ADB:Balthasar, Jacob Heinrich von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Balthasar, Jacob Heinrich von“ von Adolf Häckermann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 2 (1875), S. 30–32, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Balthasar,_Jacob_Heinrich_von&oldid=- (Version vom 20. April 2019, 18:54 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 2 (1875), S. 30–32 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Jakob Heinrich von Balthasar in der Wikipedia
GND-Nummer 116046481
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|2|30|32|Balthasar, Jacob Heinrich von|Adolf Häckermann|ADB:Balthasar, Jacob Heinrich von}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=116046481}}    

Balthasar: Jakob Heinrich von B., Professor der Theologie, Prediger und Förderer pommerscher Geschichte, geb. 19. Oct. 1690 zu Greifswald, † 2. Jan. 1763. Sein Vater war Dr. iur. u. Jakob B., seit 1682 außerordentlicher Professor der Rechte und ordentlicher Professor der Moral und Geschichte an der Landesuniversität, später seit 1689 auch Syndicus derselben, zuletzt seit 1704 herzoglich mecklenburgischer Regierungsrath und Vicedirector der Justizkanzellei in Rostock, gest. 1706, seine Mutter Anna Katharina Gerdes. Von den Eltern für ein gelehrtes Studium bestimmt, besuchte er das Gymnasium zu Greifswald, auf welchem er bis 1704 den Unterricht der an demselben wirkenden Lehrer: Poland, Lange, Westphal, Tetzloff, Langemack und Battus genoß, während er von 1704–6 in Rostock seine weitere Leitung von dem stud. theol. Kraut und dem Rector Sprengel erhielt. Einer schon früh erwachten und mehr und mehr befestigten Neigung für die Theologie folgend, studierte er zuerst in [31] Rostock, widmete sich dann in Greifswald der classischen und orientalischen Philologie, sowie der Metaphysik, Exegese und Homiletik unter Köppen, der Patristik unter Saalbach, der Symbolik unter Rumpäus; den bedeutendsten Einfluß auf seine Bildung jedoch übten die schon mit dem Vater befreundeten Theologen Heinrich Brandanus, Gebhardi und der Generalsuperintendent Dr. Joh. Friedrich Mayer. Im J. 1710 Magister geworden, begab er sich 1713 nach Jena, wo er Budde, Danz, Syrbius und Teichmeyer hörte, und bei einem Ausfluge von dort nach Weimar, Erfurt und Halle auch die Bekanntschaft von Thomasius, Franke, Lange und Anton machte; ebenso lernte er später in Leipzig und Wittenberg Cyprian, Rechenberg, Olearius und Wernsdorf kennen. Von wesentlichem Einfluß auf seine Entwickelung war endlich ein zweijähriger Aufenthalt in Berlin, wo er die ihm übertragene Aufzeichnung und Veräußerung der Büchersammlung des obengenannten Generalsuperintendenten Mayer besorgte, zugleich auch die königl. Bibliothek fleißig benutzte und seine schriftstellerische Thätigkeit begann. In dieser Weise vielseitig und gründlich vorbereitet, kehrte B. 1716 nach Greifswald zurück, wo er als Privatdocent Vorlesungen hielt, häufig predigte und das Reformationsjubiläum der evangelischen Kirche durch eine Rede de meritis Lutheri in Pomeraniam feierte. Darauf erhielt er 1719 die ordentliche Professur der Theologie und das Pastorat zu St. Jacobi in Greifswald, ward am 8. Oct. 1722 Doctor der Theologie, nach Gebhard's Tode 1729 Consistorialassessor und 1746 Generalsuperintendent des damaligen schwedischen Pommerns und Fürstenthums Rügen. In seiner theologischen Richtung gehörte er zur Schule des älteren Pietismus, welcher im Gegensatz zu der starren Orthodoxie ein lebendiges, gemüthstiefes und werkthätiges Christenthum verlangte. Da aber neben dieser wohlthätigen Wirkung des Pietismus sich auch manche schwärmerische und schädliche Einflüsse desselben bemerkbar machten, so wurde er in Folge dessen, mit seinen Amtskollegen Gebhardi, Rusmeyer und Krakeritz, sowie dem Hofgerichtsdirector Gerdes, von dem Professor der Mathematik, Jer. Papke, einem Anhänger der Wolff’schen Philosophie und Vertreter einer mehr nüchternen Theologie, auf das heftigste angegriffen. Obwol die Professoren Nettelbladt und Engelbrecht Papke unterstützten, so erhielt letzterer dennoch von der schwedischen Regierung Unrecht, und mußte seine Entlassung nehmen, während B. in seiner Wirksamkeit geschützt blieb. (Vgl. Pyl, Aug. v. Balthasar’s Leben und Schriften. S. 34–57.) Seine Vorlesungen betrafen namentlich Kirchengeschichte, sowie Erläuterung der pommerschen Kirchenordnung und der pommerschen Bekenntnisschriften, auf welchem Gebiete auch sein gründliches Werk „Sammlungen zur Pommerschen Kirchenhistorie“, 2 Bde. 1723–25, sich ein großes Verdienst erwarb. Band I. berichtet über die pommerschen Synoden von 1541–93, Bd. II. über die lutherischen Bekenntnisschriften und das Leben der pom. Generalsuperintendenten von Joh. Knipstrow (1535–56) bis Alb. Joach. v. Krakeritz (1721–32). Von ebenso hohem Werthe für die pommersche Geschichte sind seine Ausgaben von Bugenhagen’s „Pomerania“ und Valentins v. Eickstet „Pommerschen Annalen“ und dessen „Leben Philipp’s I.“, sowie die unter seiner Redaction erschienene „Historische Zeitschrift“, des sogenannten Greifswalder Wochenblatts oder „Sammlung von gelehrten und nützlichen Sachen“, 1744, endlich eine im Manuscript auf der Greifswalder Universitäts-Bibliothek erhaltene Geschichte der Jakobikirche zu Greifswald. Vermählt war er zweimal, zuerst mit Anna Rosina Gebhardi, den 4. Juli 1720, sodann am 18 Juni 1722 mit Katharina Margaretha Zeidler, Tochter des Rostocker Pastors Dr. Zeidler. Aus dieser letzteren Ehe stammen die beiden Söhne: Philipp Jakob, geb. 27. Febr. 1726, seit 1768 Pastor und Präpositus zu Grimmen, Verfasser einer handschriftlichen Geschichte der Grimmer Synode seit der Reformation (s. Ersch und Gruber, Th. VII.), gest. 29. Juli [32] 1807 und Georg Friedrich, geb. 17. März 1729 zu Greifswald und als Magister und Doctor der Philosophie ebendaselbst verstorben 13. Nov. 1761.

Handschriftl. Biographie Jak. Heinr. Balthasar’s von dessen Bruder Augustin in den Vitae Pom. II. Progr. funebr. rect. J. B. Engelbrecht de J. H. Balthasar, 1763, mit vollst. Verz. seiner Schriften. – J. Papke’s Briefe in Abschrift in den Vit. Pom. Bd. II.