ADB:Kaltenbach, Rudolf

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Artikel „Kaltenbach, Rudolf“ von Franz von Winckel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 51 (1906), S. 25–26, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kaltenbach,_Rudolf&oldid=- (Version vom 19. Juli 2019, 01:56 Uhr UTC)
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Kaltenbach: Rudolf K., geboren zu Freiburg im Breisgau am 12. Mai 1842, † zu Halle a. S. im November 1893. Er studirte in Freiburg, Berlin, Wien, promovirte 1865, war 1865–67 Operationszögling an der chirurgischen Klinik von v. Dumreicher in Wien, 1867–73 Assistent von A. Hegar in Freiburg, habilitirte sich 1868 als Privatdocent daselbst, wurde 1873 Prof. extraordinarius und 1883 nach Gießen als Prof. ordinarius der Geburtshülfe und Gynaekologie und Director der Entbindungsanstalt und Frauenklinik berufen. 1887 ging er in gleicher Eigenschaft nach Halle als Nachfolger von Olshausen, wo er jedoch bereits am 21. November 1893 plötzlich starb.

v. Dumreicher war sein Onkel und so folgte er 1866 im Kriege Oesterreichs Fahnen und erwarb sich auf dem Schlachtfelde von Königgrätz das k. k. goldene Verdienstkreuz mit der Krone. Den deutsch-französischen Krieg machte K. 1870 bei der Belagerung von Straßburg mit. Er erkrankte schwer am Typhus und erhielt auch damals eine Ordensdecoration für seine Pflichttreue. Während seiner Assistentenzeit bei Hegar zog er sich eine Blutvergiftung zu, von der er sich sehr schwer erholte und eine Kniegelenksynostose davontrug. Mit diesen schweren Infectionskrankheiten, die er überstanden hatte, hing wol auch sein früher Tod mit 51 Jahren zusammen. In Gießen machte er sich dadurch verdient, daß er den Bau der neuen Klinik durchsetzte und bei dem Project des Baues mitwirkte.

K. hatte, wie Fritsch in seinem Nachruf hervorhebt, in Freiburg von seinem Lehrer Hegar seine wissenschaftliche Richtung erhalten. „Strenge Logik beim Stellen der Indicationen, consequentes Handeln in der Therapie, Sorgfalt und ausgezeichnete Technik beim Operiren, Zuverlässlichkeit beim Beurtheilen der Erfolge, das waren die Eigenschaften, die Kaltenbach auszeichneten, die ihn zu einem im In- und Auslande hochgeachteten Vertreter unseres Faches machten. Dabei war Kaltenbach ein sehr gewissenhafter akademischer Lehrer und ein fleißiger Schriftsteller. Keine Frage der modernen Gynaekologie und der Geburtshülfe giebt es, in der Kaltenbach nicht sein stets bewährtes Urtheil abgegeben hätte.“ Diese vorzügliche Anerkennung Kaltenbach’s von Fritsch kann Referent, der denselben schon seit seiner Berliner Studienzeit kannte, nur wörtlich unterschreiben. K. war ein trefflicher Mensch, Gatte, Vater und Freund. Von seinen zahlreichen Aufsätzen und Schriften erwähnen wir folgende:

[26] „Ueber Albuminurie und Erkrankungen der Harnorgane in der Fortpflanzungsperiode“ (Archiv f. Gynaekol. III, 1–37. 1872); „Ueber eine Scheidencyste“ (ebd. V. 138); „Beitrag zur Anatomie und Genese des Uterus prolapsus“ (Zeitschr. f. Geb.h. u. Gyn. I, 452, 1877), mit Hegar zusammen gab er „Die operative Gynaekologie“ (Erlangen 1884) heraus, in 3 Auflagen erschienen; „Laparotomie bei fibrösen Uterustumoren“ (Zeitschr. f. Geb.h. u. Gyn. II, 183); „Hyperplasie am Ende der Schwangerschaft“ (ebd. II, 225); „Tiefe Scheiden- und Cervicabrüche bei der Geburt“ (ebd. II, 227); „Wendung aus Kopflage“ (III, 182); „Combinirte Wendung nach Braxton Hicks“ (ebd. III, 185); „Die Lactosurie der Wöchnerinnen“ (ebd. IV, 161); „Sectio Caesarea bei Carcinom des Rectum“ (ebd. IV, 191); „Verletzungen der weiblichen Genitalien“ (ebd. IV, 287), „Laparomyomotomie“ (ebd. X, 74); „Demonstration 1. eines doppelten primären Tubencarcinoms und 2. einer geplatzten linksseitigen Tubenschwangerschaft“ (ebd. XVI, 209. 1889); „Ueber Selbstinfection“ (Arch. f. Gynaek. XXXV, 489); „Ueber Placenta praevia“ (ebd. XXXVI, 522); „Ventrofixatio uteri“ (ebd. XXXVI, 531); „Sarcom der Gebärmutter“ (ebd. XXXIX, 139); „Unterrichtsmittel“ (ebd. XL, 234); „Geburtsmechanismus“ (ebd. XL, 332. 1891). Sein letztes und ausgezeichnetstes Werk war sein „Lehrbuch der Geburtshilfe“ (Stuttgart 1893, XX u. 524 S. mit 102 Abbildungen im Text und 2 Tafeln), in welchem er seine eigenen, im Verlaufe einer langen Lehrthätigkeit gewonnenen Anschauungen und Erfahrungen niederlegte, ein Werk, welches trotz der existirenden zahlreichen deutschen Lehrbücher über dasselbe Gebiet von der gesammten Kritik als ein treffliches bezeichnet wurde, aber mit seinem bald nachher erfolgten Tode keine weiteren Auflagen erlebte. Zum Schlusse aber möchte ich noch die schönen Worte von Fritsch (l. c. S. 1130) hier citiren: „So hat Kaltenbach, wenn ihm auch zum Schmerze seiner Fachcollegen ein langes Leben nicht beschieden war, dennoch in der kurzen Zeit seines Wirkens eine volle Mannesarbeit, eine große Fülle werthvoller Ergebnisse seiner Studien uns hinterlassen. So lange es eine deutsche Gynaekologie gibt, wird Kaltenbach’s Name in Ehren genannt werden“.

Biogr. Lexikon von Gurlt u. Hirsch, III, 440. 1886 – Pagel, Biogr. Lexikon 1901, S. 838, m. Portr. – Fritsch, Nachruf, Ctrlbl. f. Gynaek. 1893, Nr. 49.