ADB:Kaufmann, Peter (Bildhauer)

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Artikel „Kaufmann, Peter“ von Jodok Bär in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 15 (1882), S. 474–476, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kaufmann,_Peter_(Bildhauer)&oldid=- (Version vom 16. Juni 2019, 21:11 Uhr UTC)
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Kaufmann: Johann Peter K., großherzoglich weimarischer Hofbildhauer, ein Zeitgenosse, aber nicht, wie fälschlich angenommen wird, ein Verwandter von Angelika Kaufmann, ward am 16. Febr. 1764 in Reute, einer der ältesten Pfarren – 1284 – des inneren Bregenzerwaldes geboren. Seine Eltern waren Kaspar K. und Anna Natter von Mellau, verehelicht am 27. April 1755 und gehörten zu den angesehensten und bei den kleinlichen Verhältnissen wohlhabendsten Familien. Seine Geschwister aus erster Ehe starben frühzeitig, von seinen Stiefgeschwistern aber aus zweiter Ehe seines Vaters mit der Senatorstochter Maria Barbara Feuerstein aus Bizau, lebt noch eine überreiche Nachkommenschaft im inneren Bregenzerwalde. Nach Vollendung des Schulunterrichtes in der dortigen Dorfschule erhielt er die erste Anleitung zur Bildschnitzerei von seinem Vater der neben der Feldwirthschaft gerne mit dieser Kunst sich beschäftigte. Er kam ins Elsaß mit anderen Bregenzerwäldern, die als Stuccateure und Baumeister dort vielfältig Arbeit fanden, und als 18jähriger junger Mann 1782 bis nach Paris, wo er mehrere Jahre in der Holzbildhauerkunst sich vervollkommnete. Hier erregte er die Aufmerksamkeit des Kurfürsten von Baiern, mit dessen Unterstützung er nach Italien reisen konnte, wo er zuerst ein Jahr in Mailand arbeitete, sodann mehrere in seinem Fache berühmte Städte besuchte und endlich auf den Wunsch Angelika’s (1741–1807), welche sich seiner bis zu ihrem Tode hilfreich annahm und ihn in ihrem Testamente bedachte, 1796 nach Rom sich begab. Hier fand er bei Canova (1757–1822) nicht blos weitere Ausbildung, er wurde einer seiner besten Schüler, sondern auch hinreichende Arbeit. Der berühmte Meister blieb sein vorzüglichster Gönner und treuester Freund. Von den Arbeiten, die er in Rom fertigte, geschieht nur von einer Erwähnung, nämlich in Dodwell’s Classischer und topographischer Reise durch Griechenland während der Jahre 1801, 1805 und 1806, deren Uebersetzer und Herausgeber Dr. Fr. L. Sickler im II. Bande, S. 24, wo Dodwell von dem Funde der berühmten Aegineten erzählt, in einer Anmerkung hinzufügt: daß die aufgefundenen, meist zertrümmerten Körpertheile von Josef Franzoni und Ludwig (recte Peter) Kaufmann mit vieler Einsicht wieder vereinigt, manche von ihren äußeren Theilen, die bei den Ausgrabungen nicht aufgefunden wurden, so gut hergestellt und nachgeahmt worden seien, daß man sie von den Originalen kaum unterscheiden könne. In Rom verehelichte sich K. mit Barbara Garzes, einer Spanierin, das Jahr ist nicht zu ermitteln gewesen, die ihm zwei Knaben, Ludwig und Ludwig Kaspar, zufolge eines Briefes an seine Geschwister aus dem J. 1814, ersteren 1800 und letzteren 1810 geboren hat. Beide erbten von ihrem Vater Anlagen zur Kunst. K. verweilte 21 Jahre in Rom, fast ununterbrochen im Atelier Canova’s beschäftigt. Dennoch begegnet man in mehreren Briefen in seine Heimath aus der damaligen, von beständigen Kriegsunruhen unterwühlten Zeit, bitteren Klagen über böse Jahre und Mangel großer Bestellungen von Werken in der Kunst im Allgemeinen, insbesondere aber von solchen in der Plastik. Es erfüllte ihn daher mit großen Freuden und stolzer Hoffnung, als er endlich im Jahre 1816 einen Ruf als Hofbildhauer nach Weimar erhielt, durch Verwendung des Hofrathes und Professors der Historienmalerei Ferdinand Jagemann (1780–1820), der ihn in Rom kennen gelernt hatte. In Weimar, wohin er Anfangs 1817 mit seinen beiden Söhnen gezogen war, erfreute er sich der besonderen Gunst des Großherzogs. Sein erstes Werk war dessen Porträtbüste, deren Modell bereits 1817 vollendet und erst später in Marmor gehauen wurde. Während seines 12jährigen Aufenthaltes in Weimar verweilte er mehrmals auf längere Zeit, so 1819 über ein halbes Jahr in Berlin, um die dort für König Friedrich Wilhelm III. aus Rom angelangten Alterthümer zu ergänzen; dort fand er auch seine alten römischen Freunde wieder, die größten deutschen Bildhauer, Rauch (1777 bis [475] 1857) und Tieck (1776–1851), die auch ihn hochschätzten. Seine theuren Geschwister im langersehnten Heimathland besuchte er seit seiner Abwesenheit vom Vaterhause nur zweimal, 1817 während seiner Uebersiedelung von Rom nach Weimar, dann im August 1823, nahezu 60 Jahre alt. In allen folgenden Briefen spricht sich eine unendliche Sehnsucht nach seiner Heimath aus. Sein einziger Wunsch war, dort die letzten Jahre in Ruhe und Frieden leben zu können. Er fühlte sich verlassen. Seine Gattin konnte er nicht bewegen, nach Deutschland mitzugehen, sie blieb in Rom und überlebte ihn noch zehn Jahre, eine ansehnliche Pension von Weimar genießend. K. starb am 2. August 1829 in einem Alter von 65 Jahren am Schlagflusse, der seiner ungebrochenen Schaffenskraft ein unerwartetes Ende setzte, herbeigeführt in Folge der allzugroßen angestrengten Thätigkeit, die er von Jugend auf zu üben gewohnt war.

