ADB:Loesner, Christoph Friedrich

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Artikel „Loesner, Christoph Friedrich“ von Carl Gustav Adolf Siegfried in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 19 (1884), S. 214–215, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Loesner,_Christoph_Friedrich&oldid=- (Version vom 18. Juni 2019, 23:15 Uhr UTC)
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Loesner: Christoph Friedrich L., geb. zu Leipzig am 11. Juni 1734, Dr. phil. und Prof. extraord. der philologia sacra an der dortigen Universität, [215] 1769, † am 13. Novbr. 1803 (Winer, Handb. der theol. Lit., II, 645). Er hat sich Verdienste um die Erforschung der media et infima graecitas erworben, namentlich desjenigen sprachlichen Stoffes, der in den älteren griechischen Uebersetzern des Alten Testaments, bei Philo und im Neuen Testament vorliegt. In seinen „Observationes ad voces quasdam versionum graecarum veterum interpretum Proverbiorum Salomonis“ (in den Commentationibus theolog. v. Velthusen, Kuinoel u. Ruperti Vol. III, Lips. 1796, p. 270–317) hat er ca. 66 ausgewählte seltene Worte behandelt, welche sich bei Aquila Theodotion und Symmachus in den Bruchstücken ihrer Uebersetzung der Proverbien finden. Die Worte sind alphabetisch geordnet, nach ihren Fundorten bezeichnet und nach ihrer Etymologie besprochen, wobei die Ansichten der älteren griechischen Lexikographen sorgfältige Berücksichtigung finden. Zur Erläuterung der Bedeutung sind zahlreiche Parallelen aus dem griechischen Sprachgebrauch sowol der Classiker als der späteren Schriftsteller beigebracht. Oft ist auch erörtert worden, wie das betreffende hebräische Wort anderweit übersetzt zu werden pflegt. – Die Lexikographen der Apokryphen und des Neuen Testaments können wol auch jetzt noch aus manchen dieser Artikel, wie z. B. aus denen über αἴρω, ἀνταπόδομα, βάρις u. a. Nutzen ziehen. Sehr fleißig sind auch seine „Observationes ad N. T. e Philone Alexandrino“, Lips. 1777, gearbeitet, obwol gesagt werden muß, daß viele dieser Parallelen zu äußerlich und darum von geringem Werthe sind, sowie andererseits Vollständigkeit nicht erreicht ist, vielmehr öfter gerade sehr wichtige Stellen übersehen worden sind. Ueberhaupt hat er mehr nach den äußeren litteralen Anklängen gesucht und darüber die viel werthvolleren sachlichen Berührungen, die zwischen Philo und dem Neuen Testamente stattfinden, übersehen. Bequem ist es für die Benutzung des Buchs, daß jedesmal die zusammentreffenden Ausdrücke mit Uncialbuchstaben gedruckt sind. Die Anordnung ist nach der Reihenfolge der neutestamentlichen Schriften und innerhalb der letzteren nach der Folge der Capitel. – Schließlich wäre noch zu erwähnen sein „Lectionum Philonianarum specimen“, Lips. 1758, in welchem er den philonischen Sprachgebrauch erörtert und dabei besonnener als manche Vorgänger über Philo’s hebräische Sprachkenntnisse urtheilt.

Vgl. im Allgemeinen über Loesner: Siegfried, Philo von Alexandria als Ausleger des Alten Testamentes, 1875, S. 32, 142, 312, 318.