ADB:Alberti, Eduard

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Artikel „Alberti, Eduard Christian Scharlau“ von Johann Saß in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 45 (1900), S. 730–731, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Alberti,_Eduard&oldid=- (Version vom 26. April 2019, 04:23 Uhr UTC)
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Alberti: Eduard Christian Scharlau A., wurde am 11. März 1827 in Friedrichstadt a. d. Eider geboren. Er besuchte die Schulen seiner Vaterstadt, erlernte von 1844 bis Ostern 1848 in Rendsburg das Buchdruckerhandwerk, trat dann in die Prima der Husumer Gelehrtenschule ein, die er 1850 verließ, um in Kiel, hauptsächlich unter Forchhammer’s Leitung, classische Philologie zu studiren. Ostern 1854 bestand er das Schulamtsexamen, war darauf zwei Jahre lang Hauslehrer beim Grafen Magnus v. Moltke auf Grünholz in Schwansen, promovirte im Juli 1856 zum Dr. phil. und habilitirte sich nach einem längeren Aufenthalt in Kopenhagen im Herbst 1857 in Kiel als Privatdocent. Gleichzeitig wurde er Hülfsarbeiter an der Universitätsbibliothek und erhielt 1868 die Stelle des zweiten Custos daselbst. Nachdem ihm 1893 der Titel als Professor verliehen war, trat er am 1. April 1894 in den Ruhestand. Seine letzten Lebensjahre verlebte er in Voorde bei Kiel, wo er am 28. Februar 1898 starb.

Alberti’s Leben war reich an Arbeit und Mühe, aber es fehlte ihm auch nicht an schönen Erfolgen und guten Früchten von bleibendem Werth. Eine vielseitig begabte Natur entfaltete er auf den verschiedensten Gebieten eine überaus rege schriftstellerische Thätigkeit, der er mit hingebendstem Fleiß und größter Treue alle seine Mußestunden widmete. Die philosophische Wissenschaft verdankt ihm eine Anzahl gründlicher Untersuchungen zur Geschichte der griechischen Philosophie. Erwähnt seien „Die Frage über Geist und Ordnung der Platonischen Schriften beleuchtet aus Aristoteles“ (Leipzig 1864) und „Sokrates. Ein Versuch über ihn nach den Quellen“ (Göttingen 1869). In letzterem Werke vertritt A. im ganzen den Standpunkt Schleiermacher’s und Ritter’s, den er jedoch vielfach weiter ausführt. Die Aufgabe, den Sokrates in das richtige Licht zu seinen philosophischen Vorgängern und Zeitgenossen zu stellen, ist hier in scharfsinniger Weise mit vielem Glück gelöst. Zu diesen beiden größeren Arbeiten kommen zahlreiche kleinere Abhandlungen für eine ganze Reihe von Zeitschriften und viele Recensionen. Um die Geschichte der geistigen Cultur seiner engeren Heimath hat A. sich ein bleibendes Verdienst erworben durch sein „Lexikon der Schleswig-Holstein-Lauenburgischen und Eutinischen Schriftsteller“. Dasselbe schließt sich zeitlich an das Schriftstellerlexikon von D. L. Lübker[WS 1] und H. Schröder an, das die Jahre von 1796 bis 1828 behandelt. Es umfaßt den Zeitraum von 1829 bis 1882, und zwar reicht das Hauptwerk (Abthlg. 1, Kiel 1867; Abthlg. 2, ib. 1868) von 1829 bis Mitte 1866, das Supplement (Bd. 1, Kiel 1885; Bd. 2, ib. 1886) von 1866 bis 1882. Ueber zwanzig Jahre ist A. für dieses Werk rastlos thätig gewesen. Es war keine leichte Aufgabe, die ungeheure Menge biographischen und bibliographischen Materials, das zum Theil weit verstreut und schwer erreichbar war, zu sammeln, zu sichten und für den Druck zu bearbeiten. Aber der Verfasser scheute keine Mühe, sein Fleiß überwand alle Schwierigkeiten, und so hat er mit seinem Lexikon ein grundlegendes Quellen- und Nachschlagewerk von höchstem Werthe geschaffen, auf das alle späteren Forschungen zur Geschichte des geistigen Lebens in Schleswig-Holstein während des 19. Jahrhunderts immer zurückkommen werden. In diesen Zusammenhang gehören auch Alberti’s Beiträge zur Allgemeinen Deutschen Biographie, für deren die Buchstaben B bis E umfassende Bände er eine Anzahl kleinerer Artikel geliefert hat. Eine ebenso verdienstvolle wie mühselige Arbeit ist auch das von ihm angefertigte „Register über die Zeitschriften und Sammelwerke für schleswig-holstein-lauenburgische Geschichte“ (Kiel 1873). – Zu den wissenschaftlichen Leistungen Alberti’s gesellt sich die lange Reihe seiner poetischen Erzeugnisse. Dichterisch reich veranlagt hat er die Poesie zeitlebens eifrig gepflegt. Kleinere und größere belletristische Beiträge von ihm finden sich in großer Menge in [731] vielen Zeitungen und Zeitschriften. Eine besondere Begabung besaß er für die Jugendschriftstellerei. Hier wußte er aus der Tiefe seines eigenen kindlichen Gemüthes heraus den warmen Ton zu treffen, der die Kindesseele packt. Dabei strebte er unter Vermeidung des allzu lehrhaften Elementes immer nach künstlerischer Gestaltung des Stoffes. Seine Art zu erzählen war stets interessant. Er verstand es, die Phantasie anzuregen und Begeisterung zu wecken. Alberti’s Jugendschriften – eine der besten ist die Erzählung „Markus Charinus, der junge Christ von Pompeji“ (Leipzig 1872) – gehören zum Eigensten, was er geben konnte. Unter seinen übrigen Dichtungen verdient „Die Geramundssage“ (Kiel 1879) hervorgehoben zu werden, in der, wie Theodor Storm schreibt (vgl. Kieler Zeitung, Morgenausgabe vom 9. Februar 1879) „die Umrisse der Landschaft und die Gestalten der Menschen wie von dem Lichte eines ersten Frühlingsmorgens umflossen sind“. Alberti’s letzte Arbeit und letzte Freude war die Herausgabe seiner gesammelten Gedichte zusammen mit denen seines Bruders Leopold Alberti. Sie erschienen kurz vor seinem Tode unter dem Titel „Gedichte zweier Brüder“ (Garding 1898).

Vgl. Alberti, Schriftstellerlexikon, 1829–1866, Abth. 1, S. 6–7 und 1866–1882, Bd. 1, S. 5–8, wo sich auch eine bibliographische Uebersicht über die sämmtlichen Schriften des Verfassers findet.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Detlev Lorenz Lübker (1773–1852), Compastor in Husum, Vater Friedrich Heinrich Christian Lübkers.