ADB:Linsingen, Karoline von

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Artikel „Linsingen, Karoline von“ von Bernhard von Poten in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 18 (1883), S. 723–724, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Linsingen,_Karoline_von&oldid=- (Version vom 26. April 2024, 06:41 Uhr UTC)
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Linsingen: Karoline von L., eine wegen ihrer wunderbaren Schicksale merkwürdige Frau, wurde am 27. November 1768 zu Hannover geboren. Ihr Vater, der kurhannoversche General Wilhelm von L., stand in nahen Beziehungen zum englischen Hofe und namentlich zur Königin Sophie Charlotte, einer mecklenburg-strelitzischen Prinzessin, welche er bei ihrer Vermählung mit König Georg dem dritten im J. 1761 nach England geleitet hatte. Eine Folge hiervon war, daß beider Sohn, der Herzog von Clarence, später König Wilhelm IV., als er, etwa fünfundzwanzigjährig, zu längerem Aufenthalte nach Hannover kam, viel im Hause des Generals verkehrte. Zwischen ihm und Caroline entspann sich bald ein Liebesverhältniß und am 21. August 1791 wurde in einer Waldkapelle bei Pyrmont ihre Ehe durch einen schottischen Geistlichen, Namens Parsons, im Beisein weniger Vertrauten eingesegnet. Erst nach Jahresfrist entdeckten sie den beiderseitigen Eltern ihr Verhältniß. Von England aus wurde sofort gestrebt, die Ehe als nichtig hinzustellen und das Band wieder zu lösen. Aber sie war vollkommen gültig und nur mit beider Gatten Einwilligung konnte sie getrennt werden. Man bestürmte den schleunigst nach England zurückberufenen Prinzen, die seine zu geben und zu gleichem Zwecke auf Caroline einzuwirken; er machte seine Zustimmung vom Willen seiner Gemahlin abhängig und diese trat, den Verhältnissen Rechnung tragend, freiwillig zurück. Kinder waren nicht vorhanden. Nach einigen Jahren erkrankte Karoline lebensgefährlich, sie verfiel in einen Starrkrampf und sollte beerdigt werden; da vertheidigte an ihrem Sarge ein junger Arzt, Dr. Meinecke, aus Hildesheim gebürtig, energisch die Ansicht, daß sie nur scheintodt sei. Sein Auftreten rettete ihr das Leben und kurze Zeit darauf reichte sie ihm ihre Hand. Aber die äußere Lebenslage des Paares war wenig günstig; auch in Berlin, wo Dr. Meinecke, in der Hoffnung lohnendere Beschäftigung zu finden, sich niedergelassen hatte, besserte sie sich nicht und Meinecke mußte froh sein durch eine Anstellung auf den Hüttenwerken des Altgrafen Salm zu Blansko in Mähren seinen Lebensunterhalt gesichert zu sehen. Hier ist Karoline, mit der Liebe für William Clarence im Herzen, aber seine materielle Unterstützung verschmähend, am 31. Januar 1815 gestorben. Meinecke ward späterhin Kustos des naturhistorischen Museums in Brünn und hat dort bis etwa 1832 gelebt. Karolinen’s Schicksale sind erst durch die unten angeführte Quelle bekannt geworden; die Erinnerung an dieselben war auch in [724] ihrer engeren Heimath durch die gewaltigen Veränderungen und die großen Ereignisse, welche den Jahren folgten, in denen sie sich abspielten, gänzlich verschwunden. Die Erzählung der Vorgänge und die mitgetheilten schriftlichen Ergüsse gewähren zugleich einen interessanten Einblick in das Seelenleben der damaligen Zeit.

Caroline v. Linsingen, die Gattin eines englischen Prinzen. Ungedruckte Briefe und Abhandlungen aus dem Nachlasse des Freiherrn K. v. Reichenbach herausgegeben und mit einer Einleitung versehen von * * *. Leipzig 1880.