ADB:Langer, Anton

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Artikel „Langer, Anton“ von Anton Schlossar in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 17 (1883), S. 674–676, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Langer,_Anton&oldid=- (Version vom 12. Juli 2020, 10:49 Uhr UTC)
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Langer: Anton L., dramatischer und erzählender Schriftsteller, wurde am 12. Januar 1824 zu Wien geboren, wo sein Vater dem ärmeren Bürgerstande angehörte. Nach vollendeten Gymnasialstudien absolvirte L. die damals sogenannten philosophischen Studien an der Wiener Hochschule um die Mitte der vierziger Jahre und hätte sich auf den Wunsch seiner Eltern hin der Beamtenlaufbahn zuwenden sollen. Schon auf der Universität verkehrte jedoch L. mit einem kleinen litterarischen Kreise und publicirte poetische und prosaische Arbeiten in Journalen und Taschenbüchern. So waren im Jahre 1844 und 1845 bereits aus seiner Feder Novellen und Gedichte von recht gefälliger Form in den damals so außerordentlich beliebten Wiener Taschenbüchern: „Gedenke mein“, „Thalia“, u. a. erschienen, später trat er als Theaterkritiker in Bäuerle’s „Theater-Zeitung“, sowie als Mitarbeiter an der „Wiener Zeitschrift“, an dem „Wanderer“, am „Oesterreichischen Beobachter“, an der „Presse“ und an anderen zu jener Zeit besonders hervorragenden Blättern auf. Gegen Ende der vierziger Jahre gründete L. im Vereine mit August W. Just selbst ein Theater, die Arena in Hernals bei Wien, welche Bühne sich jedoch nicht lange erhielt. Das stürmische Jahr 1848 drängte zwar L. in die hochgehenden Wogen der Bewegung, ohne daß er jedoch sich in besonders auffallender Weise daran betheiligt hätte, in seinem „Barrikadenlied“, welches (Juni 1848) in Saphir’s Humoristen veröffentlicht wurde, trat er allerdings als politischer Dichter auf, welcher kräftige Töne im Sinne der stürmischen Freiheitsbewegung anschlug. Schon war der Dichter auch dramatisch thätig gewesen und diese Thätigkeit setzte er in den fünfziger Jahren besonders eifrig und mit immer größerem Erfolge fort, seine Stücke wurden zuerst auf dem Josephstädter Theater, sodann in dem Theater an der Wien, sowie im Karl- und Treumann-Theater aufgeführt und zeichneten sich durch ihre locale possenhafte Färbung besonders aus, fanden später auch in der Provinz und auf vielen außerösterreichischen deutschen Bühnen Verbreitung. Ein eigenthümliches journalistisches Unternehmen war das v. L. neubegründete Blatt „Hans Jörgel von Gumpoldskirchen“, welches er von 1851 an herausgab und [675] dessen Redaction er bis zu seinem Tode fortführte. Der „Hans Jörgel“ geißelte im niederösterreichischen Volksdialekte abgefaßt, Schwächen der verschiedenen Volksklassen, insbesondere der Residenz, dehnte jedoch seine Betrachtungen und satyrischen Bemerkungen auch auf die Verhältnisse in den österreichischen Provinzen aus. Die „Briefe Hans Jörgel’s“ knüpften in der Art ihrer Anlage an die schon 1785 von Joseph Richter in Wien begründeten „Briefe eines Eipeldauer’s“ sowie an die später erschienenen „Komischen Briefe des Hans Jörgels von Gumpoldskirchen an seinen Schwager Maxel in Feselau“ von Jos. A. Gleich (Wien 1832 bis 1847) an. L. verfaßte selbst den ganzen Inhalt eines jeden