ADB:Kuse, Jakob

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Kuse, Jakob“ von Jakob Franck in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 17 (1883), S. 433–434, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kuse,_Jakob&oldid=- (Version vom 27. Januar 2021, 14:58 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Kurzmann, Andreas
Nächster>>>
Küsell, Matthaeus
Band 17 (1883), S. 433–434 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand August 2019, suchen)
GND-Nummer 132732939
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|17|433|434|Kuse, Jakob|Jakob Franck|ADB:Kuse, Jakob}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=132732939}}    

Kuse: Jakob K., erster Buchdrucker zu Colberg. Gleich den übrigen pommerschen Städten (vgl. Kellner, Andreas) erhielt auch die alte, durch ihre mehrmalige heldenmüthige Vertheidigung geschichtlich merkwürdige Stadt Colberg sehr spät und erst 1653, als die Stadt nach der Räumung durch die Schweden der Sitz einer brandenburgischen Provinzialregierung ward, eine Druckerei. Als ersten Colberg’schen Druckers wird um diese Zeit in den Stettiner und Stargarder Archiven, jedoch nur vorübergehend, eines Heinrich Heyse gedacht, was insofern einige Berechtigung haben mag, als die Mutter eines späteren Inhabers der Kuse’schen Officin, des Martin Range, eine Sophie Heyse war. Sicher jedoch ist, daß 1658 ein Jakob K. nicht blos in Colberg druckte, sondern auch als förmlicher Regierungsbuchdrucker bestellt war und den Titel eines kurfürstlichen Typographen führte. Ob er von Geburt selbst ein Colberger oder ein Eingewanderter war, erhellt aus den angezogenen Acten nicht, ebensowenig, in welches Jahr sein Tod fällt, und nur das steht außer Zweifel, daß er 1669, als der Sitz der Behörden nach Stargard verlegt wurde, noch am Leben war, aber der Regierung dorthin nicht folgte. Auch seine Wittwe blieb in Colberg, woraus die Provinzialbehörde im August 1671 Veranlassung nahm, ihrer Officin das Privilegium zu entziehen; der Tod ihres Mannes scheint demnach in diesem Jahre erfolgt zu sein. Trotz des ihr entzogenen Privilegiums blieb die Druckerei der Wittwe K. in Colberg noch zwei Jahre in Thätigkeit, ging jedoch zuerst an die Stadt Colberg, dann seit 1673–1685 unter vielen zum Theil sehr heftigen Streitigkeiten zwischen der Stadt, dem Rathsherrn M. Range und den Regierungsbehörden wegen Privilegien, Monopolen und anderer „Bewidmungen“ nominell an verschiedene Besitzer: Ludwig Röder, Jakob Adler, Georg Bohte, Johann Reisinger und Birger Campe über. Denn der eigentliche Besitzer der Officin war schon seit 1761 der bekannte pommersche Geschichtsforscher, Hofgerichtsadvokat, Rathsherr und Städtekämmerer Martin Range (Rango, † am 9. August 1688; vgl. Moller, Cimbria II, 677) zu Colberg, der jedoch nicht wollte, daß sie seinen Namen führe. Als eine neue und eigenthümliche Erscheinung in diesem Buchdruckerzwiste verdient eine kurze Erwähnung die im J. 1688 erhobene Beschwerde des Rectors des Lycei und Pastors zu St. Marien in Jakobshagen in Pommern, David Hollaz (Bd. XII S. 754), des Dogmatikers und Verbesserers der scholastischen Lehrart, gegen das Verbot des Druckes von Leichenreden, Leichen- und Hochzeitsgedichten und anderer Accidentien in der städtischen Officin zu Colberg und das der Regierungsdruckerei zu Stargard ertheilte Privilegium für ganz Hinterpommern. Hollaz beschwerte sich bei der Regierung, daß ihm hierdurch ein Schaden in seiner Amtseinnahme erwachse, weil ihm, als dem Rector des Lycei, ein Beneficium von Drucksachen dieser Art zustehe, wie solches denn auch seine Vorgänger im Amte bezogen hätten. Wahrscheinlich hatten die Rectoren die Censur dieser gelegenheitlichen Drucksachen. Aus der Officin des K. ging 1658 des Conrectors Christian Alwart zu Neustettin „Λοιμολογία h. e. metrica descriptio pestis Neosedinensis“ hervor, auch druckte er noch 1668 des M. Rango „Colberga togata“. Nach seinem Tode wurde als in der „Rathsofficin“ gedruckt u. A. des Andr. von Bamberg „Vita S. Ottonis ed. Valer. Jasche 1676, 1681, 4° und des letzteren „Theses oeconomicae“, 1678, 12°; unter L. Röder’s Firma [434] des M. Rango „Origines Pomeraniacae“, 1684, 4°, unter G. Bohte (dessen Insigne ein seine Jungen mit seinem Blute nährender Pelikan) unter vielen anderen Büchern das Colberg’sche Gesangbuch „Geistliches Kleinod“, 1684, unter Birger Campe „Valer. Jaschii Synopsis Pansophiae“, 1677, 12° und dessen „Veritas et antiquitas ecclesiae Lutheranae“, 1677.

Fr. Wokenii Beitr. zur pommerischen Historie, S. 184 ff. J. H. Balthasar, Samml. zur pommerischen Kirchenhist., II. 795. J. Fr. Levezow, Wanderung d. Buchdruckerkunst, II. 7. G. Mohnike, Gesch. d. Buchdruckerk. in Pommern, S. 33 ff.