ADB:Loß, von

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Artikel „Loß, von“ von Heinrich Theodor Flathe in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 19 (1884), S. 215–216, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Lo%C3%9F,_von&oldid=- (Version vom 16. September 2019, 05:01 Uhr UTC)
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Loß: v. L. Drei Mitglieder dieses meißnischen, seit Mitte des 16. Jahrhunderts vorkommenden und in der Umgegend von Dresden angesessenen Adelsgeschlechts, sind bis zu der Würde eines kursächsischen Cabinetsministers emporgestiegen:

Johann Adolf v. L., zweiter Sohn des sachsen-weißenfelsischen Premierministers Johann Kaspar v. L., aus dessen Ehe mit Magdalene Sophie v. Ende, geb. am 20. Juni 1690, 1718 kursächsischer Hofmarschall, 1729 Oberstallmeister, 1733–38 Gesandter in London, dann in München, endlich in Versailles, wo er an der Verbindung Sachsens mit Frankreich arbeitete und den geheimen Subsidienvertrag vom 21. April 1746 abschloß. Nachdem er bereits 1741 während des Reichsvicariats nebst seinem jüngeren Bruder Christian in den Reichsgrafenstand erhoben worden war, wurde er 1746 Cabinetsminister, als welcher er am 25. August 1759 starb.

Christian v. L., der jüngere Bruder desselben, geb. am 12. December 1697, kursächsischer Oberconsistorialpräsident, bekleidete seit 1746 den Gesandtschaftsposten am Kaiserhof, gehörte zu den erbittertsten Gegnern Friedrichs des Gr. und starb als Cabinetsminister am 22. August 1770.

[216] Johann Adolf v. L., des letzteren Sohn, geb. am 1. Februar 1731, 1774 Gesandter in Versailles, erhielt am 2. October 1777 nach der Entlassung Osten-Sackens das Departement des Innern im geheimen Cabinet, bis er nach Stutterheim’s Tode 1790 dasselbe mit dem des Auswärtigen vertauschte. Zwar ohne glänzende Eigenschaften, aber rechtlich und uneigennützig, suchte er bei der mit offenem Bruch drohenden Spannung zwischen Oesterreich und Preußen mit mehr Aufrichtigkeit als Geschick ein System der sächsischen Neutralität, nicht ohne Hinneigung zu ersterer Macht, zu befolgen, verhielt sich auch seit 1803, trotz des Argwohns gegen Napoleons Absichten, den preußischen Anerbietungen der Königswürde gegenüber vorsichtig abweisend und wollte auf die von Preußen vorgeschlagene Union nur auf Grund der sächsisch-hessisch-brandenburgischen Erbverbrüderung von 1614 eingehen. Die Schlacht bei Jena würde daher vermuthlich Loß’ Stellung unberührt gelassen haben, wäre nicht eine Depesche des englischen Gesandten in Dresden, Wynn, in französische Hände gefallen, welche entschuldigende Aeußerungen Loß’ berichtete und die Aenderung in der politischen Haltung Sachsens als eine unaufrichtige erscheinen ließ. Den Zorn des Siegers zu beschwichtigen, ertheilte der Kurfürst L. sofort seine Entlassung in der härtesten Weise, ohne Pension; aus Furcht vor Napoleon hat er den Mann, der ihm über dreißig Jahre treu gedient hatte, nie wiedersehen mögen. L. starb am 15. März 1811.