ADB:Kempen von Fichtenstamm, Johann Franz Freiherr

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Artikel „Kempen von Fichtenstamm, Johann Franz Freiherr“ von Karl Sommeregger in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 51 (1906), S. 110–111, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kempen_von_Fichtenstamm,_Johann_Franz_Freiherr&oldid=- (Version vom 18. August 2019, 19:52 Uhr UTC)
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Kempen: K. von Fichtenstamm, Johann Franz Freiherr von, k. k. Feldzeugmeister, Sohn des im J. 1815 geadelten Rittmeisters Heinrich Kempen v. Fichtenstamm, geboren zu Pardubitz in Böhmen am 26. Juni 1793, trat 1803 in die Theresianische Militärakademie, aus welcher er am 5. Mai 1809 als Fähnrich zum Infanterieregiment Graf Bellegarde Nr. 44 ausgemustert wurde. – Am 1. Juli 1809 zum Unterlieutenant befördert, machte er als solcher 1813 den Feldzug in Deutschland mit und wurde wegen tapferen Benehmens bei Dresden öffentlich gelobt. Am 25. October 1813 avancirte er zum Oberlieutenant und wurde am 23. Juli 1815 zum Generalstab transferirt, in welchem er am 20. Februar 1818 zum Hauptmann vorrückte. Noch am 1. December desselben Jahres zum Infanterieregimente Freiherr v. Wimpffen Nr. 13 übersetzt, leistete er von 1824–1830 die Dienste eines Adjutanten bei dem Chef des Generalstabes Feldmarschalllieutenant Freiherrn v. Wimpffen, avancirte 1830 zum Major im Peterwardeiner-Grenz-Infanterie-Regimente Nr. 9 und wurde am 1. Januar 1833 zum Generalcommando-Adjutanten in Niederösterreich ernannt, welchen wichtigen Posten er mit seltenem Geschicke und mannichfachen Erfolgen versah. In dieser Stellung, in welcher er am 18. August 1834 zum Oberstlieutenant avancirte, war er es, der dem so wichtigen leichteren Pionierdienste in den Regimentern Eingang verschaffte. Am 2. März 1836 wurde er zum Obersten befördert und gleichzeitig zum Commandanten des Infanterieregiments Erzherzog Ludwig Nr. 8 ernannt und steigerte die taktische Ausbildung seines Regiments zu einer solchen Höhe, daß dasselbe bald als Musterregiment in der Armee galt. – Nach seiner Beförderung zum Generalmajor am 27. November 1843 erhielt er zuerst eine Brigade in Italien, 1844 aber in der Militärgrenze zu Petrinia, wo er energisch in die Verwaltung eingriff und insbesondere die Cultur der ausgedehnten Staatsforste in seinen Schutz nahm.

Im J. 1848 commandirte er bei Beginn des ungarischen Feldzuges eine Division im Corps des Banus, machte die Erstürmung der St. Marxer-Linie und das Treffen bei Schwechat mit, wurde am 5. November zum Feldmarschalllieutenant befördert und übernahm das Districtscommando von Preßburg, später aber unter Feldzeugmeister Freiherrn v. Haynau jenes von Ofen und Pest. – Ende 1849 wurde Kempen zur Organisirung der gesammten Landesgendarmerie berufen. Gleichzeitig zum Generalinspector der Gendarmerie ernannt, versah er unter einem die Stelle des Militärgouverneurs von Wien und seit 1. Juni 1852 die Geschäfte des Chefs der obersten Polizeibehörde. – Bei der Gendarmerie bewährte sich das oft dargethane Organisationstalent in derart eminenter Weise, daß innerhalb denkbar geringster Zeit dieses ebenso wichtige als wohlthätige Institut, in allen Theilen gegliedert, seine Wirksamkeit in den Provinzen der Monarchie entfalten konnte. – Seine Majestät der Kaiser lohnte diese ausgezeichneten Verdienste schon 1850 durch die Verleihung der zweiten Inhaberstelle des Infanterieregiments Erzherzog Franz Ferdinand [111] d’Este Nr. 32, 1851 durch die Verleihung der geheimen Rathswürde, 1852 durch den Orden der eisernen Krone I. Classe, welcher Verleihung statutenmäßig im J. 1854 die Erhebung in den Freiherrnstand folgte, und 1859 durch das Großkreuz des Leopold-Ordens. – K. trat am 21. August 1859 als Feldzeugmeister in den Ruhestand. Aber auch auf anderen Gebieten als auf jenem seines ernsten Berufes begegnen wir dem erfolgreichen Wirken Kempen’s. So verdankt die Neustädter Akademie seinen Bemühungen und Anregungen das im J. 1855 hergestellte Kinsky-Denkmal; Znaim und Iglau verdanken ihm die Errichtung humanistischer Wohlthätigkeitsanstalten, zweckmäßiger Bauten, freundlicher Anlagen und schöner Plätze; die Stadt Iglau errichtete ihm selbst ein Denkmal im Stadtparke; viele Stadte wie Wien, Erlau, Debreczin verliehen ihm das Ehrenbürgerrecht.

Freiherr v. K. war auch ein fleißiger Mitarbeiter der von Schels redigierten Militär-Zeitschrift, und viele darin enthaltenen kriegsgeschichtlichen Artikel stammen aus seiner Feder. – Von fremden Monarchen haben ihn der Kaiser von Rußland mit dem weißen Adler-Orden mit den Schwertern, mit dem St. Annen-Orden I. und dem St. Wladimir-Orden IV. Classe, der König von Preußen mit dem rothen Adler-Orden I. Classe, der Herzog von Modena mit dem Estensischen Adler-Orden ausgezeichnet. Er starb zu Schwarzau bei Wiener Neustadt am 29. November 1863 und ist auf dem Akademiekirchhofe begraben.

Acten des k. und k. Kriegs-Archivs. – Svoboda, Theresianische Militär-Akademie. – Oesterreichischer Soldatenfreund 1854.