ADB:Kruse, Wichmann

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Kruse, Wichman“ von Theodor Pyl in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 17 (1883), S. 268–269, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kruse,_Wichmann&oldid=- (Version vom 22. August 2019, 22:43 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 17 (1883), S. 268–269 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Wichmann Kruse in der Wikipedia
GND-Nummer 136563821
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|17|268|269|Kruse, Wichman|Theodor Pyl|ADB:Kruse, Wichmann}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=136563821}}    

Kruse: Wichman K., 1464 in Stralsund geboren, studirte seit 1481 in Greifswald, wurde 1486 Magister, erwarb 1495 und 1499 die Grade eines Baccalaureus und Licentiaten des canonischen Rechts und lehrte bis zum J. 1501 in der Artistenfacultät, in welcher er sieben Mal das Decanat führte. Schon 1491 zum Priester geweiht, wurde er, nachdem er 1501 und 1502 die theologischen Würden erlangt hatte, 1515 Doctor der Theologie, Canonicus an der [269] Marienkirche zu Stettin und Nicolaikirche zu Greifswald, sowie Plebanus an der Marienkirche in letzterer Stadt. Aus der Artistenfacultät geschieden, lehrte er dann von 1501–1534 als Ordinarius in der theologischen Facultät und war ein Hauptgegner der lutherischen Lehre, welche nach seinen eigenen handschriftlichen Aufzeichnungen 1515 zuerst Eingang in Greifswald fand; überhaupt einer der einflußreichsten Professoren an der dortigen Hochschule, an welcher er neun Mal das Rectorat führte. Er stand als Geistlicher auch in naher Beziehung zu dem Abte des Klosters Eldena, Enwaldus Schinkel und zu dem dortigen Prior Michael Knabe, welcher letzterer aus Stralsund gebürtig im J. 1509 in Greifswald studirte. Wahrscheinlich ist es auch seiner Mitwirkung zuzuschreiben, daß der Abt im J. 1513 das Rectorat der Universität führte. Aus dem Universitätsalbum und anderen handschriftlichen Aufzeichnungen W. Kruses können wir entnehmen, daß er seine Vorlesungen und Promotionen mit großem Eifer abhielt, unter Anderem liegt uns ein ausführlicher Bericht über die Reden vor, welche bei Ertheilung der theologischen Würden an Wilhelm v. Buren, Prior der Dominikaner in Schleswig, 1520–1523 gehalten wurden. Die große Reihe juristischer und theologischer Werke, welche K. in Handschriften und Incunabeln besaß und welche von ihm mit unzählbaren, für die Wissenschaft und Universitätsgeschichte wichtigen Randbemerkungen versehen sind, gingen nach seinem Tode 1534 theils an das Kloster Eldena und den Prior Knabe, theils an den Anclamer Kleriker und Notarius Johann Erp (auch Arp geschrieben) über, welcher 1505 in Greifswald studirt hatte und auch eine durch Kruse’s Tod erledigte Vicarie besaß. Später wurden die Bücher 1535 in die Kirche zu Wolgast und von dort in die Universitätsbibliothek zu Greifswald übertragen, einige gelangten auch in die Bibliothek der dortigen Nikolaikirche, wo sie wichtige Quellen für die canonische Geschichte darbieten.

Kosegarten, Gesch. der Univ., I. 145, 168, 174; II. 121–255. Balt. Stud. XXI, 1 S. 131. Stavenhagen, Gesch. Anclams, Urk. Nr. 57, 83. Handschriftliche Bemerkungen in der Wolg. Biblioth., in der Greifsw. Univ.-Bibliothek, über welche zu vergleichen Pyl, 38. u. 39. Jahresbericht, 1877, S. 17–40.