ADB:Krüger, Georg Wilhelm

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Artikel „Krüger, Georg Wilhelm“ von Joseph Kürschner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 17 (1883), S. 229–230, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kr%C3%BCger,_Georg_Wilhelm&oldid=- (Version vom 23. September 2019, 21:20 Uhr UTC)
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Krüger: Georg Wilhelm K., Schauspieler, geb. am 15. Februar 1791 zu Berlin, erhenkte sich am 4. März 1841 zu Mannheim. Dem Handwerkerstande entstammend sollte K. selbst Handwerker werden und ein Gewerbe erlernen, aber die Lust zur Bühne trieb ihn von der Heimath fort, wo man ihn in einen anderen Beruf drängen wollte als zu dem, dem sein Herz gehörte. In Stendal machte er seinen ersten theatralischen Versuch, übte sich dann noch auf verschiedenen anderen kleinen Bühnen und ließ sich 1812 am Hoftheater zu Neustrelitz anwerben, wo er als jugendlicher Liebhaber aufmunternden Beifall erhielt. Im August 1815 ging er ans Hamburger Stadttheater, heirathete die Sängerin Aschenbrenner und gastirte mit dieser 1816 in Hannover, Frankfurt a. M., Mannheim und Darmstadt, wo er nunmehr ein bis 1819 währendes Engagement am Hoftheater annahm. Nachdem er 1819 kurze Zeit Mitglied des Mannheimer Theaters gewesen war, auch in Karlsruhe, Stuttgart und Frankfurt a. M. gastirt hatte, folgte er einem Ruf an das Hoftheater in Berlin, auf dem er schon 1818 als Gast aufgetreten war und nun am 13. September 1819 als „Sigismund“ (Das Leben ein Traum), am 16. September als „Graf Werthen“ (Beschämte Eifersucht) und „Pfifferling“ (Der Schauspieler wider Willen), dann als „Don Carlos“ debutirte. Zunächst begegnen wir dem Darsteller an der Berliner Hofbühne als Liebhaber und jugendlichem Helden, nach P. A. Wolff’s Tod auch in Rollen wie „Hamlet“, „Orest“, „Posa“, „Tasso“, „Don Manuel“ (Braut von Messina) etc., zu denen nach dem Ableben Rebenstein’s auch noch Partieen wie „Don Carlos“, „König Enzio“ u. A. kamen. Der Erfolg, den er in Berlin fand, begleitete ihn auch auf seinen Gastspielreisen, unter denen ihn eine im J. 1833 nach Petersburg führte, wo ihn ein böses Geschick in Gestalt eines Nervenleidens traf, das seinen Geist verdüsterte und ihn zu einem finsteren Hypochonder machte. Er mußte eine Zeit lang der Bühne fern bleiben, betrat sie dann wieder in Berlin am 2. December 1833 als schwedischer Hauptmann im Wallenstein und wirkte nun an dem preußischen Hoftheater bis zum 3. August 1837. Ein Gastspiel, welches er um diese Zeit in Wien unternahm, mußte er wegen eines neuen Krankheitsanfalles unterbrechen, der ihn auch zwang sich in Berlin pensioniren zu lassen. Nach einem Aufenthalt in Weimar siedelte K. nach Mannheim über und hier glückte ihm 1841 der Selbstmordversuch, an dessen erfolgreicher Ausführung ihn in Wien nur die Entschlossenheit seiner Tochter gehindert hatte. Seine Ehe mit der Sängerin Aschenbrenner hatte K. schon 1819 in Darmstadt gelöst und sich 1822 in Berlin mit Wilhelmine Meyen vermählt. Zwei Kinder von ihm, Klara und Eduard, gingen ebenfalls zur Bühne. K. war ein tüchtiger Charakterdarsteller und vollendeter Declamator, dem Goethe am 31. März 1827 ein Prachtexemplar seiner Iphigenie mit folgendem an K. gerichteten Gedicht und der Widmung „Herrn Krüger, dem bewunderungswürdigen Orest“ überreichen ließ:

[230]

 Dem trefflichen Darsteller des Orest.
  Was der Dichter diesem Bande
  Glaubend, hoffend, anvertraut,
  Werd’ im Kreise deutscher Lande
  Durch des Künstlers Wirken laut!
  So im Handeln, so im Sprechen
  Liebevoll verkünd’ er weit:
  Alle menschlichen Gebrechen
  Sühnet reine Menschlichkeit.

K., der sich einige Mal auch als Sänger nicht ohne Beifall hat hören lassen, besaß ein schönes und kräftiges Organ, sein Spiel war voll Feuer und Energie und zeigte den höchsten Aufwand subjectiver Kraft. Eine gewisse Manier, die geistvollerer Charakteristik Abbruch that, entstand bei ihm „aus dem Ringen nach plastischer Ruhe und Beschränkung“.