ADB:Lengerke, Alexander von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Lengerke, Alexander von“ von Carl Leisewitz in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 18 (1883), S. 251–252, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Lengerke,_Alexander_von&oldid=- (Version vom 26. April 2019, 10:31 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Lengerich, Heinrich
Band 18 (1883), S. 251–252 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Alexander von Lengerke in der Wikipedia
GND-Nummer 116900202
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Kopiervorlage  
* {{ADB|18|251|252|Lengerke, Alexander von|Carl Leisewitz|ADB:Lengerke, Alexander von}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=116900202}}    

Lengerke: Dr. Alexander von L., königl. Preußischer Landes-Oekonomierath, Generalsecretär des preußischen Landesökonomie-Collegiums und namhafter landwirthschaftlicher Schriftsteller, † zu Berlin am 23. Decbr. 1853. – In seiner Vaterstadt Hamburg, wo er am 30. März 1802 geboren war, hatte er zunächst eine für den Marinedienst berechnete Schulung erhalten, er trat dann eine Seereise nach Nordamerika und Westindien an, um sich in der Nautik weiter auszubilden. Die auf dieser Reise gemachten Erfahrungen und andere Gründe bestimmten ihn jedoch, den seemännischen Beruf aufzugeben und sich später der Landwirthschaft zu widmen. Nachdem er einige Jahre auf Landgütern in Schlesien und Holstein als angehender Landwirth funktionirt und verschiedene landwirthschaftlich beachtenswerthe Districte Deutschlands bereist hatte, nahm er noch einen längeren Aufenthalt bei seinem Freunde und Lehrer Prof. Karsten in Rostock und führte von dort einen schon länger gehegten Plan aus, indem er für sich das bei Wismar gelegene Gut Wiesch zur Herbeiführung einer geregelten landwirthschaftlichen Thätigkeit käuflich erwarb. Als er dies Gut nach einer kleinen Reihe von Jahren in einen trefflichen Culturzustand versetzt hatte, suchte er sich einen größeren Wirkungskreis und übernahm zu diesem Zwecke eine Pachtung in Holstein. Nach Ablauf derselben gab er die landwirthschaftliche Praxis auf, unternahm zum zweiten Male eine Instruktionsreise durch Deutschland und stellte sich die Aufgabe einer litterarischen Bearbeitung seiner vielseitigen Erfahrungen, Beobachtungen und sonstigen Fachstudien. In dieser Absicht ließ er sich als Literat in Lübeck nieder. Schon früher durch seine Schrift: „Darstellung der schleswig-holsteinischen Landwirthschaft“ (2 Bde., 1826) vortheilhaft bekannt geworden, wußte er durch die Herausgabe eines umfassenden Werkes, welches als „landwirthschaftliches Conversationslexikon“ in 4 Bänden (Prag 1835–38) erschien und später durch Supplementbände ergänzt wurde, seinen reichen Kenntnissen eine gute Anwendung zu geben. Auch die nächstfolgenden Schriften, wie seine „Schilderung der Reise durch Deutschland mit besonderer Beziehung auf Ackerbau und Industrie“ (1839) und die „Landwirthschaftliche Statistik der deutschen Bundesstaaten“ (2 Bde., 1840), worin die Früchte seiner Reisestudien niedergelegt waren, ferner seine „Darstellung der mecklenburgischen Pferdezucht“ (1840) und die „Anleitung zum praktischen Wiesenbau“ (1. und 2. Auflage, 1841/44) trugen wesentlich dazu bei, ihm als Schriftsteller selbst in unterrichteten landwirthschaftlichen Kreisen einen geachteten Namen zu verschaffen. Solchen Erfolgen verdankte er weiter einen Ruf an das Collegium Carolinum zu Braunschweig als Professor für Landwirthschaft und Oekonomierath, welche Stellung er zwar 1841 antrat, aber schon bald wieder mit einem größeren Wirkungskreise vertauschen konnte. Denn bereits im Jahre darauf folgte er einem Rufe nach Berlin, um dort als königl. preußischer Landes-Oekonomierath in der Eigenschaft des Generalsecretärs und ordentlichen Mitgliedes des preußischen Landes-Oekonomie-Collegiums zu wirken. Mit diesem Amte war ihm die Redaction der von dem Präsidium jenes Collegiums herausgegebenen „Annalen der Landwirthschaft in den königl. preußischen Staaten“ übertragen, womit er auch bis zu seinem Ende sich befaßt hat. Außerdem sah er sich auch als Vertreter jener Corporation zu regelmäßig wiederkehrenden amtlichen Reisen veranlaßt, auf welchen er informatorische Zwecke im Interesse der Landescultur mittels statistischer Aufnahmen etc. zu verfolgen hatte. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen publicirte er in seinen allgemein geschätzten „Beiträgen zur landwirthschaftlichen Statistik des preußischen Staates“ (4 Bde., 1844–52), auch lieferte er in dem Werke: „Die ländliche Arbeiterfrage“ (1849) eine Zusammenstellung der aus den verschiedenen Theilen der Monarchie eingezogenen amtlichen Berichte über die Verhältnisse der ländlichen Arbeiter in [252] Preußen. Obschon durch seine dienstlichen Funktionen vielfach in Anspruch genommen, gab er die freie litterarische Thätigkeit nicht auf, sondern suchte damit noch eine Förderung specieller landwirthschaftlicher Zwecke zu erreichen. So schrieb er mehrere zum Theil in wiederholten Auflagen erschienene Monographien, wie „Die Heckenzucht“, „Der Maisbau“ und „Preußens Kardenbau“ (1850 bis 1852) und begründete mit seinem Freunde Mentzel einen zuerst 1847 herausgegebenen „Landwirthschaftlichen Kalender“, welcher bis auf den heutigen Tag unter Benennung nach seinen beiden Gründern fortgeführt wird. v. L. war durch seine umfassenden Kenntnisse und Erfahrungen, durch unermüdlichen Fleiß wie durch seine große Fertigkeit und Freudigkeit im Arbeiten an der ihm in Berlin eingeräumten Stelle bald der Hauptträger der Wirksamkeit des Landes-Oekonomie-Collegiums geworden und konnte als solcher auch der vollen Anerkennung sich erfreuen. Es mußte deshalb auch die durch seinen frühen Tod entstandene Lücke um so schmerzlicher empfunden werden, als er während seiner letzten Lebensjahre von schweren Schickungen mehrfach getroffen war und in einem harten Kampfe zwischen bitteren Herzensqualen und einer fast krampfhaft gesteigerten Arbeitsthätigkeit nach Aufrichtung gerungen hatte, bis er zuletzt nach dem Hinzutreten einer Krankheit unterliegen sollte.

Vgl. Annalen der Landwirthschaft in den königl. preußischen Staaten, Jahrgänge 1848–54 und die Schlesw.-Holst. Schriftstellerlex. von Lübker, Schröder und Alberti.