ADB:Lassenius, Johannes

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Artikel „Lassenius, Johann“ von Carsten Erich Carstens in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 17 (1883), S. 788–790, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Lassenius,_Johannes&oldid=- (Version vom 19. Oktober 2019, 19:36 Uhr UTC)
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Lassenius: Johann L., berühmter Prediger und ascetischer Schriftsteller, war geboren zu Waldau in Pommern am 26. April 1636, wo sein Vater derzeit [789] Prediger war, nachher in Danzig. Die Familie leitete ihre Abstammung her von einem adligen polnischen Geschlecht v. Laczinsky. Von Privatlehrern vorbereitet, bezog er 1650 die Schule in Stolpe, nachher die Gymnasien in Danzig und Stettin. Aus dieser Zeit sind schon drei lateinische Disputationen von ihm gedruckt. Hierauf studirte er von 1655 an auf der Universität Rostock, wo er sich besonders angezogen fühlte von dem bekannten Verfasser der geistlichen Erquickstunden, des himmlischen Liebeskusses etc., Dr. Heinrich Müller, dessen Schüler er im eigentlichen Sinne Zeit seines Lebens geblieben ist. Nach Absolvirung des akademischen Trienniums führte er einen Danziger Patriziersohn auf Reisen durch Holland, Frankreich, England. In Paris erwarb er sich die Gunst des Cardinals Mazarini, in England ward er mit Milton bekannt. Nach Beendigung dieser Reise trat er in derselben Weise eine zweite an, die ihn auch nach Portugal, Spanien und Italien führte. In Rom ward Cardinal Farnerio sein Gönner. Aus dieser Zeit stammen u. A. seine „Adelige und bürgerliche Tischreden“, Nürnberg 1661 und 1662. Er fand nun Anstellung als Custos an der kurfürstlichen Bibliothek in Berlin, aber schon nach einem Jahr erlangte er ein kurfürstliches Stipendium, um seine Studien auf verschiedenen Universitäten fortzusetzen. In Straßburg promovirte er zum Magister artium und ließ sich dann in Nürnberg nieder. Er sah es jetzt als seine Lebensaufgabe an gegen die Papisten und namentlich gegen die Jesuiten in Wort und Schrift zu wirken. Dadurch zog er sich natürlich den Haß dieser zu und sie brachten es auch dahin, daß er gefangen genommen und vor den Kaiser gestellt wurde. In dieser Gefangenschaft hat er viel gelitten. Er wurde, da er seinem evangelischen Glauben treu blieb und nicht widerrufen wollte, immer strenger behandelt. Endlich da er nahe der türkischen Grenze gebracht, gelang es ihm die Flucht zu ergreifen. Er pilgerte nun umher und nach einer Nachricht soll er während dieses Wanderlebens eine Zeitlang selbst als Schauspieler der Traul’schen Gesellschaft angehört haben (vgl. Dr. H. Schröder, Versuch eines Beweises, daß Johann Lassenius doch Schauspieler gewesen, Schleswig-Holstein-Lauenburgische Provinzialberichte 1834, 168). Nach allerlei Umzügen war er nach Helmstädt gekommen und hier durch den bekannten Calixt auf dessen engeres Vaterland Schleswig-Holstein aufmerksam gemacht. Hier fand er endlich in der Stadt Itzehoe 1666 Anstellung als Rector an der Stadtschule und Prediger an der St. Nicolaikapelle. Er verfaßte hier eine Menge Schulschriften und erwarb sich den Grad eines Licentiaten der Theologie auf der Universität Greifswald. Besonders trat hier seine Begabung als Prediger hervor und als der König von Dänemark Friedrich III. ihn auf der Reise hier hatte predigen hören, wünschte er ihn zu seinem deutschen Hofprediger. Doch lehnte L. diese Ehre ab. Als aber der königliche Statthalter Detlev Rantzau ihn zum Hauptpastor in Barmstedt und Propst seiner Reichsgrafschaft berief, glaubte er dem Rufe folgen zu müssen und hat er hier mit großem Segen gewirkt. 1676 folgte er, nachdem er erst abgelehnt, dem an ihn ergangenen Ruf als Prediger an die deutsche Petrikirche in Kopenhagen. Im folgenden Jahre ernannte ihn die Universität Greifswald zum Dr. theol. und im darauf folgenden Jahre ward er zugleich zum Professor an der Universität in Kopenhagen ernannt. (Die Vorlesungen wurden in lateinischer Sprache gehalten.) Er hat hier einen großen Wirkungskreis gefunden. Die Petrikirche mußte wegen des Zudrangs der Zuhörer durch einen Anbau erweitert werden. Spätere Vocationen hat er abgewiesen und verblieb hier bis an sein Ende, das am 22. August 1692 erfolgte, da er erst 56 Jahre alt war. L. besaß eine außergewöhnliche äußere Beredtsamkeit, wodurch er immer mehr Zuhörer anzog. Er rügte freimüthig die Fehler seiner Zeit und war ein starker Bußprediger. Dem König selbst sagte er: Wollt Ihr ein Herodes [790] sein, so bin ich Johannes. Es ist eine große Reihe von Predigten und Erbauungsschriften von ihm gedruckt und werden noch immer wieder gedruckt. Lober’s Auszug aus seinen Predigten: „Sonn- und festtägliche Frühglocke“, 1714, ist wiederholt abgedruckt, zuletzt bei Wohlgemuth in Berlin 5. Auflage. Seine Passionspredigten 1696 sind von Dr. Kahnis Leipzig 1857 neu herausgegeben. Der Herausgeber bemerkt in der Vorrede: daß der Verfasser bewundernswürdig in der Schrift heimisch, in der Lehre fest und treu, im Herzen warm und tief, an Gedanken reich, in der Darstellung kernhaft sei, wird jeder Leser inne werden. Weit verbreitet, zum Theil noch, ist sein Andachtsbuch „Biblischer Weihrauch“, neu gedruckt Herrmannsburg 1878. Von dem christlichen Verein im nördlichen Deutschland ist veranstaltet: „Perlen aus J. Lassenius’ Perlenschatz“, neu geordnet von J. M. Schubert 1858, 2 Bde. Auch als geistlicher Liederdichter hat L. sich bekannt gemacht, von seinen 56 Liedern sind nach Koch 26 in Gesangbücher aufgenommen. Auch A. Knapp (Liederschatz) und Pressel (Die geistliche Dichtung) geben Proben derselben. Großartig war seine Wohlthätigkeit und Freigebigkeit, schon in Itzehoe und nachher auch in Kopenhagen, so daß er selbst oft entbehren mußte. Insbesondere verstand er es auch Andere zum Geben zu bringen und seine Kirchencollecten waren immer reichlich, haben mitunter Tausende gebracht.

Vgl. Molleri Cimbria litt. II, 459. Knickbein in Schlesw.-Holst.-Lauenb. Provinzialberichte 1834, 3, 396. Koch, Gesch. d. Kirchenliedes, 3. Aufl. 1868, V. 536. Carstens, Erinnerung an Dr. J. Lassenius in Beweis des Glaubens, 1876, Bd. XII. S. 449–60.