Heftes dieser Zeitschrift, welche in einer Beilage auch eine große Zahl von Romanen aus seiner Feder brachte, die sich zumeist auf ältere Wiener Localzustände bezogen. Den Dialekt handhabte L. im eigentlichen Texte des Blattes vortrefflich und es gelang ihm bald dieser Zeitschrift eine ganz außerordentliche Verbreitung zu verschaffen. Seit 1851 gab L. auch einen Kalender „Hans Jörgel’s österr. Volks-Kalender für Humor und Ernst“ heraus, der in einer Zahl von Jahrgängen fortgeführt wurde und für denselben Leserkreis berechnet war wie das Journal „Hans Jörgel“. Im März 1875 fand sich der Wiener Grillparzer-Verein sogar veranlaßt, das 25jährige Jubiläum Langer’s als Redacteur des so weit verbreiteten „Hans Jörgel“ zu feiern. Die materielle Stellung Langer’s war durch die mehrerwähnte Zeitschrift eine ganz behagliche geworden. Was die persönlichen Verhältnisse Langer’s betrifft, so war derselbe zweimal verheirathet, in zweiter Ehe mit einer früheren Schauspielerin des Carl-Theaters. Er starb am 7. December des Jahres 1879 nach längerer Krankheit zu Wien, das er nur auf kürzere Zeit, wenn er Reisen unternahm, verlassen hatte. Die Frucht einer dieser Reisen ist das Buch: „Die Wiener in Constantinopel. Reiseeindrücke“, (1868). Beiträge zur Zeit- sowie zu seiner Lebensgeschichte bieten auch Langer’s Schriften: „Acht Tage im Polizeihause. Freie Gedanken eines Eingesperrten“ (1851), „Ludwig Napoleon und der Staatsstreich vom 2. December 1851 nebst seinen Folgen“ (1852), „Dies Buch gehört der Kaiserin. Eine Volksstimme aus Oesterreich“ (1854). Als Uebersetzer französischer und englischer Romane war L. in dem bei A. Hartleben erscheinenden „Belletristischen Lesekabinet“ ebenfalls aufgetreten. Sowohl durch seine Persönlichkeit als durch seine Arbeiten als Schriftsteller insbesondere auf dramatischem und humoristischem Gebiete bildete L. das Prototyp des alten gemüthlichen „Oesterreicherthums“, allerdings auch mit dessen Eigenheiten und Schwächen. Was seine dramatischen Arbeiten betrifft, so liegen deren eine große Zahl vor, ein Theil derselben wurde vom Verfasser selbst gesammelt in der „Wiener Volksbühne“ (Wien 1859–1864. 4 Bdchn.) herausgegeben. Die Stücke Langer’s sind fast ausschließlich dem Wiener Volksleben entnommen und zeichnen dasselbe in der treffendsten Weise, alle Gestalten und Figuren derselben erscheinen aus dem vollen wahren Volksleben gegriffen, die Situationen sind oft derb komischer Natur aber nie unwahrscheinlich und verletzen niemals das sittliche Gefühl. Tiefes Gemüth liegt in den ernsten Scenen dieser Volksstücke, welche zwar zumeist für das Wiener Publicum berechnet sind, aber auch auf den Nicht-Wiener in den besonders gelungenen Stücken ihre Wirkung selten verfehlen werden. Der Verfasser weiß von der komischen Situation auf die ungezwungenste Weise in die ernste überzuspringen und so ein echtes „Lebensbild“, das auch dem Ernste des Lebens gerecht wird, zu gestalten. In der Erfindung seiner Stücke ist L. zumeist überaus glücklich gewesen, allerdings könnte ihm der Vorwurf gemacht werden, daß sich gewisse typische Figuren öfter wiederholen. Genannt seien hier von den zahlreichen „Lebensbildern und Possen“: „Ein Wiener Freiwilliger“, „Strauß und Lanner“, „Ein Hausmeister aus der Vorstadt“, Eine