ADB:Kilian, Hermann Friedrich

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Artikel „Kilian, Hermann Friedrich“ von Karl von Hecker in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 15 (1882), S. 739–740, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kilian,_Hermann_Friedrich&oldid=- (Version vom 19. Juli 2019, 12:39 Uhr UTC)
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Kilian: Hermann Friedrich K., ord. ö. Professor der Gynäkologie in Bonn, geb. den 5. Febr. 1800 in Leipzig, † den 7. Aug. 1863 im Bade Liebenstein. Er stammt aus der Künstler- und Kupferstecherfamilie gleichen Namens in Augsburg, deren meiste Blätter sich in den Kupferstichsammlungen Münchens und Dresdens befinden. Sein Vater war Konrad Joach. Kilian, geb. 1771, † 1811, der eigentliche Systematiker unter den naturphilosophischen Aerzten, Docent in Jena, Würzburg, Leipzig, Professor und baierischer Medicinalrath in Bamberg, dann consultirender Leibarzt Kaiser Alexander I. von Rußland, auf dessen Ruf hin er 1809 nach St. Petersburg übersiedelte. Von 1810–1816 besuchte der junge K. die deutsche Hauptschule in Petersburg. Trotz seiner großen Jugend wurden in dem vom Staatsrath J. Ph. Weiße vom 28. Febr. 1816 ihm ertheilten Entlassungszeugnisse seine großen Fähigkeiten, sein unermüdlicher Fleiß und sein musterhaftes Betragen besonders gerühmt. Vom 25. Septbr. 1816 bis zum Juli 1817 studirte er in Wilna, wo damals Josef Frank lehrte, dann bis zum Herbst 1818 in Leipzig, hierauf bis zum October 1819 in Würzburg. Nachdem er vom Januar bis März 1820 in Göttingen verweilt, ging er über Holland nach London und Edinburgh. Hier erwarb er am 1. August 1820 die Doctorwürde, nachdem er eine Inauguraldissertation „De nervi glossopharyngei origine“ geschrieben hatte. Die letzten Monate des Jahres brachte er in London zu, wo ihn Abernethy besonders anzog, mit dem er auch zu gemeinschaftlicher Arbeit sich verband. Dann ging er zu seiner weiteren Asbildung nach Paris, im J. 1821 auch nach Straßburg, München, Wien, Pest und gegen Ende des Jahres zurück nach St. Petersburg, wo er an der medicinischen Akademie als Professor, Adjunct der Chemie, später der Physiologie und Pathologie und als Arzt beim Artilleriehospital angestellt wurde und bis 1828 verblieb. Hierauf wandte er sich nach Deutschland zurück und lebte eine Zeit lang mit litterarischen Arbeiten beschäftigt in Mannheim, Heidelberg und Berlin. Im J. 1828 erhielt er einen Ruf als außerordentlicher Professor nach Bonn, und wurde dort schon 1831 zum Ordinarius für Geburtshülfe befördert; einen an ihn im J. 1842 ergangenen Ruf nach St. Petersburg zur Uebernahme der Direction des geburtshülflichen und Hebammeninstitutes, beide unter der Protection der Großfürstin Helene stehend, lehnte er ab. Mit besonderer Liebe und großem Erfolge widmete [740] er sich dem klinischen Unterrichte als Director der mit der Universität Bonn verbundenen, geburtshülflichen Anstalt, vergeblich die Errichtung einer gynäkologischen Klinik, die er zur Erweiterung seiner Lehrthätigkeit für dringend nothwendig hielt, mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln anstrebend. Er starb am 7. August 1863 im Bade Liebenstein unerwartet schnell, nachdem allerdings die Gesundheit des ungewöhnlich kräftigen und lebensvollen Mannes seit einigen Monaten erschüttert zu sein schien. Seine litterarische Thätigkeit begann er sehr früh, und brachte sie auf einen beträchtlichen Umfang. Die namhaftesten Werke seines Specialfaches sind folgende: „Die regelwidrigen Geburten und ihre Behandlung, von Dr. Samuel Merriman, aus dem Engl.“, Mannheim 1826; „Ueber den Kreislauf des Blutes im Kinde, welches noch nicht geathmet hat“. Mit 10 Tafeln, Karlsruhe 1826; „Beiträge zu einer genaueren Kenntniß der allgemeinen Knochenerweichung der Frauen und ihres Einflusses auf das Becken“, Bonn 1829; „Operationslehre für Geburtshelfer“, in 2 Theilen, Bonn 1834, 2. Aufl. Bonn 1849–56; „Drei glückliche Kaiserschnittsfälle“, Hannover 1839; „Handbuch der Geburtshülfe mit Inbegriff der Weiber- und Kinderkrankheiten, von J. Burns, nach der 8. Auflage herausgegeben“, Bonn 1834; „Die Geburtslehre von Seiten der Wissenschaft und Kunst“, 2 Bände, 1839–42. 2. Aufl. 1847–50; „Ueber geburtshülfliches Studium“, Bonn 1846; „Das Elythromochlion als einfachstes Mittel, um den Vorfall der Gebärmutter in seiner gewöhnlichen Form leicht und schmerzlos zu heben“, Bonn 1846; „Schilderungen neuer Beckenformen und ihres Verhaltens im Leben“. Mit 9 Tafeln, Mannheim 1854; „Das halisteretische Becken in seiner Weichheit und Dehnbarkeit während der Geburt“, Bonn 1857; „Geburtshülflicher Atlas“, Düsseldorf 1835–1849; „Armamentarium Lucinae novum“, Bonn 1856.