ADB:Laurentius von Schnüffis (1. Artikel)

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Artikel „Laurentius von Schnifis“ von Georg Westermayer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 18 (1883), S. 65, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Laurentius_von_Schn%C3%BCffis_(1._Artikel)&oldid=- (Version vom 18. September 2019, 12:29 Uhr UTC)
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Band 18 (1883), S. 65 (Quelle).
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Laurentius von Schnifis[WS 1], geistlicher Dichter, mit seinem eigentlichen Namen Johann Martin geheißen, welchen er späterhin anagrammatisch in „Mirant“ verkehrte, war geboren zu Schnifis in Vorarlberg am 24. August 1633. Mit Glücksgütern nicht gesegnet, verließ er früh die Heimath, besuchte als fahrender Schüler mehrere deutsche Städte, mit Musik und Reimkunst seinen Unterhalt suchend, verdingte sich in Wien an einen Theaterunternehmer und kam endlich, von einem glücklichen Stern geführt, nach Innsbruck, wo er am Hoftheater des Erzherzogs Ferdinand Karl ein Engagement fand. In dieser Stellung schwang er sich binnen Kurzem zu Besitz und Ehren empor, allein der frühe Tod des genannten Fürsten (1662) brachte seinem Lebensgange eine unerwartete Wendung. Von tiefer Schwermuth erfaßt, wie Laurentius selbst in einer seiner Dichtungen schildert, entsagte er der Bühne, studirte Theologie und wurde Priester. In der Folge begab er sich in das Noviziat des Kapuzinerklosters in Zug, woselbst er am 10. August 1665 das Ordenskleid empfing. Fortan wirkte er in mehreren Klöstern der vorderösterreichischen Ordensprovinz als Seelsorger und Prediger, oblag jedoch nebenbei mit Eifer der Poesie und Musik, wie seine zahlreichen gedruckten Dichtungen und Compositionen genugsam beweisen. Die gelehrten Pegnizschäfer, zumal Sigmund von Birken und Georg Phil. Harsdörffer schwebten ihm als Muster vor; doch übertraf er sie an Phantasie und Gefühlstiefe bedeutend. Kaiser Leopold I., der eines seiner Werklein (Mirantische Mayenpfeiff) selbst zu lesen sich herabließ, begabte ihn mit dem Ehrentitel eines poeta laureatus. An seinem Todestage ließ er sich noch eines seiner Lieder von den Freuden des Himmels unter Saitenspiel vortragen; am Claviere sitzend, starb er zu Constanz am 7. Januar 1702. Sein erstes und zugleich sein Hauptwerk: „Mirantisches Flötlein, Oder Geistliche Schäfferey, in welcher Christus unter dem Namen Daphnis die in den Sündenschlaff vertieffte Seel Clorinda zu einem besseren Leben aufferwecket“, Constanz, bei David Hauff, 1682, ist dem Bischof Emerich Sinelli von Wien gewidmet. Die weiteren Dichtungen des Autors sind bei Goedeke I, 476 aufgezählt; doch fehlt dort das Gebetbuch „Viel-färbige Himmels-Tulipan“, 5. Aufl., Einsiedeln 1753, das großentheils in Reimen geschrieben ist.

Romualdus Stockacensis, hist. Prov. Ant. Austriae Fr. M. Capuccinorum Campod. 1747, p. 324–25. Vorarlberger Volksblatt, Jahrgang 1873, Nr. 78–97.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Über diese Person existiert in Band 32 ein weiterer Artikel.