ADB:Kuhlau, Friedrich

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Artikel „Kuhlau, Friedrich“ von Moritz Fürstenau in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 17 (1883), S. 320–321, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kuhlau,_Friedrich&oldid=2500658 (Version vom 19. Oktober 2017, 12:39 Uhr UTC)
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Kuhlau: Friedrich K., geb. am 11. Sept. 1786 zu Uelzen im Lüneburgischen, hatte als Kind das Unglück, durch einen Sturz ein Auge zu verlieren. Hierdurch wurden seine ziemlich unbemittelten Eltern veranlaßt, das früh erwachte musikalische Talent des Sohnes auszubilden und ermöglichten es, ihn nach Braunschweig zu schicken, wo er in das öffentliche Singechor eintrat und Unterricht auf dem Pianoforte und der Flöte erhielt. Später kam der junge K. nach Hamburg, wo er seine musikalischen Studien, namentlich in der Theorie, beim Musikdirector Schwenke fortsetzte. Schon damals veröffentlichte er nicht ohne Erfolg kleine Clavierstücke und Lieder. Um der französischen Conscription zu entgehen, flüchtete er 1810 nach Kopenhagen und wurde dort zunächst mit dem Titel eines Kammermusikus als erster Flötist in der Hofcapelle angestellt, daneben wurde er bald bekannt als tüchtiger Claviervirtuos. Seine Beschäftigung im Theater führte ihn zu dem Beschluß, die dänische Nationaloper zu heben. 1813 componirte er Oehlenschläger’s „Räuberburg“ (Röverborgen); der Erfolg war durchschlagend und Kuhlau’s Name mit einem Schlage über ganz Dänemark verbreitet. Seine zweite Oper, von 1816, „Die Zauberharfe“ (Trylleharpen), kam vermöge einer Theatercabale gegen Baggesen, den Verfasser des [321] Textes, zu Fall. Auch die dritte, „Elisa“, scheiterte 1819 an dem elenden Text von Boye. 1824 folgte dagegen, mit großem Beifall aufgenommen, „Lulu“ von Güntelberg; 1827 „Hugo und Adelheid", wegen des mageren Boye’schen Textes bald vergessen. Dann aber ward am 6. November 1828 zur Vermählung des nachmaligen Königs Friedrichs VII. Heiberg’s Originalschauspiel „Der Elfenhügel“ (Elverhöi) mit Kuhlau’scher Musik, für die er altnordische Volkslieder benutzt hatte, aufgeführt und mit stürmischem Beifall begrüßt. (Ueber Kuhlau’s Wirksamkeit an der Bühne ist zu vgl.: Overskou, Den danske Skueplads, Bd. IV–V, Kopenhagen 1862–64.) K., jetzt hoch gefeiert, ward mit dem Titel eines Professors der Tonkunst zum königl. dänischen Hofcomponisten ernannt und vom praktischen Capelldienst befreit. Er zog nach Lyngbye, einem kleinen Städtchen bei Kopenhagen, wo er noch vielerlei Instrumental- und Vokalsachen schrieb. Im J. 1830 raubte ihm ein Brand, welcher einen Theil von Lyngbye in Asche legte, viele werthvolle Manuscripte. Der Schmerz hierüber, sowie über den Tod seiner Eltern, die bei ihm lebten, störte seine bis dahin ziemlich feste Gesundheit; er fing an zu kränkeln und starb am 12. März 1832. Seine Oper „Lulu“ hat sich am längsten auf dem Repertoire erhalten, ebenso das Liederspiel „Elverhöi“, welches sehr eigenthümliche nordische Volksmelodien enthält und dadurch dem dänischen Volke besonders lieb geworden ist. Dieses ausgesprochenen Nationalcharakters wegen hatten Kuhlau’s Opern in Deutschland weniger Erfolg, dort ist er durch einige Männerchöre („Ueber allen Gipfeln ist Ruh“), durch 12 komische Canons für 3 Männerstimmen und durch seine zahlreichen und trefflichen Instrumentalcompositionen, insbesondere für Pianoforte und Flöte, bekannt und beliebt geworden. Von Kuhlau’s Compositionen für Flöte sind folgende zu erwähnen: 3 Quintetten für Flöte und Streichinstrumente, op. 51; Quartett für 4 Flöten, op. 103; Trios für 3 Flöten, op. 13 und 86; Duos für 2 Flöten, op. 10, 39, 80, 81, 87 und 102; Solos, Phantasieen etc. für Flöte allein, op. 57, 68, 73, 95, 104, 105 etc.; Trio für 2 Flöten und Pianoforte, op. 119; 3 Duos für Flöte und Pianoforte, op. 110; Sonaten für Flöte und Pianoforte, op. 64, 69, 71, 83 und 85; mehrere Divertissements, Variationen etc. für Flöte und Pianoforte. Alle diese Compositionen gehören zu den besten, welche je für Flöte geschrieben worden sind und gereichen noch heute Allen, welche dieses Instrument kultiviren, zur Freude und zum empfehlenswerthen Studium. Auch für Pianoforte und Streichinstrumente hat K. componirt, so die Quartetten op. 32, 50 und 108; die Sonaten op. 6, 33, 74, 88 etc. – Für das Pianoforte (zwei- und vierhändig) hat K. ebenfalls viel geschrieben; besonders zu erwähnen sind ein Concert op. 7, die Sonatenwerke op. 52, 66 und 127. Seine instructiven, sehr geschätzten Claviersachen erschienen in neuen billigen Ausgaben: Edition Peters, Sonatinen, 2 Bände; Rondos, 1 Band; Sonatinen zu 4 Händen, 1 Band. – Collection Litolff, Sonatinen, 2 Bände; Rondos und Variationen, 1 Band. – Sonatinen, roth cart., bei Breitkopf und Härtel.

Ein Bruder Kuhlau’s lebte als Musikdirector in Calcutta und kehrte 1820 nach Europa zurück. Dessen Sohn, Andreas Karl K., geb. am 3. Jan. 1821 zu Leipzig, ward geschätzt als Pianist und Orgelspieler, starb aber bereits am 29. Mai 1857 als Organist an der Kirche zu St. Johannis in Leipzig. Er hatte seine Studien am dortigen Conservatorium unter Mendelssohn gemacht.