ADB:Jugler, Johann Friedrich

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Artikel „Jugler, Johann Friedrich“ von Johann August Ritter von Eisenhart in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 14 (1881), S. 661–662, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Jugler,_Johann_Friedrich&oldid=- (Version vom 20. September 2019, 23:23 Uhr UTC)
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Band 14 (1881), S. 661–662 (Quelle).
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Jugler: Johann Friedrich J., Inspector der Ritterakademie in Lüneburg, geb. am 17. Juli 1714 zu Wetteburg, einem unweit Naumburg gelegenen Dorfe, wo sein Vater Johann Martin J. als Prediger über 40 Jahre wirkte. Die erste Unterweisung empfing er von seinem mütterlichen Oheim, dem Superintendenten Johann Christoph Friderici zu Tautenburg, 1729 kam er auf die bekannte Fürstenschule Pforte und im Sommersemester 1734 wurde er an der Hochschule zu Leipzig immatriculirt. Er hörte außer juristischen Fächern Philosophie, schöne Wissenschaften und Rechtsalterthümer; nach vollendeten akademischen Studien übernahm er 1739 die Hofmeisterstelle bei einem Sohne des geheimen Kriegsraths Freiherrn v. Hohenthal, 1741 bei dem ältesten Sohne des angesehenen Hamburger Bürgermeisters Conrad Widow, nachdem er noch in demselben Jahre in Leipzig die Magisterwürde erworben und sich dort habilitirt hatte. Im Sommer 1743 begleitete er seinen erkrankten Zögling nach Carlsbad in Böhmen. Dort wurde er dem regierenden Herzoge von Weißenfels, Johann Adolph, der gleichfalls die Cur gebrauchte, und auf dem Heimwege in Hannover dem um das Unterrichtswesen sehr verdienten Geheimen Rathe und Großvogte von Münchhausen vorgestellt. Ersterer verlieh ihm Anfangs 1744 die Professur des Naturrechtes, der Beredsamkeit, Politik und Geschichte der Gelehrsamkeit an dem Gymnasium illustre zu Weißenfels. Auf der Reise nach seinem neuen Bestimmungsorte hielt er sich längere Zeit in Göttingen und Jena auf, und eröffnete seine Lehrthätigkeit erst am 24. September desselben Jahres mit einer feierlichen Rede de Ciceronomania Eruditorum. Wenige Monate später ließ ihm Münchhausen eine Stelle in Göttingen anbieten, die er jedoch wegen zu kurzen Aufenthaltes an seinem neuen Bestimmungsorte ablehnen zu müssen glaubte; allein trotzdem war sein Aufenthalt in Weißenfels, wo er im Januar 1745 auch die Stelle eines Assessors bei der dortigen Regierung erhielt, von kurzer Dauer, weil er bereits Ende des genannten Jahres als Inspector und Lehrer mit dem Titel eines kgl. großbritann. etc. Rathes an die Ritterakademie in Lüneburg gerufen wurde, und Anfangs Juli 1746 mit seiner jungen Frau, [662] einer Tochter des Superintendenten Dr. Löscher, die er kurz vorher in Dresden gefreit hatte, dorthin übersiedelte. Auf der Ritterakademie fand J. die Disciplin sehr gelockert, die Schülerzahl auf 6 zusammengeschmolzen, und überhaupt manches anders, als er sich erwartet hatte, wodurch die Eingewöhnung in die neuen Verhältnisse erschwert wurde. – 1766 verlor er nach 20jähriger sehr glücklicher Ehe seine Gattin, J. empfand den Verlust um so schmerzlicher, als seine zweite im J. 1767 eingegangene Verbindung mit Fräulein Rickmann aus Celle sich weniger friedlich gestaltete und nach einigen Jahren zur Trennung der beiden Ehegatten führte. – Unter diesen Verhältnissen boten ihm Berufsthätigkeit und schriftstellerische Arbeiten die erwünschte Zerstreuung; im J. 1787 hatte er jedoch das Unglück, das Augenlicht zu verlieren, wiederholte Operationen des bekannten Ophthalmologen Unger in Altona schlugen leider fehl. Er nahm nun seine Entlassung, die ihm in sehr ehrenvoller Weise ertheilt wurde. Bis zu seinem am 9. Januar 1791 erfolgten Tode behielt er seine gleichmäßige gute Laune und ein warmes Interesse für schriftstellerische Leistungen auf dem weiten Gebiete der Geschichte und Rechtswissenschaft. Mit Vorliebe beschäftigte er sich mit Rechtsalterthümern und juristischer Gelehrten-Geschichte; besaß zu diesem Zwecke eine hübsche Fachbibliothek von etwa 8000 Bänden nebst mindestens ebenso vielen Dissertationen, und veröffentlichte selbst mehrere Schriften. So veranstaltete er in 3 Bänden eine neue Auflage der bibliotheca historiae litterariae selectae des Jenenser Rechtslehrers Gotthelf Struve (Jena 1754–63), welche er durch Verbesserungen und Zusätze so umgestaltete, daß sie – wie das Titelblatt sagt – fast als neues Werk bezeichnet werden kann. 1785 erschien hierzu von Köcher ein Ergänzungsband. – Eine verdienstvolle Arbeit von bleibendem Werthe sind die „Beyträge zur juristischen Biographie, oder genauere litterarische und kritische Nachrichten von dem Leben und den Schriften verstorbener Rechtsgelehrter und Staatsmänner, welche sich in Europa verdient gemacht haben“ (Leipzig 1773–1780). Diese „Beyträge“ umfassen 6 Bände (jeden zu 2 Theilen), in welchen 127 mit Sorgfalt und Verläßlichkeit geschriebene Biographien aufgenommen sind. Durch diese Arbeit kam J. mit dem bekannte Biographen und Rechtsconsulenten Christoph Weidlich von Halle in Berührung, aus welcher ein dauerndes Freundschaftsverhältniß beider Männer erwuchs. Ein nicht getroffenes Porträt Juglers ist der von ihm besorgten neuen Auflage der Struve’schen bibliotheca etc. beigegeben; ein Schriftenregister in Meusel’s Lexicon, Bd. 6, S. 322–324.

Weidlich, biogr. Nachrichten von den jetzt lebenden Gel. Bd. I S. 380 ff. Winkler, Nachr. von niedersächs. berühmten Leuten (die Notizen über Jugler stammen muthmaßlich aus dessen Feder). Bd. I. S. 358 ff. Schlichtegroll, Nekrolog auf das Jahr 1791. Bd. I. S. 1–12. Baur, Gall. histor. Gemälde aus dem 18. Jahrh. Th. III. S. 116–131. (Im Wesentlichen ein Auszug aus Schlichtegroll.)