ADB:Lobkowitz, August Longin Fürst von

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Artikel „Lobkowitz, August Longin Fürst von“ von Franz Philipp von Sommaruga in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 19 (1884), S. 46–47, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Lobkowitz,_August_Longin_F%C3%BCrst_von&oldid=- (Version vom 18. September 2019, 16:27 Uhr UTC)
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Lobkowitz: August Longin Fürst v. L., geb. zu Prag am 15. März 1797, trat, noch ehe er seine juristischen Studien in Prag vollendet hatte, in den Staatsdienst, in dem er dem damaligen Oberstburggrafen Grafen Kolowrat, einem Verwandten seines Hauses, im politischen Dienste zugetheilt wurde. Nachdem er im J. 1819 das Majorat der jüngeren fürstlichen Linie angetreten hatte, durchflog er im Sturmschritte die Diensteslaufbahn und ward bereits im J. 1825 zum Vicepräsidenten des galizischen Guberniums, im Jahre darauf, im Alter von kaum 30 Jahren, zum Gouverneur dieser großen und wichtigen Provinz ernannt. Die Aufgabe, die seiner daselbst harrte, war eine außerordentlich schwierige. Die geistigen und materiellen Interessen des Landes waren bisher gründlich vernachlässigt, das Schulwesen kaum in seinen Anfängen entwickelt, die Bildung der unteren Volksklassen dementsprechend auf der untersten Stufe, der Adel erfüllt von nationalen Aspirationen, das Ganze nur durch einen wüsten Polizeidruck nothdürftig zusammengehalten. L. machte sich zunächst die Hebung des Volksschulwesens zur Hauptaufgabe. Daneben trachtete er vorzüglich dahin, durch ein [47] überaus freundliches und die nationale Stimmung des polnischen Adels schonendes Benehmen das Verhältniß dieses Ausschlag gebenden Elementes zur Centralregierung günstiger zu gestalten. Der Ausbruch der Cholera in Galizien gegen Ende 1830, deren Gefahr durch die im Volke wurzelnden Vorurtheile noch erhöht wurde, gab ihm Gelegenheit zu einem überaus wohlthätigen und energischen Wirken, durch das er sich auch wirklich die Sympathie aller Bevölkerungsklassen erwarb. Noch in höherem Grade ward sein Streben, die nationalen Tendenzen des galizischen Adels mit Schonung zu behandeln, bei dem Ausbruch der polnischen Regierung im J. 1831 auf die Probe gestellt. Ohne gerade eine Schwäche gegen die revolutionäre Strömung zu zeigen, die mit Nothwendigkeit auch auf Galizien herübergriff, unterließ er doch energische Maßnahmen, um dem Anschlusse der jüngeren Leute des Landes an dem Befreiungskampfe zu steuern, die denn auch in Schaaren sich an letzterem betheiligten. Durch diese stillschweigende Connivenz und durch die milde Duldung der zahlreichen Flüchtlinge, die nach niedergeschlagenem Aufstande Galizien überschwemmten, gelang es ihm die Ruhe in der ihm anvertrauten Provinz vor jeder wesentlichen Störung zu bewahren und sich die allgemeine Sympathie des Landes zu gewinnen. Seine nachsichtige Haltung, die er in diesem Falle bewies, führte jedoch zu ziemlich ernsten Reclamationen von Seiten des St. Petersburger Cabinets, in Folge deren L., obgleich Metternich im Herzen Rußland nur ungern zu Diensten war, im J. 1832 von seinem Dienstposten abberufen und anfänglich der allgemeinen Hofkammer zugetheilt, bald darauf aber zum Hofkanzler bei der vereinigten Hofkanzlei ernannt wurde. Bei der im J. 1834 eingetretenen Pensionirung des bisherigen Finanzministers Grafen Klebelsberg waren Aller Blicke auf L. gerichtet, der durch seine strenge Rechtlichkeit und durch den Glanz seines Namens alle Eigenschaften zur Uebernahme dieses wichtigen Postens besaß. Zur allgemeinen Ueberraschung wurde jedoch statt seiner der von Kolowrat begünstigte Freiherr v. Eichhof auf den Posten eines Hofkammerpräsidenten berufen und L., um ihm eine theilweise Entschädigung zu gewähren, zum Präsidenten der neugeschaffenen Hofkammer für das Münz- und Bergwesen ernannt. Auch in dieser neuen Stellung bewährte L. seine längst bekannte Energie. Er hob nach und nach die einzelnen Zweige des sehr vernachlässigten Staatsbergbaues, leistete dem Privatbergbau jeden möglichen Vorschub und griff, indem er die Eisenproduktion und Steinkohlengewinnung mächtig förderte, der vaterländischen Industrie kräftig unter die Arme. Auch das österreichische Münzwesen erhielt unter ihm eine wesentliche Umgestaltung, insbesondere durch den Aufbau des neuen Hauptmünzgebäudes in Wien, zu dem er am 2. März 1835 den Grund legte und das er mit trefflichen Maschinen und technischen Einrichtungen ausstattete. Neben seinen sehr beachtenswerthen Leistungen im öffentlichen Staatsdienste war L. auch ein großer Freund und Kenner der Musik. Er unterstützte aufs Großmüthigste bedürftige Künstler, hielt eine vollständige, vortrefflich eingerichtete Musikkapelle und errichtete in seinem Palais in Wien eine musikalische Freischule, aus welcher mancher tüchtige Künstler hervorging. Er starb, ob seines Biedersinnes und seines humanen Wesens allgemein betrauert, am 17. März 1842.

Wurzbach, Biographisches Lexikon, Bd. XV, S. 337 ff.