ADB:Loeffelholz von Colberg, Georg Wilhelm Freiherr

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Artikel „Löffelholz-Colberg, Georg Wilhelm (I.) Reichsfreiherr von“ von Johann August Ritter von Eisenhart in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 19 (1884), S. 88–90, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Loeffelholz_von_Colberg,_Georg_Wilhelm_Freiherr&oldid=- (Version vom 14. November 2019, 10:24 Uhr UTC)
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Löffelholz: Georg Wilhelm (I.) Reichsfreiherr von L.-Colberg, kaiserl. Generalfeldzeugmeister, geb. den 9. Juni 1661 zu Nürnberg, † am 10. August 1719 in Ofen. – Schon in früher Jugend mit dem Kriegerhandwerke vertraut, hat L. seine militärische Laufbahn am Rheine und in Ungarn begonnen und ist vermöge seiner hohen strategischen Begabung neben Ferdinand Albert von Braunschweig, Mercy, Stahremberg und Battée der bemerkenswertheste unter den zahlreichen Führern im Heere Eugens von Savoyen. In den Kriegen Oesterreichs gegen die aufständischen Ungarn und die Pforte zu Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts hat der tapfere Kämpe so viele und glänzende Waffenthaten vollbracht, daß ihm in der Kriegsgeschichte des Kaiserstaates ein ruhmvolles Andenken für immer bewahrt bleiben wird. – Georg Wilhelms Vater, Jacob Wilhelm L., war vorderster Losungsamtmann der Reichsstadt, seine Mutter Regina Katharina stammte aus dem bekannten Nürnberger Geschlechte der Scheuerl von Defersdorf. – L. kam zu seiner militärischen Ausbildung auf die Ritterakademie nach Turin, dann 1676 als Page, später als Stallmeister in die Dienste des Markgrafen Hermann von Baden (geb. 1621, † 1691), welcher damals kaiserlicher Rath und Kriegspräsident war und als Feldmarschall unter Montecucoli im Elsaß und Breisgau kämpfte. Dort in jenem verheerenden Rachekriege Ludwig XIV. hat L. „in seinen annoch jungen Jahren“ die Feuertaufe empfangen; doch sind die einzelnen Treffen und Gefechte, bei denen er betheiligt gewesen, nicht bekannt. Dank seinen hohen Gönnern wurde der kaum Zwanzigjährige (1681) Hauptmann im Graf Daun’schen Infanterieregimente. Der im Frühjahr 1683 begonnene türkisch-ungarische Feldzug führte ihn auf einen neuen Kriegsschauplatz, nach Ungarn, auf dem er sein ganzes thatenreiches Leben verbrachte und „erwähntes Regiment ganze 13 Jahre mit großem Ruhme und Tapferkeit commandirte“. – Als Hauptmann wohnte er unter Anderem der Einnahme von Eperies, Kaschau, Podek an und kam als Oberstwachtmeister in das Houchinische Regiment. 1685 Oberstlieutenant geworden, erhielt er das Commando des festen Platzes Cedam, wies dessen Belagerung durch ein starkes türkisch-tartarisches Corps glücklich zurück, und betheiligte sich mit seinem Regimente durch kühne Streifzüge an Vertreibung der Osmanen aus Siebenbürgen. Die ersten militärischen Lorbeeren erntete er indeß in der Schlacht bei Zzalankemen zwischen Peterwardein und Semlin am 19. August 1691 unter Führung des Markgrafen Ludwig von Baden, wobei er sich mit seinem Regimente so hervorthat, daß er durch besonderes kaiserliches Rescript belobt wurde. In den folgenden Jahren bekleidete er das Commando über einige Grenzfestungen, wie Lipa, Karansebas und Kronstadt, rückte wegen seiner vorzüglich geleiteten Operationen 1799 zum wirklichen Oberst vor und führte von 1701–1704 den Oberbefehl über das befestigte Arad. Seinem Muthe und seiner Einsicht gelang es, diesen wichtigen Punkt dem Kaiser zu erhalten, wobei er über Jahr und Tag den Unterhalt der ganzen Besatzung aus eigenen Mitteln bestritt, weil die kaiserlichen lange Zeit versiegt waren. Die Uebergriffe des Pascha von Temesvar wies er kräftig zurück, fügte den aufständischen Ungarn vielfachen Schaden zu und nahm ihnen im December 1702 die Freistadt Käsmarkt weg. 1704 rückte er zum Generalfeldwachtmeister vor; 1707 erhielt er den Titel nebst Rang [89] eines Generalfeldmarschalllieutenants, sowie das vorher Graf Friesen’sche Infanterieregiment, das hinfort seinen Namen trug. Am 6. August 1708 erfolgte seine Erhebung in den erblichen Freiherrnstand „in gnädigster Betrachtung all’ der devoten, treuen und nützlichen Dienste“, welche in dem Adelsbriefe genau und erschöpfend aufgeführt sind. Das Jahr 1710 traf unsern Krieger in strenger und anstrengender Arbeit wider die Ungarn. Er commandirte damals die kaiserlichen Stellungen im Liptau’schen. Mitten im Winter – im Januar – unternahm er die Belagerung von Leutschau, der Hauptstadt des Zipser Comitates, und brachte bereits am 13. Februar diesen bedeutenden Stützpunkt der Rakoczypartei in seine Gewalt, wobei er durch eine klug abgeschlossene Capitulation ein früheres, tapferes Regiment dem Kaiser wieder zuführte und so zurückgewann. Am 24. Juni 1710 wurde er durch Ernennung zum Hofkriegsrath ausgezeichnet, blieb jedoch bei der activen Armee und nahm am 12. des folgenden Monats nach schwieriger Blokade das für nahezu uneinnehmbar gehaltene „Zipser Haus“. 