Die von K. in Weimar gefertigten und hinterlassenen Werke sind: Mehrere Marmorbüsten des Großherzogs Karl August und der Großfürstin Marie Paulowna (theils im Residenzschloß, theils in der großherzoglichen Bibliothek und im Museum zu Weimar); die lebensgroße Figur von Christus in Gyps in der Garnisonkirche; sechs Sandsteinfiguren am Tempelherrenhause im Park; Büste Wielands; eine Holzschnitzerei in Reliefform, die den Krieg und Frieden symbolisch darstellt (im Audienzzimmer des Schlosses); eine Stuccoarbeit, Fronten am römischen Hause: Ein Genius segnet auf der einen Seite die Ceres, auf der anderen die Minerva; ein Basrelief in Marmor: Jason und Medea darstellend in ¼ Lebensgröße. Außer den genannten drei Werken dürften noch manche in anderen Städten sich befinden. Porträtbüsten berühmter Persönlichkeiten werden ihm noch zwei als von ihm gefertigt zugeschrieben, nämlich die von Goethe und die sehr gelungene von Angelika Kaufmann, die im Pantheon zu Rom, neben jenen der Heroen der Kunst nach ihrem Tode aufgestellt wurde. Da jedoch von einer Goethebüste weder Goethe selbst, der ihn überlebend sicherlich eine Aufzeichnung gemacht hätte, noch Zeitgenossen irgend eine Erwähnung machten, so ist erstere Angabe mit Recht zu bezweifeln. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß die in der Kirche zu Schwarzenberg aufgestellte Marmorbüste, die sehr ähnlich und von natürlicher Größe ist, von Chr. Helwensohn[WS 1] gemeißelt worden ist. Die Porträtbüsten in Weimar, alle im antiken Stile gehalten, sind von idealer Schönheit und können sich mit den schönsten der ersten deutschen Künstler messen. Besonders erfreut die Büste Karl Augusts durch ihre zarte Detailarbeit. Die Christusfigur, in der Stellung und Haltung eines Lehrers, ist durch die Wahrheit und Schönheit des anatomisch durchgebildeten Körpers ausgezeichnet. Sämmtliche Werke erinnern an die Schule Canova’s. Unter den zahlreichen Verehrern war es insbesondere Goethe, der ihn sehr oft in seiner Werkstätte des Besuches würdigte und sich mit ihm in italienischer Sprache unterhielt, die er, und die französische so geläufig als die deutsche sprach; und mit welcher Werthschätzung Goethe über Kaufmann’s Werke dachte, sprechen seine Notizen in den Tag- und Jahresheften von 1816, 1820 und 1821 aus. K. war unzweifelhaft mit einem tüchtigen Talente begabt, das ihn zum Künstler ersten Ranges berechtigte. Er fand jedoch theils wegen Mangels materieller Hülfe, theils wegen Ungunst der Zeitverhältnisse unüberwindliche Schwierigkeiten, das höchste Ziel zu erreichen. Er kam zu spät aus seinem Vaterhause, zu spät, zu wenig ausgerüstet mit Kenntnissen in die große Schule der Welt, er entbehrte der erfahrenen Leitung, die ihn in die große Gesellschaft einführte und mißkannte die Allgewalt des äußeren Scheins. Ohne Unterstützung von seinen Eltern war er stets genöthigt, um seinen Lebensunterhalt zu arbeiten und daher, was sich leicht denken läßt, unter großen Entbehrungen die nöthige akademische Bildung sich eigen zu machen. Das erste Viertel [476] unseres Jahrhunderts war für die Plastik, wie die Geschichte der Denkmäler lehrt, eine trostlose Zeit. Große Bestellungen plastischer Werke waren selten und wurden nur den größten Meistern zu Theil. Während seines Aufenthaltes in Rom hat K. ohne Zweifel manches selbständige Werk, namentlich im Porträtfache geliefert, denn wie hätte er sonst den Ruf nach Weimar erhalten, allein von monumentalen Werken, die er in Rom und Weimar geschaffen, findet man nirgends eine Erwähnung.

Familienbuch der Pfarre Reute, wo Peter Kaufmann als sculptor aulicus eingetragen ist. Bericht des Polizeiamtes Weimar an das Museum in Vorarlberg. Brief von Peter Kaufmann an seine Verwandten im Bregenzerwalde. Neuer Nekrolog der Deutschen, VII. Jahrgang 1829. S. 600. Nr. 272.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Christopher Hewetson (1739–1799)