ADB:Lühring, Anna

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Artikel „Lühring, Anna“ von Karl Ernst Hermann Krause in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 19 (1884), S. 622–623, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:L%C3%BChring,_Anna&oldid=- (Version vom 20. April 2019, 16:44 Uhr UTC)
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Lühring: Anna L., das Bremer Mädchen von 1813, die unerkannt als Lützower Jäger den Feldzug von 1814 bis zum Ende unter dem Gewehr mitmachte, war als fünftes Kind des Zimmermeisters Joh. Christoph L. am 3. Aug. 1796 zu Bremen geboren. Das erste Erscheinen v. Tettenborn’s in Bremen am 15. October 1813 mit Lützowern und der Heldenschimmer, welcher die eben gefallene Leonore Prochaska umstrahlte, begeisterten das bescheidene 16jährige Mädchen; in ihres Bruders Anzug verließ sie über das Eis der Weser am 13. Februar 1814 die Vaterstadt und wanderte durch den Winter zum Depot in Münster, meldete sich, dort ausgerüstet, vor dem belagerten Jülich zu Altenhofen am 28. Februar als Eduard Kruse aus dem Oldenburgischen zu den freiwilligen Jägern und wurde dem vom alten Jahn commandirten 3. Bataillon Fußjäger zur 5. Compagnie unter Lieutenant v. Reil überwiesen. So focht sie, entschlossen und unerschrocken, als schmucker Jäger beliebt, überall mit vor Jülich und in den kleinen Gefechten, welche die Lützower nur zu bestehen hatten, bis zum Frieden, marschirte dann auch zurück mit nach Berlin. Ihr Vater hatte freilich zuletzt eine Spur gefunden, und auf dem Marsche von Jülich nach Frankreich [623] mußte der Jäger Kruse seinem Hauptmann auf Nachfrage sein Geschlecht entdecken. Dennoch blieb sie auf Anrathen des Hauptmanns unter dem Gewehre, durchaus sittenstreng, wie allseits glaubwürdig bezeugt wird, obwol die Kunde ihres Geschlechtes sich allmählich verbreitete. Nach der Entlassung in Berlin gefeiert, in den angesehensten Familien eingeführt, selbst von Damen des Königshauses geehrt, von Tauenzien mit seiner eigenen Medaille für 1813/14 geschmückt, war ihr zuerst das Vaterhaus verschlossen, da der alte, im Vermögen sehr zurückgekommene L. ihr als einer Abenteurerin die Aufnahme versagte; erst bedeutende Fürsprachen stimmten ihn um. Dann reiste Anna mit Ehren zum Abschied überhäuft von Berlin und kam mit eben solchen Ehren empfangen am 4. Februar 1815 in Bremen wieder an. Später wurde sie vergessen, mußte an eigenen Erwerb denken und suchte den in Hamburg als Mitarbeiterin eines Geschäfts, das heute Confectionsgeschäft genannt werden würde. Im October 1821 heirathete sie einen Kellner Lucks aus Altona, der 1827 Hamburger Bürger wurde, dann als Lohndiener vorkommt. Ein Kind aus dieser Ehe starb früh, der Mann am 8. October 1832. Von da an lebte sie einsam und dürftig in Horn bei Hamburg vom Nähen für einen Laden. 1838 erfuhr hier der alte Heinrich Böse (Allg. D. Biogr. III, 187) von ihr, konnte aber in Bremen kein allgemeines Interesse für sie wachrufen. Unterstützungen alter Kameraden, die ihr geboten wurden, nahm sie an, weiteres lehnte sie stolz ab. Als sie 64 Jahre alt ihres Augenlichtes nicht mehr voll mächtig war, verlieh ihr der bremische Staat 1860 eine Pension von 150 Thaler Gold jährlich. An der Jubelfeier für Leipzig in Hamburg 1863 theilzunehmen, lehnte sie beharrlich und bescheiden ab. Am 25. August 1866 starb sie.

Alles Material erschöpft H. A. Schumacher im Bremer Jahrbuch V. (1870).