ADB:Lehmus, Theodor

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Artikel „Lehmus, Theodor“ von Karl Buchrucker in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 18 (1883), S. 149, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Lehmus,_Theodor&oldid=- (Version vom 19. Juli 2019, 23:29 Uhr UTC)
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Lehmus: Adam Theodor Albert Franz L., Dekan und Stadtpfarrer an der St. Johanniskirche zu Ansbach, gehört zu denjenigen Männern, welche das Bedürfniß, die Theologie wissenschaftlich zu begründen und zu erneuern, immer tiefer in die christliche Heilserkenntniß geführt hat, und welchen so die neuere Philosophie eine Brücke zum positiven Christenthum geworden ist. Er entstammte der in der ehemaligen Reichsstadt Rothenburg in Mittelfranken heimischen, angesehenen und verdienten Familie Lehmus und war der Enkel des durch seine „Jesuslieder“ bekannten, 1788 gestorbenen Superintendenten Johann Adam L. (s. o.). Sein Vater, Christian Balthasar, war vorübergehend Gymnasiallehrer in Soest (Westfalen), dann Rector des Gynmasiums in Rothenburg und zuletzt Pfarrer zu Wettringen und Adelshofen, wo er 1814 starb. Theodor L., das älteste Kind unter vier Geschwistern, war noch zu Soest am 2. December 1777 geboren, besuchte 1796 die Universitäten Halle und Jena und wurde schon 1800, 23 Jahre alt, zum Condiaconus an die evangelische Kirche zu Dinkelsbühl berufen. Gemüth und Denken befinden sich in ihm in wogender Gährung, als er sein Amt beginnt. Von Haus aus positiv erzogen, war er durch die Kant’sche Philosophie zu sittlichem Ernste geführt, von der Fichte’schen ideal angehaucht worden, so daß er, ohne die Historien des Christenthums zu leugnen, einem religiösen Idealismus auf rationalistischer Grundlage huldigte. Die Religion ist ihm noch Erhebung des endlichen Geistes zum Bewußtsein des Unendlichen. Aber seine Liebe zu Christus, seine Hingabe an seinen Beruf, das Gebet führen ihn immer tiefer. Seine philosophischen Studien setzte er fort, als er 1807 in der Eigenschaft eines Diacons nach Ansbach übergesiedelt war. Schelling, Daub, Marheineke, später auch Hegel beschäftigten und fesselten ihn unablässig; von ihrem Dienste hoffte er eine vernünftige Begründung der christlichen Heilswahrheiten. Diesen Standpunkt vertritt er in seinen Schriften: „Was heißt nach dem Bedürfniß der Zeit predigen?“, 1813; „Der Protestantismus“, 1817, und „An Herrn Archidiakonus Harms“, 1819. Er leugnet den Gegensatz zwischen Vernunft und Offenbarung, zwischen Rationalismus und Supranaturalismus und erklärt die Philosophie für das zum vollendeten Bewußtsein erhobene Christenthum. Harms antwortet ihm: „Daß es mit der Vernunftreligion nichts ist“, 1819. Aber da L. alles im Interesse des positiven Christenthums thut, kommt er demselben immer näher. Seine fortgesetzte Vertiefung in die heilige Schrift, das Studium Luthers und der Symbole, die Bekanntschaft mit Friedr. v. Meyer, Claudius, Hamann, Schubert, Steffens bieten ihm die Mittel zur richtigen Unterscheidung von Theologie und Philosophie. Vollzog sich auch sein Wirken in einem engeren Kreise, so hatte es doch vielseitige Anregung zur Folge. Seine zahlreichen litterarischen Publikationen, meist aus Synodalvorträgen entstanden, haben keine Bedeutung mehr; aber er selbst steht in der baierischen Landeskirche in gutem Andenken. Sein Entwickelungsgang ist ausführlich dargelegt von seinem Schwiegersohne Thomasius: „Wiedererwachen des evangelischen Lebens in der lutherischen Kirche Baierns“, Erlangen 1867, S. 204. Er starb am 18. August 1837 auf einer Reise zu Nürnberg.