ADB:Schweigger, August Friedrich

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Artikel „Schweigger, August Friedrich“ von Ernst Wunschmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 33 (1891), S. 332–333, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schweigger,_August_Friedrich&oldid=- (Version vom 22. Oktober 2019, 06:33 Uhr UTC)
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Schweigger: August Friedrich S., Botaniker, geboren zu Erlangen am 8. September 1783, † durch Meuchelmord bei Cammarata unweit Girgenti in Sicilien am 28. Juni 1821. Als Mitglied einer berühmten Gelehrtenfamilie erhielt S. zusammen mit seinem Bruder Christoph, dem nachmaligen bekannten Physiker in Halle, im elterlichen Hause eine vortreffliche Erziehung und begann nach Absolvirung des Gymnasiums seiner Vaterstadt, im Herbst 1800 in Erlangen seine akademischen Studien, die sich neben der Medicin, als Berufswissenschaft, auch auf Zoologie und Botanik erstreckten. In die letztere durch den gelehrten Schreber (s. A. D. B. XXXII, 465) eingeführt, wandte sich S. zunächst floristischen Studien zu und erlangte auf Grund eines „Specimen Florae Erlangensis“ im November 1804 die medicinische Doctorwürde. Nach der Promotion begab er sich nach Berlin, um daselbst den vorgeschriebenen praktischen medicinischen Cursus durchzumachen. Es gelang ihm hier, sich die Gönnerschaft des Ministers Stein v. Altenstein zu erwerben, der ihm die Mittel zu einer wissenschaftlichen Reise nach Paris verschaffte. Sein Aufenthalt in der französischen Hauptstadt fiel zusammen mit der politischen Unglückszeit Preußens, dem er als Unterthan angehörte, und obwol die Nachricht von der Schlacht bei Jena sein patriotisches Gefühl tief bekümmerte, blieb er dennoch in Paris, unermüdlich thätig in den naturwissenschaftlichen Museen und Sammlungen, aufgemuntert durch die Unterstützung französischer Gelehrten, unter denen besonders der Botaniker Jussieu und der Mineraloge Hauy zu nennen sind. Außerdem schloß er hier innige Freundschaft mit dem späteren Münchener Akademiker Spix, der durch seine im Auftrage der bairischen Regierung unternommene Reise nach Brasilien bekannt geworden ist. Nach mehr als dreijährigem Aufenthalte verließ S. 1809 Paris und folgte bald darauf einem Rufe als Professor der Botanik nach Königsberg. Neben seiner akademischen Lehrthätigkeit war er bemüht, durch größere Reisen seiner Wissenschaft förderlich zu werden. Eine solche Forschungsreise führte ihn auch im Sommer 1821 nach Sicilien, endete aber mit seiner durch die Habsucht seines Führers veranlaßten Ermordung durch Todschlag nahe bei Girgenti in der Grotta affumata, wodurch er, noch nicht 38 Jahre alt, der Wissenschaft entrissen wurde. – Schweigger’s Dissertation über die Phanerogamen in der Umgegend Erlangens vom Jahre 1804 umfaßte nur die ersten 13 Classen des Linné’schen Systems. Er vervollständigte die Arbeit in Gemeinschaft mit Franz Körte im J. 1811 zu einer „Flora Erlangensis“, worin nunmehr die Classen 14–24 nachgeholt wurden. Eine andere systematische Arbeit war die Frucht seiner Thätigkeit als Director des Königsbergor botan. Gartens, nämlich eine 1812 veröffentlichte „Enumeratio plantarum horti botanici Regiomontani“, der sich 1819 eine mit zwei Tafeln herausgekommene Publication: „Nachrichten über den botanischen Garten zu Königsberg“ anschloß. Seine Bemühung, das Pflanzensystem auf eine natürlichere Grundlage zu stellen, rief, als seine letzte litterarische Arbeit, die 1820 publicirte kleine Monographie hervor: „De plantarum classificatione naturali, disquisitionibus anatomicis et physiologicis stabilienda commentatio.“ Er verfocht hierin die Ansicht, daß bei [333] der Systembildung die Botaniker, ähnlich wie die Zoologen zu Werke gehen müßten und zwar auf Grund einer vergleichenden anatomischen und physiologischen Betrachtungsweise der einzelnen Pflanzenkörper, nicht nur einseitig nach äußerlichen Merkmalen. Dadurch entstände ein Index, aber kein System. Nach einer Kritik der bisherigen Systeme folgt nun auf drei Tabellen ein nach diesen Grundsätzen durchgeführter Entwurf einer Eintheilung der Pflanzen. Freilich fehlt der schwierigste Theil, die Classification der Dicotyledonen. An der beabsichtigten weiteren Ausführung hinderte ihn sein bald darauf erfolgtes unglückliches Ende. Mit zoologischen Arbeiten beschäftigte sich S. schon in Paris. Einen französisch geschriebenen Aufsatz über die Schildkröten legte er der dortigen Akademie vor. Die Arbeit erschien indessen in dieser Form nicht im Druck, wurde vielmehr von ihm später benutzt, als er in Königsberg eine Dissertation zu schreiben hatte und findet sich als „Prodromus monographiae Cheloniorum“ im Königsberger Archiv vom Jahre 1812. Endlich arbeitete S. auch über die Korallen, worüber er eine anatomisch-physiologische Untersuchung verfaßte, die er einer Arbeit: „Betrachtungen auf naturhistorischen Reisen“ einfügte. Sie erschien mit einem Anhange, Bemerkungen über den Bernstein, 1819 unter Beigabe von 12 Tabellen.

Joh. Salomo Chr. Schweigger, Bruchstücke aus dem Leben des als Opfer seiner Wissenschaft gefallenen Dr. Aug. Fr. Schweigger, 1830. – Pritzel, thes. lit. bot.