ADB:Lippold

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Artikel „Lippold“ von Ernst Friedländer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 18 (1883), S. 737, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Lippold&oldid=- (Version vom 23. Juli 2019, 01:37 Uhr UTC)
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Lippold: L., Münzmeister des Kurfürsten Joachim II. von Brandenburg, stammt aus Prag, wo sein Vater Judel Hluchim und sein Bruder Pinkas um 1558 gelebt haben. L. scheint um 1550 nach der Mark gekommen und ein geschickter Mann gewesen zu sein; jedenfalls machte er sich dem Kurfürsten in dessen zahlreichen Geldverlegenheiten nützlich und wurde am 24. Januar 1556 mittelst feierlicher Urkunde zum Aufseher über die Münze und über die übrigen zur Lieferung von Silber an die kurfürstliche Münze verpflichteten Juden ernannt. Am 25. Juli 1564 wird ihm und den übrigen Berliner Juden aufs Neue ein Geleitsbrief ausgestellt. Durch wucherische Geschäfte und Mißbrauch seines Einflusses machte er sich in der Residenz verhaßt und so war es leicht, bei dem plötzlichen Tode des Kurfürsten (3. Januar 1571) L. der Zauberei und der Vergiftung des Kurfürsten anzuklagen. Er wurde gefangen gesetzt und erfolglos verhört, seine Bücher und Papiere ergaben keine erschwerenden Umstände, die Vernehmungen über die angebliche Zauberei, die Untersuchung der vermeintlichen Zauberbücher hatten keinen Erfolg, eine Vergiftung seines Herrn konnte nicht konstatirt werden. Dennoch blieb er über 2 Jahre hindurch gefangen und erst am 16. Januar 1573 begann die Schlußverhandlung. Da er nichts bekannt hatte und seine Schuld durch nichts erwiesen war, griff man zu energischen Mitteln, man führte ihn vor den Scharfrichter, der sich anschickte ihn zu foltern. Diesem gegenüber, den er bittet ihn nicht zu torquiren, sagt er von Angst vor der Folter getrieben, auf ausdrückliches Befragen, daß er seit 15 bis 16 Jahren ein Zauberbuch besitze, und beschreibt dann auf 30 Fragen in ebenso vielen Antworten die Zaubereien. Die 34. Frage nach dem Tode des Kurfürsten beantwortet er durch eine Schilderung der vorgenommenen Vergiftung, beschreibt den Gifttrunk und giebt als Grund dafür an, daß eine Untersuchung nach einer abhanden gekommenen schweren goldenen Kette, die er dem Kurfürsten gestohlen habe, ihm unbequem gewesen sei. Um dieses erzwungene Geständniß festzuhalten, wurde nun L. „mit meßiger Scherffe angrieffen und hat auf alle Punkto verharret“. Am Tage darauf ist er ebenfalls bei seinen Aussagen verblieben, aber am 28. Januar hat er feierlich alles zurückgenommen. Doch nun half es ihm nichts mehr, er wurde scharf gefoltert, „daß ihm das Blut zum Halse ausgeloffen“, bekannte darauf sogleich wieder alles was man wollte und wurde noch an dem nämlichen Tage in grausamster Weise auf dem neuen Markte zu Berlin hingerichtet, sein Leichnam wurde geschändet und zerstückelt, der Kopf auf das Georgenthor gepflanzt. Die Akten ergeben nicht den geringsten Anhalt für seine Schuld. Dennoch mußten seine Glaubensgenossen mit büßen: Alle Juden wurden aus der Mark vertrieben; und als der Kaiser Maximilian durch ein Schreiben vom 10. Febr. 1574 sich beim Kurfürsten Johann Georg für die Wittwe und Kinder Lippolds verwendet, lehnt der Kurfürst jede Fürsprache für die Familie des Zauberers und Mörders seines Vaters entschieden ab.

Nach den Akten des Geheimen Staats- und Geheimen Hausarchivs.