ADB:Kunhardt, Heinrich

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Artikel „Kunhardt, Heinrich“ von Andreas Ludwig Jakob Michelsen in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 17 (1883), S. 378–379, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kunhardt,_Heinrich&oldid=- (Version vom 20. September 2019, 06:52 Uhr UTC)
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Kunhardt: Heinrich K., Dr. der Phil., Gymnasiallehrer und Schriftsteller, geb. den 2. Februar 1772 in Osterholz, einem hannöverschen Flecken unweit Bremen, Sohn eines in höchst ärmlichen Verhältnissen lebenden Advokaten. Nachdem er von dem Lehrer der Dorfjugend, seinem Vater und dem Ortsgeistlichen den ersten, sehr unvollkommenen Unterricht erhalten hatte, wurde der begabte, wissensdurstige Knabe, im Alter von fünfzehn Jahren, der St. Petrischule zu Bremen übergeben, welche sich, ungeachtet der Tüchtigkeit einzelner Lehrer, namentlich des Rektors Ummius, damals in sehr zuchtlosem Zustande befand. Hier, wie auf der Universität Helmstädt, welche er im J. 1791 als Student der Theologie bezog, kämpfte er von Jahr zu Jahr wider Mangel [379] und Entbehrungen, und wurde auch dadurch zu frühzeitiger Schriftstellerei, namentlich zur Mitarbeit an mehreren gelehrten Zeitschriften gedrängt, was ihn unstreitig an gründlicheren Studien und der rechten Vertiefung gehindert hat. Während von den Helmstädter Theologen Pott und Henke ihn besonders anzogen, war es doch vorzugsweise der Philosoph Schulz, welcher ihn begeisterte und zu einem Jünger der Kantischen Philosophie machte. Im J. 1795 zum Magister promovirt, im folgenden Jahre als Adjunct der philosophischen Fakultät aufgenommen, wäre er am liebsten Docent in derselben geblieben. Die Umstände nöthigten ihn aber, ein Schulamt zu suchen. Und gegen Ende des J. 1798 wurde er zum Subrector an dem Katharineum zu Lübeck ernannt, welchem er vierzig Jahre (seit 1806 als Professor), unter den Directoren Behn, Mosche und Göring, mit großer Treue gedient hat. Seinem lebhaften Mittheilungstriebe genügte indeß die Schule nicht; er fand fortwährend Zeit und Kraft zu einer, nur allzu fruchtbaren, ungemein vielseitigen literarischen Thätigkeit, welche sich theils auf das geschichtlich-philosophische, theils auf das dogmatisch-ethische, theils auf das philologische Gebiet erstreckte. Im höheren Alter hat er selbst über seine Autorschaft ein strenges Gericht gehalten. Auch als sprach- und versgewandter Dichter ist er oft und viel hervorgetreten, insbesondere in jenen Tagen der Erhebung unsres Volkes (1813), an welcher er sich, mit seinem Collegen Prof. Hermann, so lebhaft betheiligte, daß er bei der Wiederkehr der französischen Behörden gleichfalls flüchten mußte. Wegen eines bedenklichen Augenleidens sah er sich im J. 1838 genöthigt, von seinem Amte zurückzutreten. Während der ihm gewährten ehrenvollen Muße beschäftigte er sich eifrig mit dem Studium des Herodot und Sophokles, über dessen Oedipus von Kolonos er 1839 und 1840 eine Reihe werthvoller Anmerkungen in lateinischer Sprache, in welcher er Meister war, herausgab. – Er starb den 30. März 1844. Von seinen ca. 30 Schriften ist in weiteren Kreisen besonders anerkannt und benutzt worden seine „Anleitung zum lateinischen Styl“. Erster und zweiter Cursus 1819.

Epistola ad G. Seebodium, qua vitae suae curriculum exposuit H. Kunhardt, in G. Seebode’s Archiv für Philologie und Pädagogik (1824), 1. S. 34–59. – Neue Lübeckische Blätter 1844, Nr. 17.