ADB:Kittlitz, Heinrich Freiherr von

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Artikel „Kittlitz, Friedrich Heinrich Freiherr v.“ von Wilhelm Stricker in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 16 (1882), S. 46–47, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kittlitz,_Heinrich_Freiherr_von&oldid=- (Version vom 25. Juni 2019, 12:32 Uhr UTC)
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Kittlitz: Friedrich Heinrich Freiherr v. K., geb. am 16. Februar 1799 zu Breslau, † am 10. April 1874 zu Mainz. Er war der Sohn eines preußischen Hauptmanns, seine Mutter war die Schwester des russischen Feldmarschalls Grafen Diebitsch Sabalkanski. K. zeichnete sich schon in der Kindheit durch Talent zum Zeichnen aus. Er besuchte das Gymnasium zu Oels und trat als Secundaner 1813 als Freiwilliger bei dem von seinem Vater commandirten Landwehrbataillon ein. Am 22. November 1813 wurde er Secondelieutenant bei dem 16. schlesischen Infanterieregiment. Er machte indeß von kriegerischen Actionen nur die Blokade von Glogau mit. Im J. 1815 marschirte er mit in Paris ein. Bei Auflösung der Landwehrregimenter wurde er im 34. Linienregiment angestellt und kam nach Mainz in Garnison. 1819 wurde er Premierlieutenant. Sein großes Interesse für Naturgeschichte, insbesondere für Ornithologie, welches er schon in Schlesien bethätigt hatte, veranlaßte ihn, als sich eine Gelegenheit zu einer wissenschaftlichen Reise bot, seinen Abschied zu nehmen, welcher ihm am 26. November 1825 als Hauptmann bewilligt wurde. Auf Fürsprache von dem Prinzen Karl von Preußen und von Kittlitz’ Onkel, v. Diebitsch, wurde er als Naturforscher, speciell Ornithologe, auf der russischen Corvette Senjawin angestellt, welche unter dem Befehl des Capitäns, späteren Admirals v. Lütke in drei Jahren eine Erdumsegelung vollzog. Im Juni 1826 reiste K. mit dem Prinzen Karl nach St. Petersburg, am 1. September verließ die Corvette den Hafen. Die Reise berührte Tenerifa (14. November), Rio de Janeiro (Januar 1827), dann wurde Cap Horn umsegelt (Februar), die Küstenfahrt bis Valparaiso unternommen (27. März), am 15. April 1827 die Reise durch den Stillen Ocean angetreten, die Ankunft im Norfolk-Sund erfolgte am 24. Juni. In Neu-Archangel, der Bai von Sitka, auf den Aleuten und in Peter-Paulshafen verweilte die Expedition bis zum 31. October und setzte dann die Reise nach Süden fort, nach den Karolinen- und Boninsinseln. Am 9. Juni 1828 kehrten sie nach dem Peter-Paulshafen in Kamtschatka zurück. Kamtschatka wurde unter Mühen und Gefahren aufs Genaueste erforscht bis zum 10. November, wo der Senjawin den Hafen verließ. Ueber die Karolinen und Philippinen, St. Helena und die Azoren kehrte die Corvette nach Europa zurück; sie landete am 12. Juni 1829 in Havre. Leider kam K. sehr spät dazu, seine Reisebeschreibung herauszugeben, das Buch fand daher nicht die Beachtung, die es verdient hätte. Es erschien, mit vielen Illustrationen, von ihm selbst radirt oder nach seinen Zeichnungen in Holz geschnitten, erst 1858 unter dem Titel: „Denkwürdigkeiten einer Reise nach dem russischen Amerika, nach Mikronesien und durch Kamtschatka.“ 2 Bde. Gotha, J. Perthes, 1858. Seine zoologischen Entdeckungen und Beobachtungen veröffentlichte K. sogleich nach der Rückkehr in Fachzeitschriften: Denkschriften der Petersburger Akademie, Museum Senckenbergianum, Isis, Institut (im Einzelnen von mir verzeichnet: „Der zoologische Garten“, 1874, S. 199). K. hatte das Mißgeschick, wegen einer Erkrankung nicht beim Empfang der sämmtlichen Mitglieder der Expedition durch den Kaiser [47] Nikolaus anwesend zu sein und in Folge davon der erheblichen Belohnungen verlustig zu gehen, welche den übrigen Theilnehmern bewilligt wurden. Nur das wurde ihm zu Theil, daß er durch Beschluß der k. russischen Akademie der Wissenschaften bis zum Abschluß seiner Arbeiten und Ordnen seiner Sammlungen mit einem Jahresgehalt von 2500 Rubel angestellt wurde. – Da alle seine Versuche, die ihm zustehenden Competenzen zu erhalten, scheiterten, so kehrte er nach Deutschland, zunächst nach Frankfurt a./M., zurück. Hier schloß er sich der Reise Eduard Rüppel’s nach Abyssinien an, schiffte sich Anfangs 1831 in Marseille nach Alexandria ein, reiste von da nach Kairo und fuhr den Nil hinauf, erkrankte aber derart am Fieber, daß er nach Europa zurückkehren mußte. – Von 1832–45 lebte er in Köln und arbeitete dort an seinem Hauptwerk, den „Vegetations-Ansichten von Küstenländern und Inseln des stillen Oceans“ (Wiesbaden 1844 ff.). Dieses durch Fleiß wie Genialität gleich bewunderungswürdige Werk, welches Alex. v. Humboldt und Schleiden mit größtem Lobe erwähnen, zeigt dem Künstler, wie er malerische Wirkung erreichen kann, ohne die Einzelheiten der Pflanzen zu opfern. Freilich war selten in einem Manne der Künstler und der Gelehrte so vereinigt, wie in K. Eine in England veranstaltete photographische Nachbildung hat den Erfolg von Kittlitz’ mühevoller Arbeit sehr beeinträchtigt. Nachdem K. sich 1844 verheirathet, lebte er von 1845–48 in Berlin, dann kurze Zeit in Wiesbaden und kehrte 1849 nach Mainz zurück, wo er an neuen Kupferwerken: „Vegetationsansichten aus den westlichen Sudeten“ (1854) und „Naturscenen aus Kamtschatka“ arbeitete, auch das oben erwähnte Reisewerk herausgab. Er hielt wissenschaftliche Vorträge in Mainz und Frankfurt und beschäftigte sich in seiner letzten Lebenszeit viel mit ästhetischen und philosophischen Studien. Er überlebte seine Frau und hinterließ drei Kinder, zwei Söhne, beide Offiziere, und eine Tochter. – K. war ein durchaus liebenswürdiger Charakter, aber zu Geschäften hatte er gar keine Anlage. Dieser Mangel, von Ehrenhaftigkeit und übertriebener Gewissenhaftigkeit herrührend, hat es ihm nicht vergönnt, die Früchte seiner Talente und Kenntnisse und seiner vielseitigen Bestrebungen gebührend zu ernten. In Folge davon sind auch manche seiner Werke unvollendet geblieben.

Nach Familien-Nachrichten.