ADB:Kircher, Ernst Wilhelm Gottlieb

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Artikel „Kircher, Ernst Wilhelm Gottlieb“ von Jakob Franck in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 16 (1882), S. 4–6, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kircher,_Ernst_Wilhelm_Gottlieb&oldid=- (Version vom 25. Juni 2019, 14:33 Uhr UTC)
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Kircher: Ernst Wilhelm Gottlieb K., Buchdrucker zu Braunschweig und Goslar. Im J. 1628 war die älteste durch Johannes Vogt (dessen Insigne vom J. 1607 bei Grotefend, Taf. VI) 1604 zu Goslar eingerichtete Buchdruckerei an Andreas Duncker, Sohn des Gerichtsvogts und gleichnamigen Buchdruckers zu Braunschweig (verschiedener Abkunft ist Karl Duncker, Buchhändler zu Berlin, Bd. V, 467 ff.) übergegangen, welcher die Tochter des ersteren geheirathet hatte und ihm folgten seine Erben bis zum 14. Juli 1783, wo Friederike Katharina Wilhelmine Duncker dem Buchdrucker E. W. G. K. Hand und Geschäft überließ. Dieser, geb. den 25. September 1758 zu Gernrode im Anhalt-Bernburgischen als der Sohn eines Cantors und mit sehr guten Schulkenntnissen ausgerüstet, hob nicht nur durch seine Thätigkeit und Umsicht die unter seinen Vorgängern stark in Verfall gerathene Duncker’sche Druckerei, sondern legte auch 1787 zu Eimbeck eine Filiale an. Allein noch in demselben Jahre (8. November 1787) zog er auf den dringenden Wunsch des Schulraths Joach. Heinr. Campe zu Braunschweig (Bd. III, 735–36), welcher mit seiner 1787 erkauften Schulbuchhandlung [5] eine Buchdruckerei verbinden wollte, nach Braunschweig, richtete hier die neue Schulbuchhandlungs-Druckerei ein und stand derselben als Dirigent bis zum J. 1790 vor. In diesem Jahre nahm er dieselbe für eigene Rechnung in Pacht und den 8. November 1794 kaufte er sie in der Absicht an, sie mit seiner Goslar’schen Druckerei zu vereinigen. Dieser Plan wurde jedoch durch den Herzog von Braunschweig vereitelt, der es Campe sehr ungnädig aufnahm, daß ein Geschäft, dem er so viel Vorschub gethan, durch den Verkauf an K. außer Landes geschickt werden sollte und Campe vermochte nun den ersteren, die Druckerei in Braunschweig zu belassen. K. selbst blieb jedoch noch in Braunschweig, bis die Gründung der Culemann’schen Druckerei in Königslutter, von welcher er eine Schmälerung seiner Arbeiten für die Schulbuchhandlung fürchtete, sowie die Uebernahme der letzteren von Seiten des Buchhändlers Friedrich Vieweg ihn trotz der gnädigsten Anerbietungen des Herzogs bestimmten, 1799 seine Druckerei an Vieweg zu verkaufen und in der Woche vor Pfingsten desselben Jahres wieder nach Goslar zurückzukehren. In Braunschweig hatte auch eine andere Buchdruckerei unter seiner speciellen Leitung gestanden, wofür ihm ein jährliches Fixum von 400 Thalern zugesichert war. Es war dies eine von dem Marquis de Maisonfort mit Unterstützung des Herzogs Karl Wilhelm Ferdinand gegründete „Französische Buchdruckerei“, deren Zweck war, der französischen Revolution entgegen zu arbeiten und die Sache der Emigrirten zu fördern. Als aber K. nach Goslar zog, ging dieselbe durch mehrere Hände und wurde zuletzt 1827 Eigenthum von Fr. Vieweg und Johann Heinrich Meyer in Braunschweig. In Goslar hatte K. schon früher die ihm von dieser Stadt ertheilte Concession zur Anlegung einer Spielkartenfabrik benutzt, welche er nun seinem Bruder Konrad, der als Inhaber der Filiale zu Eimbeck dort sein Auskommen nicht mehr finden konnte, überließ. Die ihm vom Goslar’schen Rathe gleichfalls ertheilte Concession zum Betriebe einer Schriftgießerei trat er jedoch an den nachmals berühmten Stempelschneider Walbaum ab, der indeß schon nach sechs Jahren seinen Wohnsitz nach Weimar verlegte. Dafür vergrößerte und erweiterte K. seine Druckerei und verschaffte derselben einen bedeutenden Ruf nicht nur durch die bei ihm gedruckten Bücher, sondern auch durch seine eigene 1793 erschienene „Anweisung in der Buchdruckerkunst, zum Unterricht für Drucker und Lehrlinge“, auch gründete er das Goslar’sche Wochenblatt, legte eine Verlagsbuchhandlung an, die jedoch bald wieder einging und besorgte die Herausgabe der Monatsschrift „Der Bergmann mit der Zither“. Im J. 1820 nahm er seinen Sohn Joh. Friedr. Gottfr. K., geb. zu Braunschweig den 29. Juli 1794, den er selbst in der Buchdruckerkunst unterrichtet und der mehrere Jahre hindurch in den bedeutendsten Officinen des Auslandes sich weiter ausgebildet hatte, als Compagnon an und bediente sich deshalb seitdem der Firma „Kircher & Sohn.“ Im J. 1824 überließ er dem letzteren gegen Zusage freier Wohnung und Beköstigung das ganze Geschäft zu alleiniger Disposition und reservirte sich blos, außer seiner vom Könige von Preußen ihm, als Goslar’schem Rathsbuchdrucker, bewilligten Pension, noch die Redaction und den Verlag des Wochenblattes, das ihm der Sohn unentgeltlich drucken mußte. Gewohnt jedoch an größere Thätigkeit, versuchte er sich nun auch in der Kunst des Steindrucks, erbaute sich eine Presse und erlangte von Seiten der königlichen Berghauptmannschaft zu Clausthal die Concession zur Anlegung einer Steindruckerei in Clausthal unter der Firma „E. W. G. Kircher & W. Schöpf“, die indeß wegen bald darauf entstandener Mißhelligkeiten mit dem letzteren, seinem Schwiegersohne, keine große Ausdehnung gewann. Joh. Fr. Gottfr. K. aber erweiterte und verbesserte die väterliche Buchdruckerei aufs Neue und belebte ihren Geschäftsgang durch Herbeiziehung auswärtiger Arbeiten. Als aber sein Schwiegervater, der Buchhändler [6] J. D. Gerstenberg zu Hildesheim, ihn aufforderte, die von ihm gepachtete Waisenhaus-Buchdruckerei auf seine Kosten neu einzurichten und dann deren Direction zu übernehmen, verkaufte er mit Zustimmung seines Vaters den 20. Juli 1827 die Buchdruckerei zu Goslar an den aus Römhild gebürtigen Buchdrucker Wolrad Philipp Brückner. Der ältere K. starb erst den 22. August 1830 zu Goslar, der jüngere dagegen betrieb die Druckerei zu Hildesheim noch im J. 1840 mit Umsicht und Thätigkeit.

Grotefend, Gesch. d. Buchdruckereien in Hannover und Braunschweig, Bl. 27–28, 51.