1711 den 22. Juni eroberte der General den letzten Waffenplatz der rebellischen Ungarn die durch Natur und Kunst gleich stark geschützte Bergfeste Munkacs; durch den Fall dieser Feste war der Krieg beendet; den ohnedies gefeierten Namen des Siegers bedeckte neuer Ruhm, und „nur mit Auszeichnung wurde des Generals von da an gedacht“. Ein kaiserliches Dekret vom 28. August 1713 verlieh L. „zu dem Ordinari-Commandantenstractament auch den Feldmarschalllieutenantenssold für Winter wie Sommer“, und gleichzeitig den Oberbefehl über die Grenzfestung Peterwardein sammt dem Generalate des Königreichs Slavonien. Wenige Jahre später – 2. Mai 1716 – erhob ihn der Kaiser zum Obristfeldzeugmeister und Chef des Feldartilleriewesens. Die neu ausgebrochenen Feindseligkeiten gegen die Pforte boten ihm bald Gelegenheit seine hohe militärische Begabung aufs neue zu bekunden. Durch rasche Wegnahme des an der Save gelegenen und von den Türken besetzten Passes Mitrovizza eröffnete der Generalfeldzeugmeister am 15. Juni Prinz Eugens neuen Feldzug gegen die Türkei. Dank seiner Geistesgegenwart und Entschlossenheit konnte Prinz Eugen an dem glorreichen Tage von Peterwardein (5. August 1716) den durch Loslösung der Schiffmühlen gefährdeten Uebergang der Truppen über die Donau rechtzeitig bewerkstelligen. Während jener denkwürdigen Schlacht commandirte L. im Kronwerke und im 1. und 2. Retrachement. Ein kaiserliches Dekret vom 13. genannten Monats hebt rühmend hervor, wie sehr „sein Muth, seine Einsicht und seine Tapferkeit“ zu dem Erfolge des Tage beigetragen. Auf seinen Betrieb im Kriegsrathe fiel am August 1716 der von den Türken besetzte Paß von Kanischa. welcher die Verbindung zwischen Serbien und Bosnien vermittelt. Im November 1717 finden wir L. als Festungscommandanten von Ofen und commandirenden General des dortigen Distrikts, welcher sammt der Hauptstadt 145 Jahre unter dem Halbmond gestanden und von Oesterreich erst vor drei Jahrzehnten zurückerobert worden war. L. bekleidete jedoch diesen hohen Posten nicht lange. Die Anstrengungen der Vorjahre hatten seine Gesundheit untergraben; er starb an Folgen der Gicht am 10. August 1719. Kurz vorher, am 23. Juni desselben Jahres, hatte er den Verlust seines einzigen Sohnes Josef zu bekkagen gehabt, welcher als Oberstlieutenant und Commandant des väterlichen Infanterieregiments in der Schlacht bei Villafranca in Sicilien gefallen war. – Am 13. August bewegte sich ein großartiger Leichenzug, wie ihn Ofen noch selten gesehen, nach der Jesuitenpfarrkirche dortselbst, in dessen lauretanischer Kapelle die Leiche des Verstorbenen beigesetzt wurde, welcher schon in seiner Jugend zum Katholicismus übergetreten war. Nicht minder pomphaft wie die Bestattung waren die Exequien, welche vom 17.–19. August in genannter Kirche abgehalten wurden. Der General war zweimal vermählt, das erste Mal am [90] 3. Mai 1687 mit Maria Polyxena, einer Tochter des königlichen Rathes Peter Stuppart v. Löwenthal zu Prag, welche er bei der Geburt des dritten Kindes 1692 verlor; das zweite Mal mit Charitas Constantia v. Zauner. Der Senior der Löffelholz’schen Familie besitzt ein wohlgetroffenes Oelporträt des Generals in seinem 50. Lebensjahre.

Löffelholz’sches Urkundenbuch. – Histor. Merkur 22., 55., 67. Thl., S. 90, 98, 114, 116. – Jub. theatri Eur. (1738), 21. Thl. – Conlin, Carolus VI. (1721, 4°) 213, 254, 268, 442, 446 und 447. – Eugenii etc. Heldenthaten III. 772, 801, 834, 841–42, 845, 905, 908, 961, 1003, 1018, 1043, 1070, 1092, 1111, 1134. – Wagner, Hist. Josephi I. 62, 63, 141, 200, 249, 309, 388, 391, 398, 401, 420, 423. – Soergel, Gesch. der europ. Kriege des 18. Jahrh., III. 346, 351. – Arneth, Prinz Eugen von Savoyen, II. 175, 387–390, 396, 398, 522.