ADB:Krieger, Johann Philipp

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Artikel „Krieger, Johann Philipp“ von Philipp Spitta in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 17 (1883), S. 458–459, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Krieger,_Johann_Philipp&oldid=- (Version vom 21. August 2019, 23:11 Uhr UTC)
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Krieger *): Johann Philipp K., älterer Bruder von Johann K., ist den 26. Februar 1649 zu Nürnberg geboren. Den ersten Clavierunterricht erhielt er durch Johann Drechsel, einen Schüler Froberger’s. In seinem 16. Jahre kam er zu dem Kammerorganisten Johann Schröder nach Kopenhagen und war fünf Jahre hindurch dessen Stellvertreter im Dienst an der deutschen Kirche zu St. Peter. Während dieser Zeit unterwies ihn der Kapellmeister Caspar Förster in der Composition. König Friedrich III., der Krieger’s Talenten Beachtung schenkte, wollte ihn in Kopenhagen fesseln. Doch wünschten Krieger’s Eltern seine Rückkehr, die um 1670 erfolgte. Von Nürnberg wurde er nach Baireuth gezogen, dort zum markgräflichen Kammerorganisten und bald darauf zum Kapellmeister gemacht. 1672 erhielt er Urlaub zu einer Studienreise nach Italien. Er ging zunächst nach Venedig und studirte bei Rosenmüller Composition; in Rom nahm er den zweiten längeren Aufenthalt und wurde Abbatini’s und Pasquini’s Schüler in der Composition und im Clavierspiel. Von da begab er sich nach Neapel und kehrte über Rom, Venedig (wo er wiederum zu Studienzwecken länger verweilte) nach Deutschland zurück. In Wien erhob ihn Kaiser Leopold in Anerkennung seiner Kunstfertigkeit in den Adelsstand. K. nahm nun in Baireuth seinen verlassenen Posten zwar wieder ein, doch nur für kurze Zeit. Nachdem ihm die erbetene Entlassung gewährt worden war, scheint er eine Weile auf Reisen innerhalb Deutschlands zugebracht zu haben. Am 12. December 1677 ernannte ihn der zu Halle residirende Administrator des Erzstifts Magdeburg, Herzog August von Sachsen, zum Kammermusikus und Kammerorganisten mit 230 Thalern Gehalt. Es ist K. augenscheinlich schwer geworden in diese verhältnißmäßig untergeordnete Stellung einzutreten. Er bat, ihn direct vom Herzog abhängen zu lassen, da er dem Kapellmeister David Pohle nicht untergeben sein wolle; er berief sich auf sein „durch mühsames Reisen und unermüdeten Fleiß erlangtes Renommé“ und auch darauf, daß er schon beim Markgrafen von Baireuth als Kapellmeister gedient habe. Aber seine Verhältnisse müssen wol zwingend gewesen sein, denn als man auf seine Wünsche nicht einging, fügte er sich. Unter dem 12. Februar 1679 wurde er übrigens schon zum Vicekapellmeister ernannt mit einem Gehalte von 500 Thalern. K. ist im Dienste dieses Fürstenhauses, der nachherigen Sachsen-Weißenfelsischen Linie, sein Leben lang verblieben. Am 18. März 1712 rückte er zum wirklichen Kapellmeister auf; zu gleicher Zeit wurde sein Sohn Johann Gotthilf Kammermusikus und Kammerorganist. Er war auch beim Herzog Christian von Sachsen-Gotha [459] zu Eisenberg Kapellmeister „von Haus aus“. Den 6. Februar 1725 ist er gestorben. Die Compositionen, welche K. herausgegeben hat, sind zum Theil Kammertrio’s für Streichinstrumente und Baß, zum Theil Suiten für drei Oboen und Fagott, vorzugsweise den damaligen Militärorchestern bestimmt („Lustige Feldmusik“, Nürnberg, Endter, 1704), theils weltliche und kirchliche Sologesangstücke. Seine Thätigkeit erstreckte sich aber auch auf die Oper und die vielstimmige Kirchenmusik. Man weiß von sechs Opern, die er zum Theil für den braunschweigischen Hof geschrieben hat. Zuverlässig hat er aber deren viel mehr componirt, da auch am Hofe zu Weißenfels während seiner Zeit die Oper mit Vorliebe gepflegt wurde. Als Kirchencomponist ist er zunächst deshalb von Bedeutung, weil er den Anstoß für Erdmann Neumeister’s madrigalische Cantatendichtungen gab, die eine neue Form protestantischer Kirchenmusik begründeten. Neumeister selbst stellte ihn im J. 1700 über alle anderen damals lebenden Kirchencomponisten. Eine ziemlich beträchtliche Anzahl seiner Kirchencompositionen bewahrt in Handschriften die königliche Bibliothek zu Berlin. In allen Werken, die vorliegen, zeigt er sich als ein mit bedeutender eigner Erfindungskraft begabter, technisch sehr gewandter und vielseitiger Tonsetzer. Aber noch ist das Material zu lückenhaft, um ein einigermaßen sicheres Bild dieses ausgezeichneten Tonmeisters zu zeichnen, auf den Mattheson noch im J. 1740 den Spruch aus Jesus Sirach 39 anwandte: „Dieweil er lebet hat er einen größeren Namen denn andere tausend, und nach seinem Tode bleibet ihm derselbe Name.“

Acten des sächsischen Staatsarchivs zu Dresden. – Mattheson, Ehrenpforte. – Spitta, J. S. Bach I, S. 467.

[458] *) Zu S. 165.