ADB:Karolus, Johann

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Artikel „Karolus, Johann“ von Jakob Franck in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 15 (1882), S. 416–417, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Karolus,_Johann&oldid=- (Version vom 19. Juni 2019, 01:23 Uhr UTC)
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Karolus: Johann K. (Carolus), Buchdrucker zu Straßburg zu Ende des 16. und im Anfange des 17. Jahrhunderts. Ob er ein Eingeborener dieser Stadt gewesen, sowie welcher Art sein äußerer Lebensgang war, ist unbekannt, auch sein Geburtsort und Todesjahr sind nicht überliefert. Er war ein Zeitgenosse [417] des Buchdruckers Tobias Jobin (vergl. d.) und übernahm, nachdem diese Officin eingegangen war, unter andern die Herstellung oder den Wiederdruck mehrerer Fischart’scher Werke, deren fast ausschließlichen Druck J. besorgt hatte. Unter diesen Erzeugnissen sind bemerkenswerth der aus zwei Bildern zusammengeklebte Großfolio-Holzschnitt, die Thierbilder im Münster zu Straßburg darstellend mit 224 Versen Fischart’s 1608, „Flöh Hatz, Weiber Tratz …“, 1610, 8°, und des Balthasar Schnurr von Lendsiedel Gedicht: „Der Ameisen- und Mücken-Krieg …“, 1612, 8°. Aber auch noch durch eine ganz besondere typographische Thätigkeit hat K. sich in der Buchdruckergeschichte verewigt dadurch, daß in seiner Officin die erste bis jetzt nachweisbare deutsche Zeitung redigirt und gedruckt wurde. Dies geschah im J. 1609, aber nach dem Eingange des Vorworts zu diesem Jahrgange erfahren wir zugleich, daß er „in Ausfertigung der ordinarii avisa, wie nun etlich Jahr geschehen, zu continuiren vermittelst göttlichen Gnaden bedacht“ ist. Mit diesen Worten erklärt also der Herausgeber, daß er schon seit Jahren Zeitungen veröffentlicht habe und daß dieser Jahrgang nur eine Fortsetzung eines älteren Unternehmens sei; aber ein früherer Jahrgang als 1609 hat sich nicht erhalten. Dagegen ist die Universitätsbibliothek zu Heidelberg im Besitze eines vollständigen und unversehrten Jahrgangs 1609, während eine Nürnberger Zeitung von 1620 die kaiserliche Bibliothek zu Berlin, eine Hildesheimische desselben Jahres das Museum in Hildesheim, und die königliche Bibliothek zu Stockholm bedeutende Ueberreste eines Nürnbergischen und eines Augsburgischen Blattes aus den Jahren 1627–1631 aufbewahren. Der Titel aber dieser bis jetzt ältesten bekannten deutschen Zeitung, einer der größten typographischen Seltenheiten, lautet buchstäblich folgendermaßen, und ich glaube ihn der Wichtigkeit dieses Unicums wegen hier vollständig wiedergeben zu sollen: „Relation aller Fürnemmen vnd gedenckwürdigen Historien, so sich hin vnd wider in Hoch und Nider Teutschland, auch in Franckreich, Italien, Schottland vnd Engelland, Hisspanien, Hungern, Polen, Sibenbürgen, Wallachey, Moldaw, Dürkey etc. Inn diesem 1609. Jahr verlauffen vnd zutragen möchte. Alles auff das trewlichst wie ich solche bekommen vnd zuwegen bringen mag, in Truck verfertigen will“. Die ganze Zeitung füllt einen Quartband von 125 Blättern mit 52 Nummern und aus dem Wortlaute des angeführten Titels ergibt sich, daß derselbe vor der ersten Nummer beigefügt war und nicht, wie es jetzt geschieht, erst mit der letzten Nummer ausgegeben wurde. Im Vorworte unterzeichnet sich der Herausgeber und Drucker „Johann Karolus“ und richtet die Bitte an den Leser, etwaige Versehen, besonders in den Orts- und Personennamen, zu entschuldigen und zu verbessern, rechtfertigt auch diese Bitte mit der Eile, in welcher die Zusammenstellung und Veröffentlichung erfolgen „vnd daß bei der Nacht eilend gefertigt werden mußte“. Die Ueberschrift der ersten Correspondenz jedes Stückes führt sich mit dem Worte „Zeitung“ ein und beginnt das erste Blatt mit den Worten „Zeitung aus Köln, vom 8. Jenner Anno 1609“. Der ganze Jahrgang aber umfaßt Correspondenzen aus 17 Städten und ganz besonders solche aus Italien, wie denn auch aus Venedig in Nummer 37 (4. September) den damaligen Deutschen die erste Kunde über den großen Physiker Galilei (Signor Galileo) und seine Entdeckung des Fernrohres gebracht wurde.

Flögel, Gesch. der Kom. Litteratur III, 350. Wolff, Lectiones memorab. II, 977. Grandidier, Essais histor. sur l’Eglise cathédrale de Strasbourg p. 68. Goedeke, Gr. 2, 388. 389. Opel, Die Anfänge der deutschen Zeitungspresse. 1879.