ADB:Klefeker, Bernhard

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Klefeker, Bernhard“ von Julius August Wagenmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 16 (1882), S. 74–76, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Klefeker,_Bernhard&oldid=- (Version vom 26. Juni 2019, 00:37 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Klefeker, Johann
Band 16 (1882), S. 74–76 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Bernhard Klefeker in der Wikipedia
GND-Nummer 117523135
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|16|74|76|Klefeker, Bernhard|Julius August Wagenmann|ADB:Klefeker, Bernhard}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=117523135}}    

Klefeker: Bernhard K., lutherischer Prediger und homiletischer Schriftsteller des 18.–19. Jahrhunderts, geb. den 12. Januar 1760 zu Hamburg, † den 10. Juni 1825 in Leipzig. – Aus einer angesehenen und wohlhabenden Hamburger Familie abstammend, Sohn eines Kämmereischreibers gleichen Namens, genoß er eine sorgfältige Erziehung und erhielt eine gründliche Vorbildung erst auf dem Johanneum, wo Director J. M. Müller und Conrector A. Lichtenstein aus Helmstädt seine Lehrer waren, dann auf dem akademischen Gymnasium seiner Vaterstadt, wo er mit Lorenz Cropp (später Prediger in Moorburg) einen [75] innigen Freundschaftsbund schloß. Er studirte mit ihm und anderen seiner Landsleute 1779–82 in Leipzig unter Platner, Ernesti, Morus u. A. Philosophie und Theologie und bildete sein früh sich zeigendes homiletisches Talent besonders durch fleißigen Besuch der Predigten Zollikofer’s. Nach wohlbestandener Prüfung wurde er 1782 Candidatus ministerii, 1785 Katechet am Spinnhaus in Hamburg, folgte aber 1791, weil sich für ihn lange keine definitive Anstellung im heimischen Kirchendienst fand, einem Ruf nach Osnabrück als Prediger an der Katharinenkirche. Von da kehrte er 1795 nach Hamburg zurück, wo er als Diakonus, seit 1802 als Hauptpastor zu St. Jakobi und Scholarch eine sehr umfassende, angestrengte und befriedigende Wirksamkeit in Predigtamt, Seelsorge und litterarischer Thätigkeit übte, aber auch, besonders während der französischen Occupation 1810 ff. und während des Belagerungszustands 1813–14, schwere Zeiten der Drangsal mit seiner Gemeinde und seinen Mitbürgern durchzumachen hatte. Aus Anlaß des Reformationsjubiläums 1817 erhielt er die theologische Doctorwürde von Jena und feierte 1820 noch in voller Gesundheit und Rüstigkeit sein 25jähriges Amtsjubiläum. Bald nachher aber fühlte er eine Abnahme seiner Kräfte und sah sich im Mai 1825, nachdem er am Sonntag Exaudi seine letzte Predigt gehalten, genöthigt, in Karlsbad Hülfe für sein Leiden zu suchen. Bevor er sein Reiseziel erreicht, erkrankte er in Leipzig und fand hier, fern von seiner Vaterstadt und Gemeinde, seine Grabstätte neben derjenigen des von ihm hochverehrten theologischen Lehrers Morus (s. die mehrfach gedruckte, von Pölitz sogar in seine 1827 erschienene Mustersammlung aufgenommene Grabrede des Archidiakonus Dr. Goldhorn). – K. genoß als Mensch, Prediger und Seelsorger durch seine Humanität, Liberalität und amtliche Gravität allgemeine Achtung. Sein theologischer Standpunkt war der des damals herrschenden Rationalismus; daher es auch kein Wunder, daß er am Abend seines Lebens in die mit den Befreiungskriegen und den Harmsischen Thesen (1817) beginnende Neugestaltung der protestantischen Theologie sich nicht mehr hineinfinden konnte. Er selbst sieht in der jüngeren Theologengeneration (1825) „Leute, die in dem Helldunkel mystischer Phrasen und in der wieder aufgewärmten Systemweisheit ihr Heil suchen oder an leerem Wortgeklingel Geschmack und Freude finden“, während sie auf ihn und andere „im Vernunftgebrauch ergraute Männer“ als auf solche herabsehen, „welche einer schnell veralteten Zeit angehören, die schon anfange, kindisch zu werden“. Während die Einen ihn mit Herder und Niemeyer zusammenstellten, nannten ihn Andere (wegen seiner starken Stimme) den „Stabstrompeter des Rationalismus“ (buccinator cohortis rat.). Er selbst aber wollte entschiedener Vernunfttheologe sein und hielt den Namen eines Rationalisten für einen Ehrennamen, indem er den höchsten Beruf des „Kanzelredners“ darin erkennt, „durch den Verstand zum Herzen“ zu reden. – Diesen Standpunkt des „vulgären Rationalismus“ zeigen auch seine zahlreichen Schriften, die fast alle dem Gebiet der praktischen Theologie, der populären Schriftauslegung und besonders der Homiletik angehören, z. B. „Predigten und religiöse Vorträge“, 1794 und 1806, 2 Bde.; „Gethsemane, für Freunde einer vernünftigen religiösen Unterhaltung“, 1797, 1815; „Homiletisches Ideen-Magazin“ in 8 Bden., 1809–19; „Materialien zu Kanzel- und Altarvorträgen“; „Praktische Vorlesungen über das Neue Testament“, 1811–12; „Predigten bei besonderen Veranlassungen und mit Rücksicht auf andere Zeitverhältnisse gehalten“, 1816; „Des christlichen Predigers Beruf und Befugniß“, 1818; „Die lichtvolle Behandlung der Religionswahrheiten“, 1822 etc.; ferner zahlreiche Beiträge zur Halleschen Allgem. Litt.-Ztg., zu Seebode’s Krit. Bibl., zur Allg. K.-Ztg.

[76] Wiener, Theol. Handbuch; Meusel, Gel. Teutschland; bes. aber C. Müller in Schmidt’s N. Nekrolog der Deutschen, Jahrgang III, 1827, S. 667 ff., wo auch ein ausführliches Verzeichniß seiner Schriften.