böhmisch und sehr wenig deutsch, in hohem Grade mächtig, kurz ein geborener Parteiführer, aber kriegerischen Mitteln und Plänen durchaus abgeneigt. Als sich im J. 1465 der Herrenbund gegen den König bildet, erscheint J. an der Spitze desselben. Neben Sdenco v. Sternberg, der aus verletztem Ehrgeiz und [572] nicht befriedigter Habsucht vom befreundeten Anhänger des Königs zu dessen leidenschaftlichstem Feinde geworden war, lenkt er, den auf Georgs Sturz hinarbeitenden Sternberg mäßigend und hemmend, die Politik des Herrenbundes in seine Wege. Er sucht die frondirenden Magnaten des Hauptlandes und die Katholiken der Nebenländer zu einer Partei zu vereinigen. Die große katholische Liga, die 1467 ins Leben trat, ist wesentlich sein Werk, obwol ihm dasselbe dann freilich über den Kopf wuchs und die Dinge überhaupt 1467 jene gewaltsame Entwickelung nahmen, die er bis zuletzt immer noch beschwören zu können geglaubt und gehofft hatte. Es scheint, daß er bereits im Anfang 1467 krank gewesen ist, zu jener Zeit, als Sternberg gewaltsam dahin drängte, die Entscheidung auf die Spitze des Schwertes zu stellen. Bald darauf mußte er es erleben, daß der neue päpstliche Legat in Breslau, Rudolf von Rüdesheim, damals Bischof von Lavant und später sein Nachfolger in Breslau, ihm in der Leitung der großen Liga den Rang ablief und den Krieg entfachte, der dann länger als ein Jahrzehnt die Länder der böhmischen Krone, die kaum die Folgen der Hussitenkriege verwunden hatten, wieder schrecklich verheerte. In diesem Kriege eroberte J. das feste Schloß Edelstein bei Zuckmantel, das eine stete Drohung für Neiße gewesen war, und ließ es brechen; die damit verbundenen Besitzungen, die früher dem Bisthum gehört hatten, gewann er diesem wieder zurück. Gegen seine alten Gegner im Domcapitel, namentlich den Propst Düster, war er schließlich so erbittert, daß er letzteren am 29. Juni 1467 gewaltsam in Breslau aufheben und nach dem Schloß Kaldenstein bringen ließ. Entweder müsse jener von der Propstei weichen oder er vom Bisthum, soll er gesagt haben. Als dann im Beginn des Winters die Waffen wieder ruhten und eine große katholische Parteiversammlung nach Breslau berufen wurde, um die Liga fester zusammenzuschließen, raffte ihn wenige Tage vor Beginn derselben, am 15. December, ein Steinleiden hinweg, im 37. Jahre seines Lebens. J. war ein sehr stattlicher Mann; bei zunehmender Dicke litt er an geschwollenen Füßen, so daß er zuletzt auch die heiligen Handlungen sitzend verrichten mußte. Sein Tod erregte in Breslau mehr Freude als Bedauern; die fremden Gäste mußten erst vermitteln, daß man die Leiche zur Bestattung in die Stadt ließ.

Nach den Quellen und Bearbeitungen der Zeit, namentlich nach Palacky’s und des Verf. eigenen Arbeiten.