Ausspielerin“, „Zwei [676] Mann von Heß“, „Der Werkelmann und seine Familie“, „Die Mehlmesser-Pepi“, „Ein Judas von Anno Neun“, „Das erste Kind“, „Ein ehemaliger Trottel“, „D’Nandl von Ebensee“ (diese zumeist in 3 oder 2 Acten und fast alle mit witzigen, meist local gefärbten Gesangseinlage-Couplets). Unter den einactigen Stücken zeichnen sich mehrere durch ganz besonders treffliche Anlage und Durchführung aus, so „Ein Mißverständniß“, „Eine verfolgte Unschuld“, „Vom Schützentage“, „Eine Vereinsschwester“, „Der Herr Gevatter von der Straße“ und vor allen Andern die überaus gelungene Posse „Vom Juristentage“. Auch das einactige Lustspiel „Ein Wort an den Minister“, welches eine Episode aus dem Leben des Minister Kaunitz behandelt, ist eine kleine treffliche dramatische Leistung. Das letzte dramatische Werk Langer’s, welches in Wien kurz vor seinem Tode zur Aufführung gelangte, war das Volksstück „Das Weib des Buchbinders“. Den Text zu Lecocq’s bekannter komischen Oper „Angot“ hat L. recht geschickt aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt und in dem „Meisterschuß von Pottenstein“ selbst einen hübschen Operettentext geliefert. Eine Reihe von Gedichten, welche formgewandt und edel gedacht sind, veröffentlichte L. wie schon angedeutet wurde in seiner Jugend, aus der späteren Zeit sind wenigstens keine mehr bekannt geworden. – Es wurde bereits erwähnt, daß auch eine große Zahl von Arbeiten Langer’s auf dem Gebiete des Romans vorliegt, diese Romane haben allerdings einen geringeren poetischen Werth, sie sind zumeist für die Leser des „Hans Jörgel“ berechnet, in dem die meisten auch veröffentlicht wurden. L. zeigt sich übrigens darin als ein ausgezeichneter Kenner der Localgeschichte Wiens und bietet selbst im Roman hübsche Schilderungen des Volkslebens in der Residenz. Manche dieser Arbeiten haben einen historischen Hintergrund. Erwähnt seien davon: „Die Carbonari in Wien oder der Mann mit der weißen Leber“, 2 Thle (1856), „Der letzte Fiaker“, 3 Thle. (1855), „Ein Grafenkind“ (1860), „Die Opfer des Goldes“, 2 Thle. (1863), „Junger Herr und alte Jungfer“, 2 Thle. (1863), „Ein Wiener Kostkind“ (1861), „Ein alter Naderer“ (1860), im „Hans Jörgel“ wurden u. A. publicirt: „Die Rose vom Jesuiterhofe“ (1860–1861), „Der Tambour von der Mobilgarde“, „Dämon Branntwein“ (1863), „Die Schweden vor Wien“ (1862), „Der letzte Babenberger“ (1863), außerdem erschienen „Banquier und Tänzerin“ (1863), „Frei bis zur Königsau“ (1865), „Kaiserssohn und Baderstochter“ (1871), sowie die Bearbeitung des „alten Naderer“ unter dem Titel: „Ein Wiener Polizeiagent von Anno 48“ (Wien 1868). Die meisten der älteren Romane Langer’s sind in der Sammlung „Leih-Bibliothek“, 12 Bde. (Wien 1862 ff.) enthalten. Seinen letzten Roman „Wien unter der Erde“, der in einem Wiener Tageblatte veröffentlicht wurde, hat L. nicht mehr vollendet.

Scheyrer, Die Schriftsteller Oesterreichs (Wien 1858). Nachrichten über Anton Langer’s Lebenslauf und seine litterarische Bedeutung finden sich in den Nummern der größeren Wiener Tagesblätter (Neue freie Presse, Deutsche Zeitung, Wiener Tagblatt), welche unmittelbar nach seinem Tode erschienen, in ziemlich ausführlicher Weise. Vgl. auch Wurzbach, Biogr. Lexikon XIV. Thl. Brümmer, Deutsches Dichter-Lexikon.