ADB:Langermann, Johann Gottfried

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Artikel „Langermann, Johann Gottfried“ von Melchior Josef Bandorf in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 17 (1883), S. 682–683, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Langermann,_Johann_Gottfried&oldid=- (Version vom 18. Juli 2019, 05:03 Uhr UTC)
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Langermann: Johann Gottfried L., Arzt, Mitglied des Obercensurcollegiums, Ministerialcommissarius der Direction der Thierarzneischule, Chef des preußischen Medicinalwesens, geb. am 8. August 1768 zu Maxen bei Dresden, besuchte die Kreuzschule in Dresden und bezog 1789 die Universität zu Leipzig, um Jura zu studiren. Eine Zeit lang versah er eine Hauslehrerstelle bei Kaufmann Röder in Leipzig, dann wandte er sich dem Studium der Medicin zu und wurde 1797 in Jena zum Doctor der Medicin promovirt. (Dissertation: „De methodo cognoscendi curandique animi morbos stabilienda.“) Er prakticirte Anfangs in Baireuth, wurde dann Arzt im Zucht- und Irrenhause zu Torgau, kehrte später nach Baireuth zurück und erhielt hier 1803 vom Ministerium den Auftrag, den Zustand des Irrenhauses zu St. Georgen zu untersuchen und einen Plan zur Verbesserung der vorhandenen Mängel vorzulegen. Diese im Stile damaliger Narren- und Tollhäuser bestehende Anstalt wurde 1805 nach seinen Angaben in eine „psychische Heilanstalt für Geisteskranke“ umgewandelt und er zum Director derselben ernannt. Als jedoch Baireuth 1810 an Baiern abgetreten wurde, verließ L. die Anstalt, welche schon einen weitverbreiteten Ruf genoß und zog nach Berlin. Hier wurde er als Staatsrath im Ministerium des Innern angestellt, 1819 betraute man ihn mit der Reorganisation der Thierarzneischule, welche 1789 errichtet worden war. Er starb schließlich als Chef des gesammten preußischen Medicinalwesens an einer Atheromatose am 5. September 1832 zu Berlin. – Schon in seiner Inauguralabhandlung hat L. ein Werk von geschichtlicher Bedeutung geschaffen. Zu einer Zeit, wo eben in Frankreich Pinel, in England Perfect die Psychiatrie in neue Bahnen lenkten, gab er Deutschland in dieser kleinen Schrift eine Arbeit, „welche nicht blos bei ihrem Erscheinen, sondern auch geraume Zeit nachher gleichsam als ein Canon für die Erkenntniß und Behandlung der psychischen Krankheiten angesehen wurde“. Zwar hatte schon Georg Ernst Stahl in seiner Theoria medica vera den Anfang zu einer neuen wissenschaftlichen Bearbeitung der Geistesstörungen gemacht, aber an eine praktische Lösung dieser Frage war er nicht gegangen. L. fußt einerseits zwar noch zum Theil auf den theoretisirenden Ansichten Stahl’s, was ihn andererseits aber auszeichnet, das ist die präcise und gediegene Festsetzung und Begründung seiner Methode, das ist die ungemeine Anregung, welche er mit ihr hervorgerufen hat. Von dieser Schrift geht die praktische Belebung der Psychiatrie in Deutschland aus, und als es L. vergönnt war seine Forderungen detaillirt zu formuliren, wie kurz und bündig, wie klar und energisch stellte er diese in seinem Berichte über die Umwandlung von St. Georgen auf (vgl. Allg. Zeitschrift für Psychiatrie, Bd. II S. 569), und wie vollkommen entsprach später seine Schöpfung der Trefflichkeit seiner Methode! Ein größeres Werk über die Natur und Heilung der Geisteskrankheiten, welches er angekündigt hatte, ist leider nicht erschienen, seine schriftstellerische Thätigkeit blieb auf sein Erstlingswerk beschränkt, [683] nur eine Schrift von Aug. Fr. Schweigger „Ueber Kranken- und Armenanstalten zu Paris 1808“ gab er heraus und versah sie mit Zusätzen. – Dagegen gestattete ihm seine Wirksamkeit im Ministerium einen maßgebenden und umfassenden Einfluß auf die Entwickelung des preußischen Irrenwesens, und war es ihm noch gegönnt die zwei ersten Heilanstalten zu Siegburg und Leubus entstehen zu sehen. Noch ein anderer bisher vernachlässigter Zweig der Medicin dankt L. seine Reformirung und Förderung, nämlich die Thierheilkunde. Die wissenschaftliche Bedeutung der Berliner Thierarzneischule und die Organisation des thierärztlichen Dienstes in Preußen sind hauptsächlich sein Werk.

Vgl. Callisen, Bd. XXIX S. 441 und Ideler in Preuß. med. Vereinszeitung 1832 S. 67.