ADB:Königsegg-Rothenfels, Joseph Lothar Graf von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Königsegg und Rothenfels, Lothar Joseph Dominik Graf von“ von Karl Friedrich Hermann Albrecht in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 16 (1882), S. 523–525, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:K%C3%B6nigsegg-Rothenfels,_Joseph_Lothar_Graf_von&oldid=- (Version vom 3. April 2020, 18:20 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 16 (1882), S. 523–525 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Joseph Lothar von Königsegg-Rothenfels in der Wikipedia
GND-Nummer 137058179
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|16|523|525|Königsegg und Rothenfels, Lothar Joseph Dominik Graf von|Karl Friedrich Hermann Albrecht|ADB:Königsegg-Rothenfels, Joseph Lothar Graf von}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=137058179}}    

Königsegg: Lothar Joseph Dominik Graf von K. und Rothenfels, kaiserlicher Feldmarschall, geheimer Rath, Conferenzminister, Präsident des Hofkriegsrathes, Ritter des goldenen Vließes, geb. am 17. Mai 1673, † zu Wien am 8. December 1751, Sohn des Grafen Leopold Wilhelm aus dessen erster Ehe mit Maria Polyxena, Gräfin Scherffenberg. Als einer der jüngeren Söhne für den geistlichen Stand bestimmt, wurde Lothar, schon mit 16 Jahren Domherr zu Salzburg und Passau, nach Rom geschickt, um daselbst seine bei den Jesuiten in Besançon begonnene Bildung als päpstlicher Kämmerer zu vollenden. K. fühlte jedoch für den geistlichen Stand durchaus keine Neigung, er verließ deshalb Rom und betrat bei dem kaiserlichen Heere in Ungarn die Laufbahn, auf welcher man ihn mit so viel Ehre und Verdienst wandeln sah. Vom Jahre 1691–1699 diente er in dem Kürassierregimente Hohenzollern, machte die Feldzüge des spanischen Erbfolgekrieges am Rhein und in Italien mit, avancirte am 5. October 1702 zum Oberst, ward am 12. Januar 1703 Inhaber des früher [524] Longueval’schen Infanterieregiments, commandirte 1704 in Mirandola, wurde am 13. Januar 1705 Generalfeldwachtmeister, zeichnete sich in der Schlacht bei Turin (7. September 1706) aus, ward am 11. April 1708 Feldmarschalllieutenant und commandirte bis zum Jahre 1712 in Mantua. Von da ab begegnen wir K. theils in den Feldlagern, theils in diplomatischen Verwendungen. Im J. 1714 begleitet er den Prinzen Eugen zu den Friedensverhandlungen nach Rastatt, dann geht er nach Holland, wo er nach 14monatlichen Unterhandlungen am 17. November 1715 den Barrièretractat zu Stande brachte. Am 13. Mai 1716 zum Feldzeugmeister befördert, blieb er bis 1717 als Truppencommandant in den Niederlanden, ging im folgenden Jahre als Gesandter nach Paris und von dort nach Warschau. Im J. 1722 ward dem Grafen das Obercommando in Siebenbürgen und der Walachei übertragen, am 16. October 1723 erlangte er die Feldmarschallswürde. K. that viel für Siebenbürgen sowol auf militärischem als administrativem Gebiete, doch kam seine Wirksamkeit dem Lande nur durch einige Jahre zu Gute, da er bald als Gesandter nach dem Haag und von dort 1725 nach Madrid gesendet ward. Im J. 1728 wurde er zum Vicepräsidenten des Hofkriegsrathes berufen, 1734 erhielt er den Oberbefehl in Italien. Hier führte er den Ueberfall bei Quistello (15. September 1734) aus, ward aber bei Guastalla (19. September 1734) von dem vereinigten Heere der Franzosen, Spanier und Piemontesen geschlagen. Er führte die Armee im Juni 1735 bis nach Tirol, übergab den Oberbefehl sodann an den General der Cavallerie, Graf Ludwig Khevenhüller und begab sich nach Wien. Nach des Prinzen Eugen von Savoyen Tode ward K. Präsident des Hofkriegsrathes. Als Graf Seckendorf nach seinen Mißerfolgen gegen die Türken im J. 1737 abberufen und der junge Prinz Franz von Lothringen zum Oberfeldherrn des kaiserlichen Heeres ernannt worden war, wurde Feldmarschall Graf K. an dessen Seite gestellt. Aber auch ihm gelang es nicht den Angelegenheiten eine günstigere Wendung zu geben. Noch vor Abschluß des für Oesterreich so traurigen Friedens von 1739 erhielt K. das Obersthofmeisteramt bei der Kaiserin Elisabeth Christine, – nachdem Josef Graf Harrach[WS 1] zum Hofkriegsrathspräsidenten ernannt worden – blieb zugleich auch als Conferenzminister noch politisch thätig und bis zum Tode Kaiser Karl VI. in ungeschmälertem Besitze seines Vertrauens. Königsegg’s kriegerische Laufbahn war jedoch noch keineswegs abgeschlossen, denn wir finden ihn von Maria Theresia, welche ihm das Amt eines Oberst-Land- und Hauszeugmeisters verliehen (7. August 1741) und der er eifrigst bei den Berathungen und Entwürfen der Feldzüge im Beginne des Erbfolgekrieges diente, dem Herzoge Karl von Lothringen an die Seite gegeben; er leitet dann 1743, nach Abschluß des Breslauer Friedens, mit Marschall Bellisle und Cardinal Fleury die Verhandlungen wegen der Räumung Prags. Im J. 1744 ward K. commandirender General zu Wien (29. Juni). Am 12. Febr. 1745 erhielt er das Commando in den österreichischen Niederlanden. In der Schlacht von Fontenay (11. Mai 1745) commandirte K. unter dem Oberbefehl des Herzogs von Cumberland nur ein kleines österreichisches Corps, mit welchem er den von dem Marschall von Sachsen erfochtenen Sieg nicht zu hindern im Stande war. Verwundet wurde der Feldmarschall nach Ath gebracht, von wo er nach Wien zurückkehrte, nunmehr noch mit seiner reichen Erfahrung und erprobten Einsicht dem Staate als Conferenzminister seine Dienste weihend. K. starb im Alter von 78 Jahren und ward in der Franziskanerkirche zu St. Hieronymus beerdigt. Ihm bleibt der Ruf eines tüchtigen Generals, besonders was seine Unternehmungen in früheren Jahren betrifft, und eines gewandten Staatsmannes gewahrt, der auf dem Felde der Diplomatie manch’ schönen Sieg zu erfechten [525] verstanden. Der Graf war seit dem Jahre 1716 mit Maria Theresia Gräfin Lannoy vermählt gewesen, doch ist diese Ehe ohne Nachkommenschaft geblieben.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. gemeint ist wohl Johann Philipp Graf Harrach, der 1738-1762 dem Hofkriegsrat vorstand; siehe den Artikel in der Wikipedia.